Bei Hirscher-Gold im Riesentorlauf fällt Sailer-Rekord. Die Topfavoritenrolle klebt vor dem WM-Riesentorlauf am Freitag in Aare (14.15/17.45 Uhr/live ORF eins) fix an Marcel Hirscher.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 14. Februar 2019 (14:34)
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Hirscher muss das Bett hüten

Der Olympiasieger, WM-Titelverteidiger und Gewinner von vier Saisonrennen kränkelt im Vorfeld des Rennens, das ihm zum Größten bei Weltmeisterschaften machen könnte. Mit sechs Goldenen fehlt ihm nur noch eine auf Rekordmann Toni Sailer.

Mit sechs Gold- und drei Silbermedaillen wird Hirscher bei einem Titelgewinn Sailer (7/1/0) überholen. Bei einem Medaillenerfolg steigt er in den Kreis jener Rennläufer auf, die zehn oder mehr WM-Medaillen gewonnen haben. Kjetil Andre Aamodt (12) liegt vor Marc Girardelli (11) und Lasse Kjus (11) sowie Benjamin Raich (10). Bei Hirscher und Raich sind Teammedaillen dabei, zu Zeiten der anderen gab es diesen Bewerb noch nicht.

Nach seiner Ankunft am Mittwoch in Aare legte sich Hirscher gleich ins Bett. Donnerstag begab er sich auf die Ski, die ganz große Zuversicht versprüht er aber nicht. "Allzu optimistisch bin ich momentan nicht, dass das morgen tipptop sein wird", ließ der 29-Jährige wissen. "Halsweh, Ohrenweh, Schnupfen, wie man hört, und Gliederschmerzen. Also ich würde sagen, ich bin zwar kein Doktor, aber es hört sich ein bisschen nach einem grippalen Infekt an."

Wer sind also die großen Herausforderer auf der Piste am Aareskutan, auf der Hirscher die WM-Generalprobe im März 2018 gewann? Niemand weiß, wie die Piste tatsächlich aussehen wird, Regen und Tauwetter haben dem Untergrund zugesetzt, Salzpräparation umumgänglich. Dem hinter Hirscher Disziplinzweiten Henrik Kristoffersen fehlt noch eine WM-Medaille, der Franzose Alexis Pinturault holte sich mit Kombi-Gold Selbstvertrauen. Mit Loic Meillard (SUI), Matts Olsson (SWE), Thomas Fanara (FRA), Zan Kranjec (SLO) und Mathieu Faivre (FRA) darf auch gerechnet werden.

Und freilich dem Tiroler Manuel Feller, der auch bei der WM wieder das Podest attackieren will, denn er stehe einfach nicht am Start, um Vierter, Fünfter oder Sechster zu werden. "Ich weiß, ich habe jetzt in den letzten fünf Rennen vier Ausfälle gehabt. Aber ich fühle mich trotzdem sicherer und stärker, als ich je vorher war", versicherte Feller. Im Riesentorlauf schrieb er in dieser Saison in zwei der fünf Rennen an, als Vierter in Alta Badia und Elfter in Val d'Isere.

In seinem dritten von vier WM-Rennen hat der bereits zweifache Aare-WM-Medaillengewinner Marco Schwarz die geringsten Chancen, aber aussichtslos ist der Adelboden-Siebente nicht. "Ich nehme das Rennen schon sehr, sehr ernst, ich kann durch die 500 Punkte mit 16 fahren, und nicht nach 60. Ich glaube, da ist schon auch ein bisschen was möglich", sagte der Kärntner, der auf eine Piste "mit Wasser und Salz" vom Training auf der Reiteralm eingestellt ist. Von dem her könnte es schon passen, meinte der 23-Jährige.

"Überraschungen können immer passieren, ich glaube, dass ich auch im Riesen in einer guten Form bin, dass ich das Material beieinander habe. Wenn es von der Piste her passt, kann auch sehr viel möglich sein. Es muss alles zusammenpassen, Material, Tagesverfassung, das nötige Glück, weil fünfzehn Leute um die Medaillen mitfahren können", sagte der Kärntner.

St. Moritz-Silbermedaillengewinner Roland Leitinger und sein Kollege Stefan Brennsteiner sind beide nach Kreuzbandrissen in ihrem rechten Knie in ihrer Comeback-Saison, trotz magerer Saisonergebnisse war für die Riesentorlauf-Spezialisten Platz im ÖSV-Kader. "Freitag geht es um die Wurst, keiner geht mit einem Vorsprung raus. Ich habe null Druck. Alles Richtung Top Ten wäre ein Schritt in die richtige Richtung", sagte der 27-jährige Leitinger.

An St. Moritz denkt der Salzburger dieser Tage freilich gern. "Positive Energien, die man mit irgendwas verknüpft sind immer gut. Es ist schön, wenn man in diesem Bewerb wieder zurückkommen kann." Die Ausgangsposition sei aber eine ganz andere als vor zwei Jahren, weil er doch sehr gekämpft habe, auch körperlich. Die ganze Saison über habe er "das normale Skifahren noch nicht hingebracht", das gelte es zu machen. Wenn es "nicht brutal eisig" würde, wäre das für ihn zur Zeit sicher besser.

Sein gleichaltriger näherer Landsmann Brennsteiner ist nur ein Jahr nach seiner im Olympia-Riesentorlauf zugezogenen Knieverletzung zurück auf großer Bühne. "Für die WM hätte ich mich lieber mit besseren Leistungen ganz klar aufgestellt, aber in den vergangenen Woche habe ich über den Europacup ein gutes Vertrauen aufgebaut. Ich bin froh, dass ich hier bin, es taugt mir, und ich werde bereit sein für Freitag."

Die Ränge eins und zwei in den beiden Europacup-Rennen in Courchevel und vier in Kronplatz schauten heraus. Vom Schwung her sei er an der Form bei den Winterspielen dran. "Aber es gilt, das konstant umzusetzen bei allen Bedingungen. Ich glaube, das kann hier schon lässig werden." Er werde viel mit seinem Servicemann am Material herumtüfteln.