Erstellt am 19. Januar 2017, 13:47

von APA Red

Kitz-Super-G wird zum WM-Türöffner. Jene Disziplin im alpinen Ski-Weltcup, die einst als liebste Spielwiese der ÖSV-Herren galt, ist fest in norwegischer Hand. Während Kjetil Jansrud alle drei Super-G in dieser Saison gewann, erlebt Österreich einen Durchhänger in der zweiten Speed-Sparte. In Kitzbühel könnte daher im letzten Super-G vor der WM am Freitag (11.30 Uhr) das eine oder andere WM-Tickets gebucht werden.

Kjetil Jansrud dominiert bisher die Super-G-Saison  |  APA

Alles Jansrud, oder was? Mit dieser Frage hat man den Status quo im Super-G recht gut beschrieben, sackte der Norweger doch in Val d'Isere, Gröden und Santa Caterina jeweils 100 Punkte ein. Mit einem vierten Streich wäre er neben Hermann Maier 1997/98 der zweite Läufer mit vier Siegen in den ersten vier Super-G in einer Saison.

Die Dominanz der Norweger in der Disziplin ist fast beängstigend: Acht der vergangenen elf Super-G-Rennen an einen Norweger aus dem Trio Jansrud, Aksel Lund Svindal und Aleksander Aamodt Kilde. Die Kugel für die Super-G-Wertung nahm fünf Mal en suite ein Norweger mit nach Hause. Svindal triumphierte dreimal, Jansrud und zuletzt Kilde je einmal.

Die Österreicher lassen dagegen Potenzial nach oben erkennen. Freilich sind im WM-Winter 2016/17 erst drei Super-G ausgetragen worden und waren die Ergebnisse vereinzelt passabel. Weltmeister Hannes Reichelt verbuchte zuletzt in Santa als Zweiter den einzigen ÖSV-Podestplatz, Matthias Mayer beschnupperte mit Platz vier in Gröden immerhin das Podium. Max Franz war in Santa Caterina als Fünfter auch nicht weit davon entfernt. Doch wirklich optimal lief es in der einstigen rot-weiß-roten Paradedisziplin noch für niemanden.

Fast sinnbildlich für dieses Phänomen steht Vincent Kriechmayr. Der Oberösterreicher war in der Vorsaison bester ÖSV-Athlet und Teil der Weltspitze. Bis zum Weltcup-Finale in St. Moritz hatte er die theoretische Möglichkeit auf die kleine Kristallkugel, die am Ende Kilde abstaubte. Seitdem hat Kriechmayr Rang zehn aus Santa Caterina als bestes Super-G-Resultat in diesem Winter stehen - neben einem 19. und einem 38. Platz.

"Im Super-G hapert es noch ein bisschen bei mir. Ich stehe mit besseren Gefühl am Abfahrtsstart als am Super-G-Start", räumte der 25-Jährige ein. Laut Selbstdiagnose geht Kriechmayr die Lockerheit ab. Die Gründe dafür geben ihm allerdings ein Rätsel auf. "Ich habe noch nicht den Schwung, wie ich ihn letztes Jahr gehabt habe, vor allem im Super-G, wo man ihn extrem braucht. Letztes Jahr ist alles leichter von der Hand gegangen. Vielleicht habe ich mir auch zu viel Druck auferlegt."

Franz war in diesem Winter schon Zehnter, Siebenter und eben Fünfter in Santa Caterina. "Im Super-G läuft es auch ganz gut, aber nicht ganz so reibungslos wie in der Abfahrt", sagte auch er, hoffte aber, "ich kann so in dieser Art weitermachen." An Jansrud richtete der Sieger der Gröden-Abfahrt 2016 jedenfalls eine Kampfansage: "Das ist ein ganz anderer Super-G da herunter. Wir werden alles daran setzen, dass er es nicht mehr schaffen wird."

Auch aus Mayer tönte große Vorfreude. "Mir taugt der Super-G hier, das ist ein Herantasten an das Highlight am Samstag. Da probiert man schon immer gut zu sein. Mir gefällt er, vor allem die letzte Passage über den Hausberg herunter und über die Traverse rüber", sagte der Kärntner, der hier bereits zweimal Zweiter war.

Bei 16 Ausgaben des Kitzbühel-Super-G stand immer zumindest ein Österreich auf dem Podest. Jansrud hat in Kitzbühel 2015 zwar die Abfahrt gewonnen, kam im Super-G aber nie über Platz vier hinaus.

Das Rennen am Freitag ist das letzte Rennen vor der Weltmeisterschaft in St. Moritz im Februar. "Jeder hat noch die Chance, sich zu qualifizieren", unterstrich Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher gegenüber der APA - Austria Presse Agentur. Zur Vergabe stehen vier Startplätze, da Titelverteidiger Reichelt sein Ticket fix in der Tasche hat. "Wir werden in St. Moritz fünf Leute am Start haben, die sicher zum erweiterten Favoritenkreis zählen", gab er sich überzeugt.

Der bisher letzte Weltcup-Super-G, der von einem Speed-Spezialisten im österreichischen Team gewonnen wurde, war jener im Februar 2015 in Saalbach. Damals setzte sich Matthias Mayer durch. Danach kam im Dezember des gleichen Jahres noch der Sieg von ÖSV-Cheftechniker Marcel Hirscher, Schauplatz war Beaver Creek.

Heuer darf sich Hirscher Hoffnungen auf seine Super-G-Premiere bei einer WM machen - trotz Platz 47 in Santa Caterina. "Man darf nicht vergessen, er ist dann einen sehr guten Super-G in der Kombi gefahren", erinnerte Puelacher an den zweiten Platz hinter Kilde. "Aber er muss sich genauso wie alle anderen erst noch qualifizieren."