FPÖ-Parteitag: Kunasek mit 99,59 Prozent wiedergewählt. Verteidigungsminister Mario Kunasek ist am Samstag beim FPÖ-Landesparteitag in der Grazer Stadthalle mit 99,59 Prozent der Delegiertenstimmen wiedergewählt worden. Beim letzten Parteitag am 21. Mai 2016 erhielt Kunasek 99,28 Prozent. "Ich nehme die Wahl gerne an. Ihr seid ein Wahnsinn", sagte Kunasek.

Von APA Red. Erstellt am 18. Mai 2019 (14:00)
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34. ordentlicher Landesparteitag der FPÖ Steiermark

Schon bei seiner ersten Wahl am 17. Oktober 2015 in Bruck/Mur auf einem außerordentlichen Parteitag hatte er 98,21 Prozent erreicht. Etwa 500 waren zum Parteitag in der Stadthalle erschienen.

Zuvor hatten schon FPÖ-Abg. Hannes Amesbauer und Landtagsklubchef Stefan Hermann zu einer hundertprozentigen Wahl für Kunasek aufgerufen. Kunasek sagte, das Ergebnis sei ein Signal des Vertrauens, das auch auf ganz Österreich wirken werde.

Trotz der versuchten Jubelstimmung überschattete die Causa Strache den Landesparteitag der steirischen Freiheitlichen in der Grazer Stadthalle. Kunasek war deutlich bemüht, gute Stimmung zu verbreiten: "Es wird aus meiner Sicht ein ordentlicher, aber kein alltäglicher Parteitag." Der Grazer Vizebürgermeister Mario Eustacchio versuchte ebenfalls Zuversicht zu verbreiten.

Kunasek enthielt sich entgegen der Erwartungen jeglicher Kritik an der steirischen Landesregierung, obwohl angesichts der Landtagswahl im Frühjahr 2020 Angriffe auf SPÖ und ÖVP erwartbar gewesen wären. "Es ist ein Rückschlag, unbestritten, den wir in den letzten Stunden erfahren durften, mussten", sagte er. Er sei zu 100 Prozent überzeugt, dass man die Situation schaffe und weiter reifen werde, auch an den Rückschlägen. Man werde diesen Parteitag in entsprechender und feierlicher ordentlicher Form begehen. Kunasek betonte die Erfolge der vergangenen 15 Jahre angesichts der schwierigen Situation: "Es sind damals Tränen geflossen und es sind heute schon Tränen geflossen."

Er werde nicht die SPÖ-ÖVP-Landesregierung kritisieren und deren Budgetpläne, sagte Kunasek: "Ich sehe mich als Obmann der Landesgruppe als Kommandant des Schiffs, Boots, ich werde unsere Arche aus stürmischen Gewässern heraus wieder in ruhige Fahrwasser bringen." Bei Erfolgen und beim Feiern sei es nicht schwer, Chef zu sein.

Persönlich betroffen wurde Kunasek, als er eine Begegnung auf dem Parteitag schilderte. Er frage sich, was jemand auf einem Parteitag tue, der ihm aus einigen Metern praktisch mitteile "Na, du warst jetzt Verteidigungsminister." Da brandete zum ersten Mal spontaner Applaus auf, als es ums Zusammenhalten ging.

"Wir haben noch viel vor, unsere Reise ist nicht beendet, nicht um 12.00 Uhr und nicht morgen. Wir brauchen Durchhaltefähigkeit", wurde Kunasek militärisch. Man solle sich ruhig ärgern, auch die eine oder andere Träne wegdrücken, wie er es getan habe, aber man lasse sich nicht zerstören, was man 15 Jahre aufgebaut habe. Er wünsche sich, dass man gestärkt aus dem Parteitag hervorgehe.

Beim Einmarsch von Kunasek und EU-Spitzenkandidat Harald Vilimsky wurden die üblichen Landes- und FPÖ-Fahnen geschwenkt, der Jubel der Parteitagsteilnehmer war zu früheren Anlässen allerdings schon enthusiastischer gewesen. Kunasek bedankte sich: "In einer durchaus schwierigen Phase habt Ihr mir positive Energie mitgegeben." Allerdings, räumte Kunasek ein, habe er sich angesichts der Titel der Tageszeitung am heutigen Tage ins Jahr 2005 zurückversetzt gefühlt. Doch damals habe der hier anwesende heutige dritte Landtagspräsident Gerhard Kurzmann die Partei wieder aufgebaut und sie ihm, Kunasek, als erfolgreiche Landespartei übergeben.

Vilimsky hatte einen eigenen Erklärungsansatz zur Causa Strache: "Zur Zeit sind wir in einem Gewitter, keine Frage. Aber das Gewitter hat auch ein Erklärungsmuster, das mehr als ominös ist", so Vilimsky in seinem Referat. "Cui bono? Das nützt nur Juncker, Merkel, Macron." "Da kommt aus heiterem Himmel eine Geschichte, die sich im Jahr 2017 ereignet hat, die zwei Jahre im Ladl gelegen ist und aus Deutschland organisiert ist", sagte Vilimsky.

"Weil's niemand sonst macht: Wer steht dahinter, frage ich? Da können nur Profis am Werk gewesen sein, mit Geheimdienstinformationen. Weil man nicht so eine Charade, ein Potemkinsches Dorf so lange aufbauen kann und eine Hütte verwanzen". Dort seien "zwei unserer Leute" mit Alkohol versorgt worden, ohne diesen Einfluss könne er sich nicht vorstellen, dass sonst "unsere zwei Leute so etwas gesagt hätten".