Evakuierung von Aleppo von Kämpfen unterbrochen. Die Evakuierung der Metropole Aleppo ist unterbrochen worden. Hilfsorganisationen wurden aufgefordert, Busse und Ambulanzfahrzeuge aus den Rebellengebieten im Osten der Stadt abzuziehen, sagte ein Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitag.

Von APA Red. Erstellt am 16. Dezember 2016 (11:03)
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Busse sollen Rebellen und Zivilisten aus Aleppo herausbringen

Er hoffe, dass es sich nur um eine zeitweilige Unterbrechung handle. Es harrten weiterhin viele Menschen in Ost-Aleppo auf ihre Evakuierung.

Das syrische Regime warf den Rebellen vor, gegen die Auflagen für den kampflosen Abzug verstoßen haben. Die Rebellen und der Oppositionssender Orient TV berichteten, schiitische Milizen hätten auf Evakuierungs-Fahrzeuge gefeuert. Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dort, wo Busse Aleppo verließen, seien Einschläge zu hören gewesen.

Ein Sender der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah berichtete, Protestierende hätten die Abzugsrouten blockiert und die Evakuierung von zwei von den Rebellen eingeschlossenen schiitischen Dörfern gefordert. Der Iran hatte zuvor die Einbeziehung der Ortschaften Foua und Kefraya in die Evakuierung gefordert.

Die Evakuierung hatte am Donnerstag begonnen. Ein Abkommen zwischen Regierung und Rebellen sieht vor, dass Kämpfer und Zivilisten die Stadt verlassen und in andere Gebiete unter Kontrolle der Opposition gebracht werden. Ein erster Anlauf zur Umsetzung war am Mittwoch gescheitert, weil neue Kämpfe ausgebrochen waren.

Ein syrischer Regimefunktionär berichtete am Freitag, es habe "Behinderungen" gegeben. Die bewaffneten Aufständischen hielten "die Bedingungen der Vereinbarung nicht ein". Der Einsatz sei daher abgebrochen worden. Nach einem Bericht des syrischen Staatssenders Ikhbariya hätten die abziehenden Rebellen versucht, im Zuge der Evakuierung Gefangene mitzunehmen - und damit Auflagen für den kampflosen Abzug verletzt.

In Ost-Aleppo warten noch Zehntausende auf den Transport. Frankreichs Präsident François Hollande erklärte, es seien noch 50.000 Menschen eingeschlossen. Hilfsorganisationen rechnen sogar mit rund 70.000 Menschen, die aus der Stadt gebracht werden müssen. Wegen einer monatelangen Blockade durch das Regime ist die humanitäre Lage dort katastrophal.

Der russische Präsident Wladimir Putin sprach sich indes für eine Einigung aller Konfliktparteien in Syrien auf einen nationalen Waffenstillstand aus. Am Rande seines Staatsbesuchs in Japan sagte Putin am Freitag, als "nächster Schritt" nach der Rückeroberung der Großstadt Aleppo durch die syrischen Regierungstruppen müsse eine "vollständige Waffenruhe für ganz Syrien" erreicht werden.

"Wir verhandeln aktiv mit Mitgliedern der bewaffneten Opposition - mit der Vermittlung der Türkei", fügte Putin hinzu. Im Gespräch seien Friedensgespräche, möglicherweise in der kasachischen Hauptstadt Astana.

Auf Drängen Frankreichs berät der UN-Sicherheitsrat am Freitag über die Lage in Syrien, insbesondere im nördlichen Aleppo. Paris dringt auf die Entsendung internationaler Beobachter, um die Evakuierungen und humanitäre Hilfslieferungen zu überwachen. Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura forderte eindringlich einen Waffenstillstand und eine politische Lösung für den Syrien-Krieg. Ohne eine Einigung drohe die Rebellenhochburg Idlib zum "nächsten Aleppo" zu werden.

Die Truppen des mit Russland verbündeten syrischen Staatschefs Bashar al-Assad hatten den bisher von bewaffneten Rebellen gehaltenen Ostteil Aleppos am Donnerstag fast vollständig eingenommen. Seitdem wurden tausende Zivilisten und Rebellen aus der Stadt gebracht, nachdem am Mittwoch eine von Russland und der Türkei vermittelte Einigung zunächst gescheitert war. Seit Beginn des Syrien-Kriegs im Jahr 2011 wurden nach UN-Schätzungen bereits mehr als 310.000 Menschen getötet.