Djokovic wird Federer überholen, sagt Coach Ivanisevic. Novak Djokovic hat sich mit seinem neunten Sieg bei den Australian Open als Jüngster der "big three" im Kampf um den Grand-Slam-Rekord zurück ins Spiel gebracht. Der 33-jährige Serbe hält nun bei 18 Major-Titeln, vor ihm liegen der 34-jährige Rafael Nadal und der im August 40 werdende Roger Federer mit je 20 Grand-Slam-Triumphen. Djokovic-Coach Goran Ivanisevic muss sich daher nicht weit aus dem Fenster lehnen, wenn er prophezeit, dass sein Schützling Federer überholen wird.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 22. Februar 2021 (10:08)
Djokovic mit seinem neuesten Melbourne-Pokal
APA/Reuters

Den Kampf um den Allzeitrekord bei den Herren werden Djokovic und Nadal untereinander austragen, so der ehemalige Wimbledonsieger aus Kroatien. "Die beiden überraschen mich jeden Tag. Rafa wird sicher noch einen gewinnen, ich hoffe nicht zwei. Sie spielen immer noch immer besseres Tennis", erklärte Ivanisevic.

Natürlich wäre sogar der allgemeine Rekord, aktuell von Margaret Court mit 24 Titeln gehalten, noch in Reichweite. Für Federer wird es nach über einem Jahr Pause und mit fast 40 trotz seines Ausnahmetalents freilich enorm schwer werden. Seit den Australian Open 2018 hat der Schweizer Superstar kein Major mehr gewonnen.

Djokovic ließ bereits durchblicken, dass er sich noch mehr auf die Majors konzentrieren wird. Zudem wird er seine Bauchmuskelverletzung jetzt auskurieren. "Ich habe in der Früh ein weiteres MRI gemacht und der Schaden hat sich im Vergleich zum ersten MRI vergrößert", berichtete er nach dem glatten 7:5,6:2,6:2 über Daniil Medwedew.

Begeistert über Djokovic' Melbourne-Auftritt haben sich auch andere ehemalige Tennis-Größen geäußert. "Das war eine unglaubliche Performance. Es war auch ein starkes Statement in Richtung der nächsten Generation, an uns, die ganze Welt. Novak ist so ein kompletter Spieler", meinte Mats Wilander als Eurosport-Experte. Und Ex-US-Open-Sieger Andy Roddick schwärmte auf Twitter: "Djoker ist so gut. Es gibt keine Möglichkeit, ihn auf dem Court zu attackieren. Es ist wie wenn man nicht imstande ist, einen Boxer zu schlagen und dieser Boxer K.o.-Power in beiden Händen hat."

Angeschlagen wie ein Boxer war Djokovic allerdings im vergangenen Jahr öfters: Sowohl mit der Organisation der Adria-Tour, wo Spieler Partys gefeiert und sich auch mit dem Coronavirus infiziert hatten, als auch mit der Disqualifikation bei den US Open, nachdem er unabsichtlich eine Linienrichterin mit einem weggeschlagenen Ball getroffen hatte. Im Vorfeld der Australian Open hatte sich Djokovic wegen der Quarantänebestimmungen und seiner Forderung nach Lockerung für die Spieler unbeliebt gemacht.

Konstante Medienschelte ist Djokovic, der im Beliebtheitsgrad mit Federer und Nadal weltweit gesehen trotz all seiner sichtbaren Bemühungen nicht mithalten kann, gewohnt. "Natürlich tut das weh. Ich habe Emotionen und ich genieße es nicht, wenn mich jemand in den Medien attackiert. Aber ich habe in all den Jahren eine dicke Haut entwickelt", erklärte Djokovic dazu. Nach seinem neunten Sieg in seinem "Wohnzimmer Rod Laver Arena" gab sich der Serbe aber versöhnlich. Er ist in Melbourne ebenso eine Macht wie Nadal in Paris und Federer es viele Jahre in Wimbledon war.

Es wird neben den weiteren Steigerungsmöglichkeiten von Dominic Thiem, Daniil Medwedew, Alexander Zverev und Co. die vielleicht spannendste Frage in diesem Jahr: Was kann Roger Federer nach seiner langen Pause wieder leisten? Einen ersten Eindruck davon kann man sich in knapp zwei Wochen machen, wenn der Eidgenosse in Doha auf die ATP-Tour zurückkehrt.