Melbourne: Osaka im Finale, Williams in Tränen. Im Damen-Finale der Australian Open kommt es am Samstag zum Duell zwischen Top-Favoritin Naomi Osaka und der US-amerikanischen Außenseiterin und Finaldebütantin Jennifer Brady. Serena Williams scheiterte erneut beim Versuch, ihren lang ersehnten 24. Grand-Slam-Titel zu gewinnen.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 18. Februar 2021 (15:56)
Serena Williams verlässt nach dem Out tränenreich die Pressekonferenz
APA/sda/dpa/Reuters

Im Halbfinale verlor die 39-jährige Williams deutlich 3:6,4:6 gegen die als Nummer 3 gesetzte Japanerin Osaka. Die US-Amerikanerin bleibt damit einen Major-Sieg hinter Rekordhalterin Margaret Court.

Die nach dem Match obligatorische Pressekonferenz verließ Williams vorzeitig und in Tränen aufgelöst. Auf die Frage, ob sie sich beim Gang aus der Rod-Laver-Arena bereits von den Zuschauern verabschiedet habe und ob dies vielleicht ihr letzter Auftritt bei dem Grand-Slam-Tennisturnier in Melbourne gewesen sei, antwortete sie noch lächelnd: "Ich weiß es nicht. Wenn ich irgendwann 'Farewell' sage, würde ich es keinem verraten. Also ..."

Als sie danach nach ihren vielen leichten Fehlern gefragt wurde und ob es einfach ein schlechter Tag gewesen sei, sagte Williams: "Ich weiß nicht. Das war's." Williams fing an zu weinen, stand auf und verließ den Interviewraum. Der Abgang zeigte deutlich, wie viel ihr dieser 24. Major-Titel bedeuten würde, wie sehr sie der neuerliche Rückschlag schmerzt. Die Zeit läuft ihr davon. Court gewann ihre 24 Titel von 1960 bis 1973, als das Damen-Tennis noch deutlich weniger umkämpft war.

Und obwohl Williams' bisherige Erfolge daher höher einzuschätzen sind, will sie den 24er unbedingt erreichen. "Ich habe mich zu Beginn gut gefühlt", erklärte Williams vor ihrem emotionalem Zusammenbruch. "Aber danach habe ich einfach zu viele wirklich einfache Fehler gemacht. Es war ein großer Fehler-Tag von mir." Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Die 16 Jahre jüngere Naomi Osaka ist auf Hartplatz einfach stärker als jede andere, inklusive Williams.

Der Name Serena Williams macht aber auch auf Osaka noch immer Eindruck. "Es ist immer eine Ehre, gegen sie zu spielen", meinte sie. "Ich war am Anfang wirklich nervös, aber habe einen Weg gefunden, ins Match zurückzukommen", sagte die Asiatin in der zur Hälfte mit Fans gefüllten Rod-Laver-Arena. Nach dem fünftägigen Lockdown wegen zuvor festgestellter Corona-Fälle in einem Hotel am Flughafen durften am Donnerstag erstmals wieder Zuschauer auf die Anlage am Yarra River.

Auch Novak Djokovic anerkannte Williams' Leistungen: "Sie ist eine der Größten jemals. Ich meine von allen Athleten, nicht nur von den Tennisspielern, daran gibt es keinen Zweifel. Ich fühle mich geehrt, zur gleichen Zeit wie sie zu spielen. Wenn du große Sachen jagst, die sich auf die Geschichte des Sports beziehen, hat das natürlich viel Gewicht, es bringt viel Druck mit sich. Und egal, wie viele Jahre du auf der Tour gespielt und welche Erfahrung du hast, spürst du es immer noch auf deinen Schultern."

Im zweiten Halbfinale setzte sich Jennifer Brady (WTA-Nr. 24) in drei hart umkämpften, aber nur selten hochklassigen Sätzen 6:4,3:6,6:4 gegen die drei Positionen schlechter klassierte Tschechin Karolina Muchova durch. Während Osaka ihre bisherigen drei Grand-Slam-Finals - US Open 2018 und 2020 Australian Open 2019 - gewonnen hat, setzte sich die 25-jährige Brady im vergangenen August in ihrem ersten und bisher einzigen WTA-Finale beim kleinen Turnier in Lexington durch.

Osaka gilt im Endspiel als klare Favoritin. Die 23-Jährige zeigte gegen Williams eine nahezu perfekte Leistung und wackelte nur einmal. Die Tochter eines Haitianers und einer Japanerin geriet 0:2 in Rückstand. Williams hatte Bälle zu einer 3:0- und dann 3:1-Führung. Dann aber gewann Osaka acht Games in Serie. Bei 4:3 im zweiten Satz unterliefen ihr drei Doppelfehler, doch auf das 4:4 reagierte sie gleich wieder mit einem Break und servierte nach eineinviertel Stunden souverän zu null aus.

Williams hat seit der Geburt ihrer Tochter Alexis Olympia im Herbst 2017 nun elfmal versucht, Courts Allzeit-Rekord an Grand-Slam-Titeln zu egalisieren und ist gescheitert, viermal davon in einem Finale. Unter anderem verlor sie schon 2018 im US-Open-Endspiel in zwei Sätzen gegen Osaka. Damals war dies sensationell, nun war es fast schon erwartet. Seit zweieinhalb Jahren ist die Japanerin die mit Abstand stärkste Hartplatz-Spielerin der Welt.

Auch Bradys Erfolg kommt nicht aus dem Nichts. Sie erreichte bei den US Open 2020 ihr erstes Major-Halbfinale, in dem sie Osaka drei Sätze lang hart forderte. Gegen Muchova kämpfte sie am Ende mit den Nerven, nutzte aber ihren fünften Matchball. Dass es nun wohl schwieriger für sie wird, ist Brady offenbar bewusst: "Ich denke, es wird ein wirklich hartes Match. Sie (Osaka, Anm.) hat ja schon ein paar Grand Slams gewonnen. Aber ich bin ziemlich aufgeregt, im Finale der Australian Open zu stehen."