Tote bei Anschlag auf Hilfsorganisation in Afghanistan. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat den Angriff auf ein Büro der Kinderhilfsorganisation "Save the Children" in Ostafghanistan für sich reklamiert.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 24. Januar 2018 (14:58)
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Das Haus ist noch immer umkämpft
APA/dpa/ag.

Mindestens vier Menschen wurden nach jüngsten Angaben bei dem Anschlag am Mittwoch in Jalalabad getötet, unter ihnen zwei mutmaßliche Angreifer. Weitere 20 Menschen wurden laut der Provinzregierung verletzt.

Außerdem sollen 40 Mitarbeiter der Hilfsorganisation in dem weiterhin umkämpften Haus in einem Schutzraum gefangen sein. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur von einem Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden wollte. In dem Büro arbeiteten bei Vollbesetzung um die 100 Personen. Ob auch internationale Mitarbeiter im Haus waren, blieb zunächst unklar.

Das IS-Sprachrohr Amaq verbreitete eine Mitteilung, in der von einer "Selbstmordoperation", unter anderem mit einer Autobombe, die Rede war. Ziel seien britische und schwedische Institutionen und afghanische Regierungseinrichtungen gewesen. Der IS hat in Ostafghanistan seine einzige territoriale Basis und verübt dort und auch in der Hauptstadt Kabul zunehmend blutigere Anschläge.

"Save the Children" gab unterdessen bekannt, die Hilfstätigkeit in Afghanistan vorübergehend auszusetzen. Sobald es die Sicherheitslage erlaube, wolle man diese wieder aufnehmen.

Erst vor wenigen Tagen hatten die radikalislamischen Taliban ein Luxushotel in Kabul attackiert und mindestens 22 Menschen getötet. Die meisten Opfer waren Ausländer. Die Attentäter gingen bei dem mehr als zwölfstündigen Angriff von Zimmer zu Zimmer und suchten gezielt nach Ausländern.

Die Unruheprovinz Nangarhar liegt an der Grenze zu Pakistan. Sie gilt als Hochburg der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) und der Taliban. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen wurden in Afghanistan in den vergangenen Jahren zunehmend zum Ziel von Anschlägen.

"Save the Children" ist eine der größten Hilfsorganisationen in Afghanistan. Die NGO arbeitet seit Jahrzehnten in vielen Provinzen und hilft vor allem Kindern und Müttern in den Bereichen Gesundheit und Bildung.

In einem Plan der UNO für die humanitäre Arbeit in Afghanistan in diesem und in den kommenden Jahren hieß es jüngst, dass Afghanistan eines der gefährlichsten Länder der Welt für Helfer sei. In den ersten zehn Monaten des Vorjahres seien 17 Entwicklungs- und Nothelfer getötet, 15 verletzt und 43 entführt worden. Eine Konsequenz der neuen Gefahren sei, dass Hilfsorganisationen ihre Arbeit einschränkten. "Zwischen Juli und September ist die Zahl der Partner, die wenigstens zwei der folgenden Aktivitäten durchgeführt haben - Hilfslieferungen, Bedarfsprüfungen oder Überprüfung von Projekten - von 170 auf 153 gefallen."

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich seit dem Ende der NATO-Kampfmission vor drei Jahren drastisch verschlechtert. Die Taliban kontrollieren oder beeinflussen nach Militärangaben mittlerweile wieder rund 13 Prozent des Landes und kämpfen um weitere 30 Prozent. Der IS verübt mehr Anschläge.