Protest gegen Bahn-Pläne: „Wir sind fuchsteufelswild!“. Die geplante Verlängerung der Transsibirischen Eisenbahn mit einem Verladebahnhof in Parndorf sorgt für Aufregung in der Bevölkerung. Minister Hofer versucht zu beruhigen.

Von Paul Haider. Erstellt am 28. Februar 2018 (06:05)
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Auf Schiene. Die Parndorfer sind von der Vorstellung, einen internationalen Güterbahnhof vor der Haustür zu haben, nicht begeistert. Foto: Symbolfoto/Bilderbox

Per Bahn von China nach Parndorf in zehn Tagen? Das ist eine Vorstellung, die die Fantasie der Wirtschaft dieser Tage ebenso ankurbelt, wie sie in Parndorf die Wogen hochgehen lässt.

In der Vorwoche hat Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) ein Übereinkommen mit seinem russischen Amtskollegen Maxim Sokolow über die Verlängerung der Transsibirischen Eisenbahn von Kosice (Slowakei) nach Österreich unterschrieben. Spätestens 2033 wolle man auf der Bahn fahren, so Hofer.

Kovacs: „Kein Mensch hat uns was gesagt“

In den Plänen über die Trassenführung wurde Parndorf als möglicher Standort für einen großen Verladebahnhof genannt. Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA) ließ die BVZ wissen, dass man darüber in der Ortschaft alles andere als erfreut sei: „Einfach gesagt: Die Gemeinde und die Bevölkerung sind fuchsteufelswild! Jeden Tag überstürzen sich die Nachrichten, und wir müssen aus der „ZiB“ erfahren, dass Parndorf der wahrscheinliche Standort ist. Dabei hat uns kein Mensch, weder aus der Regierung, noch von der ÖBB Spitze, irgendetwas davon gesagt.“

Die BVZ hat am Freitag auch Minister Norbert Hofer zum Thema Verladebahnhof Parndorf befragt: „Es gibt noch keine konkreten Trassenpläne, aber den politischen Willen, das zu machen. Es geht um einen Lückenschluss von rund 450 Kilometern. Damit könnten in zehn Tagen Güter von Österreich umweltfreundlich nach China transportiert werden. Wir werden auch den Kontakt mit Parndorf und dem Bürgermeister aufnehmen, mit Landeshauptmann Niessl haben wir bereits gesprochen. Das Projekt würde Parndorf ins Zentrum der Verkehrspolitik rücken, und zwar im positivsten Sinne. Das könnte eine große Chance sein, muss aber auch so gemacht werden, dass die Gemeindebürger nicht über Gebühr belastet werden“, so der Verkehrsminister.

Über diese Belastung macht sich Ortschef Kovacs besondere Sorgen, wie er im BVZ-Gespräch sagt: „Parndorf will nicht zum Mittelpunkt der Verkehrspolitik werden! Wir haben schon jetzt einen irren LkwVerkehr und ein Feinstaub-Problem. Wenn auf dem Bahnhof die Container auf Lkw umgeladen werden, würden die wieder auf der A4 und A6 vor unserer Haustür weiterfahren. Da hätten wir ein Feinstaub-Problem, das gewaltig wäre. Wir werden alles tun, um das zu verhindern. Und es kommt gar nicht gut an, wenn man mit uns nicht einmal darüber redet. Die Parndorfer lassen sich das nicht gefallen! Die Stimmung im Ort ist aggressiv.“

Er habe bereits einen Termin mit der Landesregierung vereinbart, bei dem er genauere Informationen zum Planungsstand des Projektes einholen will, erklärt Bürgermeister Kovacs abschließend.