Erste Landung: Der Storch bringt den Frühling. Die Nester sind bereit, die ersten Störche im Anflug: Bis zu 120 Paare landen bis Mitte April im Burgenland – immerhin ein Drittel des österreichischen Bestandes.

Von Wolfgang Millendorfer und Peter Wagentristl. Update am 14. März 2020 (12:15)
Die Störche kommen zurück insBurgenland. In Rust haben Storchenvereins-Obmann Josef Karassowitsch und sein Team die Nester bereitsgereinigt und für die Ankunft vorbereitet. Auch in anderen Regionen des Landes ist „Meister Adebar“ wieder im Anflug oder schon gelandet …
Denise Jandl

Er gilt – nicht nur, aber besonders im pannonischen Raum – als sprichwörtlicher Frühlingsbote: Wenn der Storch kommt, neigt sich der Winter definitiv dem Ende zu. „Der Storch“, das sind im Burgenland bis zu 240 Tiere. Gezählt werden sie von „BirdLife Österreich“, und zwar in Horstpaaren: Als treue Besucher landen die Pärchen zwischen Mitte März und Mitte April in allen Regionen des Burgenlandes und besetzen dabei auch immer wieder gern dieselben Nester.

Die Störche kommen zurück ins Burgenland. Foto: Bilderbox
Bilderbox

Vor allem in der „Storchenstadt“ Rust kann man das jeden Frühling aufs Neue beobachten. Der Storchenverein rund um Obmann Josef Karassowitsch hat schon für die geeigneten Brutplätze gesorgt und die Nester gereinigt. Und wie viele Störche erwartet man heuer? „Da lassen wir uns überraschen. Wir hoffen natürlich immer, dass es mehr werden.“

Am Samstag konnte jedenfalls bereits die erste Storch-Landung in diesem Jahr verzeichnet werden. Der Neuankömmling sei dabei, sich ein Nest auszusuchen, teilte Karassowitsch mit. Er habe den Neuankömmling während des Einkaufens bemerkt und beobachtet.

In Rust am Neusiedler See ist am Samstag, 14. März 2020, der erste Storch in diesem Jahr gelandet. Der Neuankömmling ist dabei, sich ein Nest auszusuchen.
APA/JOSEF KARASSOWITSCH

Auf die Frage, warum die Tiere so gerne in Rust landen, meint Karassowitsch: „Das weiß man nicht. Eigentlich ist es sehr verwunderlich, da Störche normalerweise Waldvögel sind. Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, wie die Störche zu uns kamen. Auch die älteren Ruster wissen es nicht.“

Fest steht aber, dass der Weißstorch sich im Burgenland sehr wohl fühlt. Bei der letzten Zählung fanden sich die meisten Paare in den Bezirken Neusiedl am See, Eisenstadt und Oberwart (jeweils zwischen 24 und 29), gefolgt von den Bezirken Oberpullendorf (18 Paare) und Güssing (15); die wenigsten Horstpaare wurden in den Bezirken Jennersdorf (4) und Mattersburg (2) gezählt.

„Sommerfrische“ mit Storchen-Nachwuchs

Eine Brutsaison lang beziehen die Storchenpärchen ihre Horste. Im April, spätestens Anfang Mai werden die Eier gelegt, weiß „BirdLife“-Expertin Eva Karner-Ranner, die auch Koordinatorin der Weißstorch-Zählung ist. Ausgebrütet werden die Eier dann von beiden Partnern. Bis zu fünf Jungvögel kann ein solches Paar aufziehen, wobei man

im Schnitt von zwei ausgeflogenen Jungtieren ausgeht, die im Spätsommer – nicht selten vor ihren Eltern – abfliegen und in Richtung Afrika ziehen. Vier Monate widmen die Altstörche der Aufzucht ihrer Jungen, die ab Juli erste Ausflüge wagen.

Wenn die Störche also über den Dächern kreisen, weiß man, dass das charakteris- tische Klappern nicht mehr weit ist. Und damit auch der Frühling.