Greenpeace wird 50 Jahre alt. Am 15. September 1971 ist eine Gruppe von Friedensaktivisten mit einem Schiff von Kanada ausgelaufen, um vor der Küste von Alaska einen geplanten Atomversuch der USA zu verhindern. Ihre Aktion bekam einen Namen, der die Umweltfarbe "Grün" mit "Frieden" verband: Greenpeace. Zwar scheiterte das Unternehmen, aber die Naturschützer machten mit dieser Aktion weltweit Schlagzeilen. 50 Jahre später ist Greenpeace weiterhin die einflussreichste Umweltschutzorganisation der Welt.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 14. September 2021 (06:00)
Greenpeace-Protest: Aufsehenerregend, aber friedlich
Greenpeace-Protest: Aufsehenerregend, aber friedlich
APA/AFP

"Unser Erfolgsrezept war die Frechheit. Alle staunten: Wie können die es wagen, Regierungen zu attackieren und das Ende von Atomtests zu fordern. Das war aufsehenerregend - eben David gegen Goliath. Nur hielten nicht alle zu David: Während eurer Fahrt war ich in diversen Talkshows zu Gast. Da haben Anrufer gewünscht, dass diese Bande von Hippies doch ertrinken möge. Das war schlimm für mich. Denn da kämpfte das Schiff sich gerade durch einen Sturm und zehn Meter hohe Wellen", erinnerte sich das 2019 verstorbene Gründungsmitglied Dorothy Metcalfe.

Mit der Aktion war die Strategie von Greenpeace vorgegeben. Frechheit, Überraschungseffekte sowie leicht verständliche Bilder und Symbole spielen dabei eine große Rolle. Bei vielen Aktionen waren Schiffe, Helikopter, Tauchroboter, Schlauchboote oder Wasserflugzeuge im Einsatz. An dem Grundsatz der Gewaltfreiheit hat sich in den 50 Jahren nichts geändert. Dafür musste die NGO im Laufe der Jahre immer wieder staatliche Repressionen hinnehmen. 1985 brachte etwa der französische Geheimdienst Bomben in dem Schiff Rainbow Warrior an, bei der Detonation starb ein Fotograf.

In Österreich wurde die Organisation 1982 heimisch. Eine Gruppe engagierter Umweltschützer gründete in Wien die "Freunde von Greenpeace". Ein Jahr später wurde der Lizenzvertrag mit Greenpeace International unterschrieben. Noch im selben Jahr startete Greenpeace die erste Kampagne und landete prompt einen Erfolg. Der Protest gegen die Trichlorphenolanlage der Chemie Linz führte zur Stilllegung der Dioxin-verseuchten Anlage. Seither ist die Geschichte von Greenpeace in Österreich untrennbar mit der österreichischen Umweltgeschichte verbunden.

Weltweit hat die Umweltorganisation heute 26 Büros, mehr als drei Millionen Menschen unterstützen Greenpeace. Die großen Themen sind Klimaschutz, der Kampf gegen Gentechnik sowie der Schutz der Meere und der letzten Urwälder. Finanziert werden die Aktionen vor allem durch Spenden.

Den jüngsten Erfolg feierte die NGO 2021 mit einem wegweisenden Gerichtsurteil in einem Klimaprozess gegen Shell. Ein niederländisches Gericht entschied, dass Shell seinen CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2030 um 45 Prozent im Vergleich zu 2019 reduzieren muss. Dies war das erste Mal, dass ein Unternehmen von einem Gericht zu Klimaschutzmaßnahmen gezwungen wurde. Die Klimaklage wurde von Friends of the Earth Netherlands (Milieudefensie) zusammen mit Greenpeace Niederlande, anderen NGOs und 17.379 individuellen Mitklägern eingereicht.

Inzwischen ist Greenpeace aber nicht mehr die einzige weltweit relevante Umwelt-NGO. Nachdem die Klimaaktivistin Greta Thunberg 2018 mit ihrem Klimastreik internationale Schlagzeilen gemacht hat, strömten vor allem junge Menschen zu der Fridays for Future-Bewegung. "Wir stehen natürlich voll hinter Greenpeace, aber es ist wichtig, dass unsere Generation, die vom Klimawandel am meisten betroffen ist, etwas Eigenes macht", sagte die Aktivistin Veronika Winter.