Landesverbände vs. ÖVV, die Nächste. Im Zuge einer Pressekonferenz standen die aktuellen Spannungen zwischen einigen Landesverbänden (darunter dem Burgenland mit Präsident Bernd Csar) und dem Österreichischen Volleyballverband (ÖVV) mit Peter Kleinmann an der Spitze im Fokus. 

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 01. Juni 2017 (14:38)
Bernhard Fenz
Burgenlands Verbands-Präsident Bernd Csar

Menschenverachtend. Herabwürdigend. Bedenklicher Umgang mit demokratischen Strukturen. Miteinander, nicht gegeneinander. Schlechter persönlicher Umgang.

Nur einige jener Schlagwörter, mit denen sich Vertreter von vier Landesverbänden (der fünfte Landesverband – Tirols Präsident Hans Kotek ließ sich entschuldigen, trug das Ansinnen aber mit) in Bezug auf Peter Kleinmann (Präsident des Österreichischen Volleyballverband ÖVV) am Donnerstagvormittag Luft machten.

Kein „objektiv begründbarer Zweifel“ an Korrektheit gegeben

Rückblende: Nachdem ein gestellter Misstrauensantrag gegen den ÖVV-Boss im Zuge einer außerordentlichen Generalversammlung am 12. Mai misslang, war vor allem auch Burgenlands Verbands-Präsident Bernd Csar durch eine nicht anerkannte Vollmacht plötzlich unfreiwillig im Rampenlicht. In weiterer Folge wiederum wurde er dann von Kleinmann attackiert und zum Rücktritt aufgefordert -

Bei der Pressekonferenz im Presseraum des Golfclubs Wienerberg unterstrichen Bernd Csar, Präsident des Burgenländischen Volleyballverbands, Thomas Mayer, Präsident des Niederösterreichischen Volleyballverbands, Florian Stöckl, Landessportkoordinator des Steirischen Verbands sowie Karin Frühbauer vom Volleyball-Leistungszentrum des Kärntner Verbands dann, dass der besagte Misstrauensantrag sehr wohl korrekt war.

Hintergrund: Weil Csar aus privaten Gründen nicht anwesend sein konnte, sprach er eine Vollmacht aus, die allerdings vom ÖVV-Juristen nicht anerkannt worden war. Darum trugen nur vier von neun Landesverbänden den Antrag mit, dieser fand somit keine Mehrheit.

Nach einer juristischen Prüfung stellte Csar jedenfalls klar, dass kein „objektiv begründbarer Zweifel“ an der Korrektheit gegeben sei. Auch sei das Burgenland im Vorfeld weder von der Steiermark erpresst worden, sich dem Misstrauensantrag anschließen zu müssen, noch habe Csar Kleinmann vorgeworfen, in der sogenannten „Watschenaffäre“ (ÖVV-Vizepräsident Michael Henschke hatte im Jänner einen U19-Spieler eine Ohrfeige verpasst, worauf er zu einer Geldstrafe und einer langen – bedingten – Sperre verurteilt worden war) etwas vertuscht zu haben. All das sei zuletzt verbreitet worden.

Nun wolle man Fakten auf den Tisch legen. Und Niederösterreichs Präsident Thomas Mayer legte nach: „Der Ruf nach einem Führungswechsel ist unüberhörbar. Wir fühlen uns den Funktionären verpflichtet.“

Peter Kleinmann musste draußen bleiben

Skurril war die Lage am Rande der Pressekonferenz, da eine Sicherheitsfirma nur akkreditierten Journalisten Zutritt gewährt hatte. ÖVV-Präsident Peter Kleinmann, der ebenfalls beiwohnen wollte, wurde abgehalten und musste draußen bleiben. Grund: Man wolle sich auf die Fakten konzentrieren und eine Diskussion vermeiden.

Erst nach dem offiziellen Teil durfte der ÖVV-Boss in den Raum – und sagte dann auch seine Meinung. Unter anderem stellte der 69-jährige Volleyball-Präsident fest: „Das Ganze ist sehr skurril. Einerseits wird mir ein bedenklicher Umgang mit demokratischen Strukturen vorgeworfen, andererseits stehen draußen drei Securities. Man ist also für Demokratie, aber gegen eine Diskussion. Überhaupt verstehe ich nicht, warum man vor der Beachvolleyball-WM (Anm.: 28. Juli bis 6. August) jetzt so ein Affentheater macht.“

Zur nicht anerkannten Vollmacht von Csar meinte Kleinmann dann: „Unser Anwalt hat gesagt, die Vollmacht ist ungültig. Wahrscheinlich kann man darüber jahrelang streiten.“

VIVA Steinbrunn „perfekte Geschichte“

Auch ein Thema war das geplante Bundesleistungszentrum im VIVA-Landessportzentrum Steinbrunn. Bereits jetzt hat der Volleyballverband hier einen Stützpunkt, dieser soll nun ausgebaut werden. Kleinmann bezweifelte aber, ob alle Verbände hinter dem Projekt stünden – und sagte schon im Vorfeld: „Csar ging bei dem Misstrauensantrag eine Allianz mit Landesverbänden ein, die kein Interesse an einem Stützpunkt in Steinbrunn haben.“

Angesprochen auf das geplante Zentrum in Steinbrunn meinten die anwesenden Vertreter sinngemäß, dass an sich nichts gegen ein solches Projekt spreche, man aber bislang viel zu wenig konkrete Pläne davon kenne. Falls es noch andere Varianten geben sollte, solle das beste Projekt den Zuschlag erhalten.  

Ende September außerordentliche Generalversammlung

Der ÖVV-Präsident wiederum bekräftigte, dass Steinbrunn eine „perfekte Geschichte für uns“ sei. „Alle haben etwas davon, hier soll eine nachhaltige Entwicklung erfolgen.“

Kleinmann selbst kündigte für Ende September eine außerordentliche Generalversammlung an, in deren Zuge er nicht  mehr als Präsident kandidieren werde. „Dann wollen wir auch den neuen Vorstand und den neuen Präsidenten vorstellen. Ich habe schon vor zwei Jahren gesagt, dass mit 70 Schluss sein wird. Jetzt will ich den ÖVV gut übergeben.“