Sohn drohte mit Amokfahrt: Vater informierte Polizei. Vater zeigte seinen 28-jährigen Sohn an. Fünf Monate bedingt und Therapie-Weisung.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 14. Oktober 2019 (11:11)
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Er werde, hatte der 28-Jährige in der Nacht auf 26. September 2019 im Streit gegenüber seinem Vater angekündigt, bei einem Fest im Nordburgenland durch eine Amokfahrt mit einem LKW zumindest „300 Leute“ zu Tode bringen. Danach werde er sich, so der Sohn gegenüber seinem Vater, mit einem Revolver selbst das Leben nehmen.

Am Montag, 14. Oktober 2019, musste sich der 28-Jährige wegen dieser Aussagen vor Gericht verantworten.

Wegen „Landzwang“ angeklagt

Angeklagt wurde der Mann wegen des am Landesgericht Eisenstadt selten angewendeten Paragraph 275 des Strafgesetzbuches – „Landzwang“. Darunter versteht man eine Drohung, die sich gegen einen großen Personenkreis richtet, und einen „Angriff auf Leben, Gesundheit, körperliche Unversehrtheit…“ enthält.

Der Angeklagte gab zu, die Drohung geäußert zu haben. „Vielleicht war er eifersüchtig auf die Dinge, die sein Vater fördert“, stellte Strafverteidiger Andreas Radel in den Raum.

Sein Mandant lebe noch bei den Eltern, es schwele ein Vater-Sohn-Konflikt, der Sohn fühle sich dem Vater möglicherweise nicht gewachsen.

Die aggressive Aussage des Angeklagten habe sich auf ein Fest bezogen, das der Vater finanziell unterstützte.

Der Angeklagte habe jedoch, so der Verteidiger, „keinen Vorsatz gehabt, das in die Tat umzusetzen“. Er habe auch keinen Revolver besessen.

Vater ging zur Polizei

„Auch wenn es nur eine Drohung aus emotionalem Grund war, kann ich es nicht verantworten, wenn es doch stattfindet“, erklärte der Vater des Angeklagten, warum er zur Polizei gegangen war.

Wegen Tatbegehungsgefahr wurde der junge Mann festgenommen, nachdem sein Vater Anzeige erstattet hatte. Er befand sich bis 4. Oktober in Untersuchungshaft. Das Fest fand Ende September 2019 statt.

„I waß a nimma genau, war ang’soffen“, berichtete der Angeklagte, von Richterin Karin Lückl zu den genaueren Umständen der Tat befragt. „Im Rausch sagt man viel Blödsinn.“

„Warum genau dieses Fest?“, wollte die Richterin wissen.

„Weil wir für alles ein Geld hatten und ich seit vier Jahren kein Geld bekommen habe“, antwortete der Angeklagte.

„Er wusste, dass ich die Veranstaltung gern mag und er mir mit der Drohung wehtun kann“, erklärte der Vater.

Probleme mit dem Alkohol

„Wie schaut es mit dem Alkohol aus?“, fragte die Richterin, die dem Angeklagten bei dessen Enthaftung aufgetragen hatte, bis zur Hauptverhandlung keinen Alkohol mehr zu konsumieren.

„Na, normal“, antwortete der Angeklagte.

„Was ist normal?“, fragte die Richterin.

„Ein bissl halt“, erklärte der Angeklagte und gab zu, am Wochenende mit seinen Freunden Alkohol getrunken zu haben, weil diese ihn „sekkiert“ hätten.

Kein Landzwang sondern „gefährliche Drohung“

Die Richterin qualifizierte die Tat gegen Ende des Prozesses doch nicht als „Landzwang“ sondern als gefährliche Drohung gegenüber dem Vater und dessen „Sympathiepersonen“.

„Wollten Sie Ihren Vater damit schrecken?“, fragte der Anwalt seinen Mandanten.

„Ja, eigentlich ja“, antwortete der Angeklagte. Er habe seinen Vater „zum Umdenken“ bewegen wollen und nicht damit gerechnet, dass dieser zur Polizei geht.

Bedingte Strafe als Chance

Der Schöffensenat sprach den Mann schließlich wegen gefährlicher Drohung schuldig und verurteilte ihn zu fünf Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Außerdem muss sich der 28-Jährige nachweislich einer Alkoholentzugs- und einer Psychotherapie unterziehen.

„Sie müssen das als Chance sehen, dass Sie auf die Füße kommen“, ermahnte die Richterin den Angeklagten. Dieser nahm das Urteil an. Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab, das Urteil ist damit nicht rechtskräftig.