Erstellt am 01. März 2017, 11:49

von APA Red

Missbrauchsverdacht in Kindergarten: Volksanwalt prüft. Auch die Volksanwaltschaft wird sich mit einem angezeigten Missbrauchsverdacht in einem Wiener Kindergarten beschäftigten. Volksanwalt Peter Fichtenbauer hat ein amtswegiges Prüfverfahren eingeleitet, das vor allem die Kontrolle der privaten Einrichtung im Bezirk Ottakring durch die Aufsichtsbehörde, die MA 11, beleuchten soll.

Fichtenbauer hat ein amtswegiges Prüfverfahren eingeleitet  |  APA

Die Polizei ermittelt gegen einen ehemaligen Mitarbeiter des Privatkindergartens wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs Unmündiger. Der nach Auffliegen der angeblichen Vorfälle vom Betreiber entlassene Mann soll Drei- bis Fünfjährige nackt ausgezogen und sich mit ihnen in einem Waschraum eingesperrt haben.

"Ich werde insbesondere untersuchen, ob und mit welchem Ergebnis der Kindergarten in der Vergangenheit aufsichtsbehördlich geprüft wurde", kündigte Fichtenbauer an. Ihm gehe es auch darum, "wie derartige Vorfälle in Zukunft vermieden werden können".

Eine Mitarbeiterin der zuständigen MAG ELF, des Amts für Jugend und Familie, sei sofort nach der Meldung durch den Betreiber in dem Kindergarten vorstellig geworden und habe mit dem Inhaber und dem Personal Gespräche geführt, sagte die stv. Leiterin Petra Mandl der APA. Die potenzielle Gefährdung sei durch die Entlassung des Beschuldigten da schon beseitigt gewesen. Die Magistratsabteilung sei "vorschriftsmäßig vorgegangen", betonte Mandl. "Der Kinderschutz hat oberste Priorität, das geht über alles. Wenn Eltern oder Pädagogen so etwas melden, gehen wir sofort hin."

Grundsätzlich gebe es bei der Aufsicht über Privatkindergärten keine Unterschiede zu städtischen Einrichtungen: Einmal im Jahr findet eine Kontrolle durch die MAG ELF statt, "im Anlassfall sowieso". In der betreffenden Einrichtung habe es zuvor keine diesbezüglichen Probleme gegeben. Ob etwas und was konkret geschehen ist, müssten jetzt die Strafverfolgungsbehörden klären, betonte Mandl. Für betroffene Kinder und deren Eltern gebe es Angebote, solche Vorkommnisse aufzuarbeiten. Im Ottakringer Fall habe eine Mutter mit zwei offenbar betroffenen Kindern ein solches Hilfsangebot auch angenommen.

Die nächsten Ermittlungsschritte seien die Suche nach möglicherweise betroffenen weiteren Kindern und deren Befragung im Beisein ihrer Eltern sowie die Vernehmung des Beschuldigten, sagte Polizeisprecher Paul Eidenberger. Die inkriminierten Vorfälle hätten sich im Herbst 2016 abgespielt, die Anzeige durch den Kindergarten-Obmann sei Mitte Jänner eingegangen.