WM-Beginn in Brasilien geprägt von Toren und Tempo. Das "Jogo bonito" bleibt bei der WM in Brasilien nicht den Gastgebern vorbehalten. Mit dem schönen Spiel, zahlreichen Toren und vor allem unverhofftem Tempo-Fußball verwöhnen die Mannschaften in den ersten Tagen die Fans. Dabei ist der Angriffswirbel a la Niederlande stilprägend - nach Ansicht von FIFA-Experten wird dieses Mittel auch zum Titel führen.

Erstellt am 15. Juni 2014 (12:49)

"Es wird eine WM mit positivem Offensivspiel werden", sagte der frühere Spitzencoach Gerard Houllier am Samstag in Rio de Janeiro. "Das Team, das wirklich attackiert und Risiken eingeht, wird gewinnen." Der Franzose, Global Sports Director für die Fußballvereine von Red Bull, analysiert in der Technischen Studiengruppe (TSG) des Weltverbandes die Partien des Turniers.

Nach den ersten acht WM-Spielen waren bereits 28 Tore gefallen. 2010 in Südafrika gab es im gleichen Zeitraum nicht einmal die Hälfte. Auch der Höchstwert der jüngsten Turniere von 2002 (25) wurde nach dem 2:1 der Elfenbeinküste über Japan übertroffen, der Allzeitrekord der WM 1934 war mit 43 Toren jedoch außer Reichweite.

Ein Grund für die Torflut sei der größere taktische Mut der Trainer und die höhere Qualität der Angreifer, meinte Houllier. "Die Tendenz geht dahin, wieder mit zwei Stürmern zu spielen - Niederlande, sogar Kroatien, bei Brasilien waren es drei", sagte der 66-Jährige. Zudem würden die Angreifer von den Schiedsrichtern besser geschützt, was sich ebenfalls positiv auf das perfektionierte Umschaltspiel auswirke.

Weniger Einfluss als befürchtet hatte bisher das schwüle Wetter. Zwar wurden mehrere Profis wie Englands Raheem Sterling in Manaus von Krämpfen geplagt, doch fast alle Partien waren von der ersten Minute an durch rasantes Hin und Her geprägt. "Wir werden viele spektakuläre Spiele sehen", versprach TSG-Chef Jean-Paul Brigger. Ein neuer Trend ist auch, dass eine Führung längst nicht den Sieg bedeutet. Vier von acht Partien wurden noch gedreht. 2010 waren es genauso viele - allerdings nach dem ganzen Turnier.

Auffällig ist darüber hinaus, dass viele Superstars gleich zum Auftakt den hohen Erwartungen entsprachen. Brasiliens angehender Volksheld Neymar glänzte mit zwei Treffern. Niederlandes Stürmer Arjen Robben und Robin van Persie trafen ebenfalls jeweils doppelt, und auch Italiens Mario Balotelli sowie Edinson Cavani aus Uruguay trugen sich früh in die Torschützenliste ein.

Besonders fasziniert zeigte sich Houllier, der seit 2012 für Red Bull tätig ist, vom Team von Trainer Louis van Gaal. "Sie waren absolut brillant", schwärmte der frühere Liverpool-Trainer vom 5:1-Sieg der Niederländer über Weltmeister Spanien. Der Treffer Van Persies zum Ausgleich hatte es Houllier dabei besonders angetan. "Absolut phänomenal. Es war wie ein Flugkopfball auf großer Höhe. Dazu die Flanke - es war ein fantastisches, fantastisches Tor."