Iraschko-Stolz holte mit Einzel-Bronze 5. Medaille. Vom Krankenbett zu WM-Bronze: Daniela Iraschko-Stolz hat wenige Wochen nach einer Lungenentzündung die Bronzemedaille im Skisprung-Einzelbewerb der Damen erobert und damit 24 Stunden nach Team-Silber die Heim-WM für sich gekrönt. Olympiasiegerin Maren Lundby (NOR) holte 0,5 Punkte vor Katharina Althaus (GER) den Titel.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 27. Februar 2019 (18:59)
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Iraschko-Stolz machte fünf Plätze gut

Erst vergangene Woche war die Wahl-Tirolerin Iraschko-Stolz auf die Schanze zurückgekehrt und hatte nach der Ankunft in Seefeld am Montag noch gehadert. Ihr fehle der Punch in den Beinen, hatte die 35-Jährige gemeint. Doch als Wettkampftyp bot die Weltmeisterin von 2011 und Olympia-Zweite von 2014 in der Heimat die besten Leistungen.

Iraschko-Stolz jubelte über Silber bei der Team-Premiere und flog am Mittwoch vom achten Halbzeitrang zum fünften WM-Edelmetall ihrer Karriere (1-2-2) und dem fünften des ÖSV-Aufgebots in Seefeld. Nach dem ersten Durchgang war sie mit dem Sprung auf 101 m unzufrieden gewesen, lag 8,1 Punkte hinter dem Bronzerang.

"Im zweiten Durchgang war es leichter. Entweder ich springe weit oder ich lande bei 60 Meter", habe sie sich gesagt. "Aber heute war das ganze Glück auf meiner Seite." Mit 105,5 m flog sie ins Glück.

Die gebürtige Eisenerzerin war in ihrer langen Karriere an der immer steigenden Bedeutung des Damen-Skispringens mitbeteiligt. Die "Grande Dame" setzte sich immer wieder für die Ausweitung des Programms und die Aufnahme als Olympia-Disziplin ein. Iraschko-Stolz verpasste zwar beim ersten WM-Bewerb als Vierte Edelmetall, holte aber in Oslo 2011 den Titel. Weitere Medaillen folgten, obwohl sie von mehreren Knieoperationen - auch nach einem Kreuzbandriss - zurückgeworfen worden war.

"Diese Medaille hat einen sehr hohen Stellenwert. Die Vorzeichen waren nicht gut, aber ich hatte nichts zu verlieren", erklärte die Ex-Weltmeisterin. "Ich habe es sausen lassen, das ist es, was meinen Sprung ausmacht."

Nach dem ersten Durchgang war ihre Teamkollegin Eva Pinkelnig mit 102 m Vierte gewesen, 5,6 Punkte hinter dem Bronzerang. Die Spätstarterin aus Vorarlberg fiel trotz eines 103-m-Sprungs auf den fünften Rang zurück. 5,8 Punkte trennten sie von Iraschko-Stolz. "Ich habe die Landung etwas versemmelt, die paar Punkte hätten mir gut getan", erklärte die 30-Jährige. "Aber es ist okay, das spiegelt meine Saison wider." Da war sie viermal Vierte gewesen.

Pinkelnig war im Auslauf Iraschko-Stolz um den Hals gefallen, als deren Bronze feststand. "Dani hat sich das mega verdient. Sie hat so viel für uns getan", erklärte die Dornbirnerin. Sie wird mit Iraschko-Stolz damit das Damen-Duo für den Mixed-Bewerb am Samstag bilden und hat da auch eine Medaillenchance.

Cheftrainer Harald Rodlauer weiß, was er an seiner Nummer 1 hat. "Daniela muss man immer alles zutrauen", sagte der Eisenerzer. "Wenn sie sich so reinarbeitet, dann kann viel herauskommen." Der Coach, der vor dieser Saison nach vierjährigen Engagement bei den ÖSV-Herren zurückgekommen war, fühlte sich an Sotschi erinnert. "Da hat sie das im zweiten Durchgang ähnlich gemacht."

Jacqueline Seifriedsberger (95/94,5) musste sich mit dem 16. Rang begnügen und Chiara Hölzl blieb als 26. (93/95) weit unter ihren eigenen Erwartungen.

Maren Lundby hatte nach 106,5 und 104,5 m knapp das bessere Ende für sich. Die Norwegerin triumphierte vor der Deutschen Katharina Althaus (108/107). Das Mehr an Windpunkten für schlechtere Bedingungen (Rückenwind) gab den Ausschlag. "Es ist großartig. Die WM war mein wichtigstes Ziel der Saison, ich habe jeden Tag darauf hingearbeitet", sagte die 24-Jährige. "Den größten Druck habe ich mir selbst gemacht. Ich wollte Gold."