Österreichs Boden schwingt durch Lockdown kaum weniger

Der Boden schwingt derzeit stärker durch menschliche Aktivität als in den vorigen Lockdowns. Das stellte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) mit Erdbebenmessgeräten fest. Diese können nämlich auch menschliche Einwirkungen auf die Erdoberfläche - etwa durch Verkehr und Industrie - registrieren. Um ein paar Prozent seien die Bodenvibrationen im Vergleich zu einer durchschnittlichen Woche derzeit geringer, sagte ZAMG-Seismologin Maria-Theresia Apoloner.

Erstellt am 26. November 2021 | 10:51
Mehr los als in den vorherigen Lockdowns
Mehr los als in den vorherigen Lockdowns
Foto: APA/THEMENBILD

Die Seismometer können Bewegungen von einem Millionstel eines Millimeters pro Sekunde registrieren. Obwohl die Reduktion der Schwingungen deutlich geringer ist als bei seinen Vorgängern, erkenne man die Auswirkungen des derzeitigen Lockdowns: "In Wien zum Beispiel messen wir diese Woche um etwa fünf Prozent weniger Bodenschwingungen als in den beiden Vorwochen", sagte Apoloner in einer Aussendung. Den stärksten Effekt habe der erste Lockdown im März 2020 gehabt. "Er reduzierte die Bodenschwingungen in Österreich um rund 25 Prozent", stellte die Seismologin fest, aber auch in den Herbstferien sei der Boden ruhiger als jetzt gewesen.

Die Daten lassen nicht nur Schlüsse auf die Tätigkeiten der Menschen im Lockdown zu, sie sind laut ZAMG auch wichtige Referenzwerte. Werden Erdbeben gemessen, ist die durch Menschen verursachte Bodenunruhe ein Störfaktor, der aufwendig herausgerechnet werden muss. Die neuen Daten würden helfen, durch Verkehr und Industrie verursachte Erschütterungen besser zu quantifizieren, weniger gestörte Messsignale von kleinen Beben zu erheben und können künftig für automatische Erdbebendetektoren verwendet werden. Gebiete, in denen sehr geringe Bodenunruhe festgestellt wurde, seien optimale neue Standorte für Seismometer.