Mindestens 25 Tote bei Überschwemmungen in China. Nach den heftigsten Regenfälle seit Jahrhunderten ist die Zahl der Todesopfer in der zentralchinesischen Provinz Henan gestiegen. Mindestens 25 Menschen seien ums Leben gekommen - die meisten bei der Überflutung der U-Bahn in der Zwölf-Millionen-Einwohner-Metropole Zhengzhou, teilten die Behörden am Mittwoch mit. Mindestens sieben Menschen wurden vermisst. Mehr als 500 Personen konnten aus der U-Bahn gerettet werden. Etwa 100.000 Einwohner der Metropole wurden evakuiert.

Von APA / NÖN.at. Update am 21. Juli 2021 (16:25)
Es handelt sich um die schwersten Regenfälle seit 60 Jahren
APA/dpa

Zuvor war von Samstag bis zum späten Dienstag fast so viel Regen in der Stadt am Gelben Fluss gefallen wie normalerweise in einem ganzen Jahr. So etwas komme nur "einmal in 1.000 Jahren vor", wurden Meteorologen in chinesischen Medien zitiert. Die Armee ist inzwischen mit mehr als 5.700 Soldaten angerückt, um bei der Suche nach Vermissten und Rettungsaktionen zu helfen.

Im Internet verbreitete Videos zeigten Pendler in einem Zug, die weitgehend in Wasser standen, während sich die U-Bahn in ein riesiges Wasserbecken verwandelte. "Das Wasser erreichte meine Brust", schrieb ein Überlebender auf Social Media. "Ich hatte wirklich Angst, aber das Schrecklichste war nicht das Wasser, sondern die zunehmend schwindende Luftzufuhr im Wagen." Wegen des Regens hätten die Behörden den Busverkehr eingestellt, da die Fahrzeuge mit Strom betrieben werden, sagte ein Einwohner von Zhengzhou, der die Nacht in seinem Büro verbrachte. "Deshalb nahmen viele Menschen die U-Bahn, und die Tragödie nahm ihren Lauf", sagte er.

Wie die jüngsten Hitzewellen in den USA und Kanada sowie die Überschwemmungen in europäischen Staaten gehen die Regenfälle in China mit ziemlicher Sicherheit auf die globale Erwärmung zurück, sagten Wissenschafter. "Solche extremen Wetterereignisse werden in Zukunft wahrscheinlich häufiger auftreten", sagte Johnny Chan, Professor für Atmosphärenwissenschaften an der City University Hongkong. "Die Regierungen müssen Strategien entwickeln, um sich an solche Veränderungen anzupassen."

Auch der Zugverkehr in Henan - einem wichtigen Logistikzentrum in China - wurde lahmgelegt. Viele Autobahnen waren gesperrt, Flüge teilweise gestrichen. Der taiwanische Technologiekonzern Foxconn, der am Stadtrand von Zhengzhou iPhones für Apple baut, aktivierte einen Notfallplan für den Hochwasserschutz. Direkte Auswirkungen auf das Werk habe es aber nicht gegeben.

Chinas größter Autohersteller SAIC Motor warnte vor kurzfristigen Auswirkungen auf die Logistik in seinem Werk in der Stadt. Der japanischer Autobauer Nissan setzte seine Produktion im dortigen Werk aus. Eine Reihe chinesischer Unternehmen, Versicherer und eine staatlich unterstützte Bank kündigten für Henan Spenden in Höhe von insgesamt umgerechnet rund 254 Millionen Euro an.

Für Dutzende Stauseen und Dämme wurden Warnstufen ausgerufen. Die örtlichen Behörden erklärten, dass die Regenfälle einen 20 Meter hohen Bruch im Yihetan-Damm in der Stadt Luoyang westlich von Zhengzhou verursacht hätten. Dieser könne "jederzeit zusammenbrechen". "Die Bemühungen zum Schutz vor Überschwemmungen sind sehr schwierig geworden", sagte Präsident Xi Jinping im Staatsfernsehen.

Ein großes Krankenhaus in Zhengzhou mit mehr als 7.000 Betten hatte keinen Strom mehr. Auch die Notstromversorgung war ausgefallen, berichtete die Zeitung People's Daily. Das Krankenhaus suchte händeringend nach Transportmöglichkeiten, um etwa 600 kritisch kranke Patienten zu verlegen. Derweil soll es Meteorologen zufolge in den kommenden drei Tagen in der Provinz Henan weiter regnen. In der Region leben 94 Millionen Einwohner.

Die ungewöhnlich heftigen Regenfälle in Henan wurden vom Taifun "In-Fa" ausgelöst. Der Wirbelsturm sorgte auch in den Provinzen Zhejiang und Fujian für Unwetter. Die Provinz Henan wird bereits seit vergangener Woche von schweren Regenfällen heimgesucht. Die Wasserstände von Zuflüssen des Gelben Flusses und des Haihe Flusses überschritten Alarmstufen, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua. Die Schäden für die Landwirtschaft gehen in die Millionen.

Schwere Unwetter wurden auch aus Südchina gemeldet, wo in der Provinz Guangdong ein weiterer Taifun mit dem Namen "Cempaka" mit Windgeschwindigkeiten bis zu 110 km/h bei der Stadt Yangjiang auf Land traf. Auch im Norden Chinas gab es in der Inneren Mongolei schwere Überschwemmungen. Der Wetterdienst warnte am Mittwoch erneut vor heftigen Regenfällen in vielen Provinzen.