Retter in Mosambik kämpfen gegen die Zeit. Tage nach den verheerenden Zerstörungen durch Wirbelsturm "Idai" in Mosambik und Simbabwe laufen die Rettungsmaßnahmen nur schleppend an. Tausende Menschen in den überschwemmten Gebieten im Zentrum Mosambiks harren auf den Dächern ihrer beschädigten Häuser oder auf Bäumen aus. Den Rettern fehlt es an Hubschraubern. Unterdessen steigen die Pegel der Flüsse infolge des Zyklons weiter an.

Von APA Red. Erstellt am 19. März 2019 (17:32)

Es ist ein Rennen gegen die Zeit: Wie lange können die Menschen dort noch ausharren? Und wie stark wird das Hochwasser noch ansteigen? Die Vereinten Nationen warnten am Dienstag, dass die nächsten 72 Stunden entscheidend sein würden, um noch viele Leben zu retten.

"Die Sorge ist, dass sich die Lage immer mehr zu einer großen Flutkatastrophe entwickelt", sagte UNICEF-Sprecher Daniel Timme in Mosambik. "Der Regen lässt nicht nach und die Dämme flussaufwärts sind voll und müssen bald Wasser ablassen." Die starken Regenfälle in Simbabwe, Malawi und dem Hinterland der Hafenstadt Beira infolge des Zyklons ließen die Flüsse immer weiter über die Ufer treten. Es gebe schon jetzt nicht genügend Hubschrauber, um die Tausenden wegen Überschwemmungen festsitzenden Menschen zu bergen, sagte Timme. Es brauche dringend mehr internationale Hilfe.

Das Ausmaß der Katastrophe sei immer noch unklar, aber es sei sicher, dass die Zahl der Opfer "noch erheblich ansteigen" werde, so Timme. Das Rote Kreuz warnte unterdessen, infolge des Zyklons und den heftigen Überschwemmungen seien bis zu 400.000 Menschen zeitweise obdachlos geworden. Präsident Filipe Nyusi hatte am Montag gesagt, es könnte mindestens 1.000 Todesopfer geben. Eine Sprecherin der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf sagte, "Idai" habe im Küstenbereich eine Sturmflut von drei bis vier Metern Höhe ausgelöst. Sollten sich die Opferzahlen bewahrheiten, sei vom bisher schlimmsten Zyklon der südlichen Hemisphäre auszugehen.

Helfern bietet sich in der Großstadt Beira mit rund 500.000 Einwohnern und den angrenzen Gebieten ein Bild der Verwüstung. Weite Landstriche stehen unter Wasser, zahllose Straßen und Häuser wurden schwerbeschädigt. Auch die Notaufnahme des wichtigsten Krankenhauses wurde schwerbeschädigt. Jetzt gehe es darum, die Infrastruktur schnell wieder herzustellen, erklärte UNICEF. "Straßen in das Gebiet, das vom Zyklon getroffen wurde, sind komplett von umgestürzten Bäumen und Schutt blockiert", sagte der Landesdirektor der Hilfsorganisation CARE, Marc Nosbach. "Die Infrastruktur ist komplett zerstört."

In der Provinz Sofala und der Hafenstadt Beira gab es weiterhin keinen Strom, kein stabiles Kommunikationsnetz und keine reguläre Trinkwasserversorgung. Der Stromversorger EDM erklärte, es gebe keinen Kontakt zu den Teams an Ort und Stelle. Deswegen könne man auch nicht vorhersehen, bis wann die Versorgung wiederhergestellt werden könne.

Der Zyklon mit der Stärke vier von fünf war in der Nacht auf Freitag vom Indischen Ozean her nahe der Großstadt Beira auf Land getroffen. Es folgten Sturmfluten und massive Überschwemmungen.

Beira ist derzeit nur noch aus der Luft zu erreichen. Ein Nothilfeteam von Ärzte ohne Grenzen sollte dort am Dienstag eintreffen. Beim Welternährungsprogramm hieß es, die Lage sei "zum Verzweifeln". Die EU stellte 3,5 Millionen Euro Soforthilfe bereit. Mosambik gehört einem UN-Index zufolge zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. Die Regierung dürfte mit der Bewältigung der sich nun abzeichnenden humanitären Katastrophe überfordert sein.