Ursula Strauss zu Maria Theresia: „Starke Frau, spannende Politikerin“

Am 6. Jänner zeigt ORF 2 erstmals den letzten Teil der Maria Theresia-Fernsehfilm-Reihe. Ursula Strauss verkörpert die Regentin in den letzten 20 Jahren ihres Lebens. Im Interview spricht die Schauspielerin über Macht, Korsagen und Konflikte.

Erstellt am 05. Januar 2022 | 05:17
Lesezeit: 5 Min
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Für Schauspielerin Ursula Strauss war Maria Theresia eine „absolute Wunschrolle“.
Foto: Stanislav Honzik

Heiraten ist politisch, zumindest im Hause Habsburg, das damit sein Reich absichern will. Eine der bekanntesten Vertreterinnen des Hauses ist Maria Theresia. Im fünften und letzten Teil der Serie von Regisseur Robert Dornhelm spielt Ursula Strauss den Part der Regentin und folgt damit auf Marie-Luise Stockinger und Stephanie Reinsperger. Neben Aaron Friesz als Joseph II. ist der Cast wieder international.

Die Filmreihe ist eine Koproduktion der öffentlich rechtlichen Sender von Österreich, Tschechien und der Slowakei und eine Zusammenarbeit von ZDF mit ARTE. Am Donnerstag, 6. Jänner, um 20.15 Uhr feiert der Film ORF 2-Premiere. Ursula Strauss ist für die Rolle nur zu gerne in die prunkvollen Kostüme geschlüpft.

NÖN: Sie haben Maria Theresia als Ihre Wunschrolle bezeichnet. Warum?
Ursula Strauss: Ich liebe es, historisch zu drehen. Maria Theresia war eine sehr starke Frau und eine spannende Politikerin. Sie war sehr vorausschauend und fortschrittlich, für ihre Zeit sehr modern. Ich habe mich geehrt gefühlt, sie spielen zu dürfen.

Sie wusste, dass es um viel mehr geht als nur um sie als Menschen Ursula Strauss, Schauspielerin

Sie verkörpern die Rolle in unterschiedlichen Phasen ihres Lebens. Wer ist Maria Theresia für Sie abseits ihrer Macht?
Ursula Strauss: Sie ist sehr diszipliniert und eine vorausschauende Frau mit großer Verantwortung, der sie sich auch stellt. Sie war nicht nur „Mutter der Nation“, sondern auch Mutter von 16 Kindern, die auch Kinder verlor. Ich glaube, sie hatte Herzenswärme und sie war eine liebende Ehefrau. Unter anderem hatte sie auch mit Depressionen zu kämpfen. Ich finde es faszinierend, dass sie sich immer wieder selbst aus dieser Traurigkeit herausgezogen hat. Der Film zeigt, dass das Leben nicht spurlos an ihr vorüberging, und dass sie wusste, dass es um viel mehr geht als nur um sie als Menschen.

Wie haben Sie die Rolle angelegt?
Ursula Strauss: Ich habe sie als eine sehr disziplinierte Person dargestellt und mich bemüht, dass man mir nicht alles sofort am Gesicht abliest. Es gibt zum Beispiel eine Szene, in der ihre Tochter Marie Antoinette nach Frankreich geht, und das ist innerlich schmerzhaft für sie. Aber sie zeigt es nur minimal. Ich habe mir vorgestellt, dass man nicht leichtfertig Emotionen oder Schwäche zeigt, wenn man so viel Macht hat.

Steht Ihnen die Macht, Frau Strauss?
Ursula Strauss: Sie hat sich recht natürlich angefühlt (lacht).

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Ursula Strauss liebt es historisch zu drehen.
Foto: Rafaela Pröll

Inwiefern helfen die opulenten Kostüme und Perücken beim Spielen?
Ursula Strauss: Die Kleider sind schwer und anstrengend, sie helfen aber sehr beim Spielen, weil man sich automatisch anders bewegt. Die Haltung in einer Korsage ist von selbst übergerade. Man bekommt aber Kreuzschmerzen, wenn man sie den ganzen Tag trägt. Eine Pause gibt es da nicht. Das haben die Frauen, die damals jeden Tag mit diesen Gefängnissen herumgegangen sind, ihr Leben lang ausgehalten.

Wie liefen die Dreharbeiten? Wie hat es funktioniert, während der Corona-Pandemie zu drehen?
Ursula Strauss: Wir konnten aufgrund vieler Vorsichtsmaßnahmen und eines sehr gut funktionierenden Coronakonzepts weitermachen. Wir haben an mehreren Orten in der Tschechei gedreht. Ich habe das Land und die freundlichen Menschen durch die fantastischen Kollegen in der Drehzeit viel besser kennengelernt und erlebt. In diesem schönen Land zu arbeiten, habe ich sehr genossen. Irgendwie habe ich mich sehr zu Hause gefühlt.

Maria Theresia ist einer der wenigen Frauennamen der Geschichte, der stark mit Macht verknüpft ist. Inwiefern sind Figuren wie diese bedeutungsvoll für den modernen Feminismus?
Ursula Strauss: Ich denke, sie war eine sehr moderne Frau. Sie wusste um ihre Stärken und um ihre Grenzen und sie ging sehr klug damit um. Ihrem Mann hat sie das Rampenlicht gegönnt, die politische Macht hatte aber sie. Sie wurde von ihrem Vater nicht auf ihr Amt vorbereitet. Und dann starb er und sie war plötzlich Regentin. Die anderen Herrscher versuchten sofort, ihr Land wegzunehmen. Aber sie hat sich nicht einschüchtern lassen, das meiste zurückerobert und ihre Position ernst genommen.

Maria Theresia war zwar reformbereit, aber sehr katholisch und stark in der barocken Tradition zuhause. Ihr Sohn Joseph II. stand im Gegensatz dazu für Aufklärung. Wie bildet der Film diese Mutter-Sohn-Beziehung ab?
Ursula Strauss: Ich würde sagen, der Film zeigt einen gewöhnlichen Generationenkonflikt im Hause Habsburg. Sie ist sehr geduldig mit ihm, will ihn auf das Amt vorbereiten und seinen Hitzkopf etwas abkühlen. Denn sie weiß, dass politische Veränderung dauert. Viele Reformen von Joseph II. wurden ja von ihr schon vorbereitet. Ich habe es sehr genossen mit Aaron Friesz zusammenzuspielen, wir haben uns sehr gut verstanden. Und es macht immer Spaß, Konflikte zu spielen.

Frau Strauss, wenn Sie sich Ihre eigene Karriere vor Augen halten. Was waren Ihre persönlichen Höhepunkte?
Ursula Strauss: Ich bin sehr dankbar für den gesamten beruflichen Weg, den ich bisher gehen durfte, und finde es eher schwer Highlights herauszupicken. Denn jedes Puzzleteil ist wichtig und macht das Bild ganz. Sehr besonders war aber die zeitliche Nähe der beiden Projekte „Schnell ermittelt“ für das Fernsehen und „Revanche“ – ein Arthouse-Projekt fürs Kino, das eine Oscar-Nominierung nach sich zog. Sehr viel mehr zur gleichen Zeit geht dann auch nicht mehr.

Woran arbeiten Sie gerade und gibt es andere Wunschrollen?
Ursula Strauss: Ich lasse die Rollen auf mich zukommen. Aktuell arbeite ich an der ZDF-Mini-Serie „Was zählt“. Es geht um den Tsunami vom 26.12.2004 und seine Zerstörungskraft. Ich spiele eine Anwältin, die als Teil eines Freundeskreises von der Vergangenheit eingeholt wird.