Pröll-Rücktritt und Edelmetall. Das Jahr begann mit einem politischen Paukenschlag und Medaillen der Sportstars Dadic und Karl.

Erstellt am 29. Dezember 2017 (20:00)
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Heiter und harmonisch verlief die Amtsübergabe von Erwin Pröll zu Johanna Mikl-Leitner. Die Klosterneuburgerin ist seit April die erste Landeshauptfrau in der Geschichte Niederösterreichs.

Aus für Wien-Umgebung. Das Jahr begann mit dem Ende einer bürokratischen Fehlkonstruktion: Der Bezirk Wien-Umgebung wurde aufgelöst. 1956 war er aus den Resten von Groß-Wien entstanden und umfasste 21 Gemeinden mit zuletzt mehr als 120.000 Einwohnern. Die Gemeinden westlich von Wien wurden mit 1. Jänner 2017 dem Bezirk St. Pölten-Land zugeordnet, von Purkersdorf nunmehr die größte Stadt ist. Die Gemeinden südlich der Bundeshauptstadt kamen zum Bezirk Bruck/Leitha, in dem nunmehr Schwechat die größte Stadt ist, und Gerasdorf wurde dem Bezirk Korneuburg zugeordnet. Wenig Freude hatten die Klosterneuburger: Die Einwohner der vormaligen Bezirkshauptstadt und drittgrößten Stadt Niederösterreichs sind nun Teil des Bezirkes Tulln. Nach der Auflösung von Wien-Umgebung gliedert sich Niederösterreich nur noch in 20 Bezirke und vier Statutarstädte.

Pröll-Rücktritt. Am 17. Jänner erwischte Landeshauptmann Erwin Pröll so ziemlich alle am falschen Fuß. Überraschend gab der 70-jährige nach fast 25 Jahren als Landeshauptmann Niederösterreichs und als Landesparteiobmann der ÖVP seinen Rücktritt bekannt. „Das persönliche Wollen muss man hintanstellen“, begründete Pröll seine Intention und die Gedanken daran, dass er nach einer weiteren Legislaturperiode dann mit 77 immer noch Landeshauptmann sein würde. „Da ist mir klar geworden, das geht nicht.“
Weit weniger überraschend war, wer Prölls Nachfolge antreten sollte. Die Klosterneuburgerin Johanna Mikl-Leitner trat schon 2016 ihren Ministerposten im Innenministerium an Wolfgang Sobotka ab und kehrte zurück nach Niederösterreich. Am 24. April wurde die 53-Jährige von Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen als Landeshauptfrau angelobt.

Dadic holt Silber. Im Jahr 2017 gelang Leichtathletin Ivona Dadic der internationale Durchbruch. Bei den Halleneuropameisterschaften am 3. März in Belgrad stellte sie im Fünfkampf neuen Landesrekord auf und holte die Silbermedaille. Bei der Weltmeisterschaft im August in London erreichte sie mit Platz sechs im Siebenkampf das sportlich vielleicht noch wertvollere Resultat. „Wenn ich einen optimalen Tag erwische, dann ist auch bei den Olympischen Spielen eine Medaille möglich“, tankte die 23-jährige Wahl-St.-Pöltnerin Selbstvertrauen.
Für ihre Leistungen wurde Dadic im November mit dem NÖN Leopold in der Kategorie Sport geehrt. Ebenfalls ausgezeichnet: Fotograf Lois Lammerhuber (Kultur), Flughafen Wien AG (Wirtschaft), Polytechnische Schule Mistelbach (Unsere Zukunft), Samuel Bieringer und Erton Uka (Courage), Verein Neustart (Engagement).

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2017 war das Jahr der Ivona Dadic. Die St. Pöltner Leichtathletin gelang bei der Europameisterschaft und ber der Weltmeisterschaft der Sprung in die Weltelite.

Karls Medaillenserie. Wenn es um Medaillen geht, dann steht ein Wilhelmsburger für gewöhnlich in der ersten Reihe. Snowboarder Benjamin Karl gewann bei der Weltmeisterschaft in der Sierra Nevada am 15. und 16. März je eine Silbermedaille. Der 32-Jährige prolongierte damit eine unglaubliche Serie. Karl holte seit 2009 bei ausnahmslos jeder Großveranstaltung (WM und Olympische Spiele) zumindest eine Medaille. „Ich teile mir meine mentale Kraft gut ein“, nennt Karl sein Erfolgsrezept. Die wird er auch in den ersten Wochen des neuen Jahres brauchen. Der Wilhelmsburger brach sich im Dezember den Knöchel, will aber dennoch bei den Olympischen Spielen im Februar am Start stehen.

Turbulenzen am Semmering. Während das Jahr 2016 mit den drei bestens besuchten Frauen-Weltcup-Rennen für den Semmering perfekt endete, zogen Anfang 2017 Gewitterwolken am Zauberberg auf. Gerüchte um eine nahende Insolvenz des Eigentümers Panhans-Gruppe kursierten. Im April kündigte die Gruppe Renovierungsarbeiten im Grandhotel Panhans und an den Bergbahnen an. Das Grandhotel wurde dafür geschlossen. Die Wiedereröffnung des Hotels für Juni geplant, die Arbeiten dauern aber an. Bei einer Razzia der Finanzpolizei im Dezember wurden fünf Personen festgenommen, die keine Aufenthaltsbewilligung hatten.
Bis zuletzt wackelte der Saisonstart am Zauberberg – auch, weil ein Betriebsleiter für die Bergbahnen fehlte. Das Land NÖ hatte der Panhans-Gruppe das Angebot gemacht, die Liftgesellschaft mit einem privaten Partner gemeinsam zu pachten. Das Angebot wurde abgelehnt. Per 16. Dezember sind die Lifte am Zauberberg in Betrieb gegangen, die Betriebsgenehmigung läuft aber nur bis Ende des Jahres.

Hotel Panhans
Die Renovierungsarbeiten am Grandhotel Panhans dauern bereits mehr als ein halbes Jahr länger als geplant