Hospizverein: „Dort wo der Schmerz ist, ist auch die Liebe“

Erstellt am 05. November 2022 | 05:54
Lesezeit: 3 Min
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Ehrenamtliche des Hospizvereins St. Martin stehen Sterbenden, Schwerkranken und ihren Angehörigen bei. Koordinatorin Doris Zeillinger (4.v.r.) und ihr Team haben in den vergangenen fünf Jahren 5.000 Begleitungsstunden geleistet. „Es hilft, den Blick auf das Wesentliche zu behalten“, erzählt Eva-Maria Danko-Bodenstein (4.v.l.).
Foto: Hospizverein St. Martin
Ehrenamtliche des Hospizvereins St. Martin aus Klosterneuburg stehen Sterbenden in der letzten Lebensphase bei und begleiten Angehörige in schweren Zeiten.
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Klosterneuburg Der Tod ist immer der Tod. Keine Worte der Welt können das schönreden. Was hilft? Menschen mit offenem Ohr, die zuhören und Halt geben. Und: „Es ist viel erträglicher, wenn jemand von außen da ist, der die große Last der Familie und Freunde mitträgt“, weiß Eva-Maria Danko-Bodenstein aus Erfahrung.

„Es ist ein schmerzhaftes Lernen, aber man entkommt dem nicht.“

Danko-Bodenstein ist selbst früh mit dem Sterben konfrontiert worden, heute ist es ihr Alltag. Als eine von 22 Ehrenamtlichen des Hospizvereins St. Martin begleitet sie Menschen in ihrer letzten Lebensphase: „Ich habe immer das Gefühl gehabt, ich möchte Trauer gesellschaftsfähig machen. Es ist wichtig, dass man traurig sein darf.“

Der Tod gehört zum Leben. Und mit ihm die Angst vor der Endlichkeit. „Es ist ein schmerzhaftes Lernen, aber man entkommt dem nicht“, verdeutlicht Danko-Bodenstein. Was man stattdessen tun kann und muss: sich den Emotionen stellen. „Es ist ganz normal, wenn man Angst hat. Diese Angst kann einem niemand nehmen, aber man kann sie gemeinsam aushalten. Das macht oft ganz viel leichter“, so die Ehrenamtliche.

Der Hospizverein St. Martin arbeitet auf zwei Ebenen: Sterbende und Schwerkranke werden begleitet, ebenso wie deren Familien und Freunde. „Wenn der Wunsch da ist, sind wir eine emotionale Stütze, die zuhört und in schweren Zeiten da ist“, erklärt Danko-Bodenstein.

Offen, ehrlich und verletzlich

Tagtäglich sind die Ehrenamtlichen mit dem Sterben konfrontiert. Wie wahrt man da als Außenstehender die Distanz? „Ganz einfach: indem man die Distanz nicht wahrt. Indem man ein offenes, verletzliches Herz hat und das auch zeigt. Mit verschließen und distanzieren, geht das nicht. Wir wissen, dass wir alle in dem selben Boot sind.“

Jede Emotion ist erlaubt: die dunklen Seiten genauso wie die schönen. Danko-Bodenstein: „Dort wo der Schmerz ist, ist auch die Liebe. So viele Momente von inniger Liebe und Frieden habe ich selten erlebt. Es gibt wahnsinnig viel Lebenskraft zurück und hilft, den Blick auf das Wesentliche zu behalten.“ Den vermisst sie in der perfektionierten Leistungsgesellschaft: „Es wirkt manchmal wie ein Anlaufen gegen den Tod. Es braucht mehr Stille in der Gesellschaft.“

„Das Totengedenken ist eine wahnsinnig schöne Sache, aber macht trotzdem alles zusammen nicht leichter.“ Eva-Maria Danko Bodenstein Ehrenamtliche, Hospiz St. Martin

Stille, die rückt zu Allerheiligen in den Fokus. „Markus Preis sagt in seinem Buch ,Dr. Prein und der Tod‘: ,Zu Allerheiligen wird der Tod verteelichtert‘. Ich finde das Zitat sehr passend: Das Totengedenken ist eine wahnsinnig schöne Sache, aber macht trotzdem alles zusammen nicht leichter. Und nach Allerheiligen ist es schon wieder ruhig um das Thema.“ So ist die Realität aber nicht: „Nein, gestorben wird zu den unpassendsten Zeitpunkten.“

Wenn man Abschied nehmen muss, wirft das alles aus der Bahn. Ein pauschales Rezept, wie man in den schweren Stunden beiseitestehen kann, gibt es nicht. Was universell gilt: „Gefühle nicht ignorieren, sondern aussprechen. Trauer ist nicht linear und sie ist auch nicht nach einem Jahr erledigt.“

www.hospiz-stmartin.at

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