100 Stiche pro Impftag & 100 Anrufe pro Stunde in Klosterneuburg

„Arbeiten derzeit mehr denn je“, berichtet mit Markus Saleh einer von sechs impfenden Medizinern der Stadt.

Erstellt am 02. Dezember 2021 | 05:05
Lesezeit: 2 Min
Arzt Saleh berichtet - 100 Stiche pro Impftag & 100 Anrufe pro Stunde in Klosterneuburg
Hausarzt Markus Saleh ist Impfarzt der ersten Stunde: „Niederschwellig heißt für mich, dass ich jederzeit genügend Impfstoff im Eiskasten habe und einen Patienten, der beispielsweise wegen einer verstauchten Hand kommt, gleich mitimpfen kann.“ Foto: Wagner
Foto: Claudia Wagner

Jeder zweite Patient kommt wegen der Corona-Impfung: Die Praxis von Markus Saleh läuft auf Hochtouren. Die Ärzte der Stadt sind Anlaufstelle Nummer eins für den lebensrettenden Stich. Und das neben dem Normalbetrieb.

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„Das Problem ist, dass viele Ärzte nach fast zwei Jahren Pandemie selber nicht mehr können, und es fehlen Ressourcen.“Markus Saleh

„Wir arbeiten derzeit mehr denn je“, verrät Saleh. In Klosterneuburg impfen, laut Notruf NÖ, sechs Ärzte, Saleh ist einer davon. Er gibt zu: „Wenn ich alleine in der Ordination wäre, würde ich das zusätzlich nicht schaffen.“ 75 bis 100 Impfungen stehen am Impftag einmal pro Woche an – das sind jene Termine, die über Notruf NÖ gebucht werden, verimpft wird Pfizer. Auf der Plattform gibt es aber längst keine freien Termine mehr in Klosterneuburg.

„Das Problem ist, dass viele Ärzte nach fast zwei Jahren Pandemie selber nicht mehr können, und es fehlen Ressourcen“, meint der Mediziner. Außerdem: „Man kommt derzeit nicht so leicht an den Impfstoff ran. Niederschwellig heißt für mich, dass ich jederzeit genügend Impfstoff im Eiskasten habe und einen Patienten, der beispielsweise wegen einer verstauchten Hand kommt, gleich mitimpfen kann.“

Dosen von Moderna – genug bis Jahresende – hat der Weidlinger schon jetzt für seine Patienten im Kühlschrank lagernd, eine Anmeldung dafür ist unbedingt erforderlich. Ab Jänner soll es Neuerungen in der Impfstoff-Beschaffung geben. Geplant ist, dass sich der Notruf NÖ zurückzieht und dass Ärzte selbst und direkt die benötigten Biontech/Pfizer-Dosen bestellen können – diese sind 30 Tage haltbar.

Impfstraße:  „Scheitert am Personal“

Klosterneuburg hat eine hohe Impfquote, 75,3 Prozent sind vollimmunisiert. Mit der Zulassung von Kinderimpfungen wird es wohl zu einem neuerlichen Ansturm kommen. Braucht es dafür eine Impfstraße? „Natürlich hätten wir Ärzte nichts gegen eine Impfstraße. Jeder, der geimpft ist, hilft“, ist Saleh überzeugt, gibt aber zu bedenken: „Ich würde das kraftmäßig derzeit nicht schaffen. Wie bei den Intensivbetten scheitert es da auch nicht an den Räumlichkeiten, sondern am Personal.“

Und das arbeitet in der Weidlinger Ordination bereits am Limit. Die Bitte an Patienten: Wenn möglich, lieber ein Mail schreiben und die Leitungen für Ältere freihalten –„der Höchstwert an Anrufversuchen liegt bei 104 pro Stunde“, erzählt Saleh.

Auch an die Gesellschaft und die Medien hat er einen Wunsch: „Wir sollten die Covid-Impfung nicht aufs Podest stellen und sie mystifizieren. Covid-19 und die Impfungen gehören einfach zu unserem ärztlichen Portfolio dazu.“

Die Impfung ist sicher, hoch wirksam, milliardenfach erprobt und derzeit alternativlos, es gibt kein Medikament. Saleh: „Bei Covid-19 gelten andere Spielregeln. Wer wird einen schweren Verlauf haben – eine 20-jährige Triathletin oder eine 90-jährige Tumorpatientin? Das ist unberechenbar.“