Fastenzeit und Pandemie in Klosterneuburg. Das Coronavirus macht die Fastenzeit in diesem Jahr zu einer besonderen Erfahrung für Gläubige.

Von Victoria Heindl und Thomas Török. Erstellt am 17. Februar 2021 (03:08)
Mit dem 17. Februar beginnt die Fastenzeit 2021. Die meisten Menschen verzichten auf Alkohol, Süßigkeiten, Rauchen und Fleisch.
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Es ist die Zeit, in der man dem Leiden Christi gedenkt und durch Verzicht von gewohnten Freuden Gott näher kommen will. Doch durch die schon fast ein Jahr andauernde Corona-Pandemie mit all ihren negativen Begleiterscheinungen ist die am Aschermittwoch beginnende Fastenzeit diesmal völlig anders, als sie bisher gewohnt war.

Die Menschen fühlen sich durch die Entbehrungen, mit denen sie seit dem vergangenen Jahr leben müssen, schon am Ende ihrer Kräfte. Vielen kommt es da so vor, als wären sie schon seit dem März vorigen Jahres im Dauerfasten. Viele sind von existenziellen Problemen durch den Lockdown geplagt, alle sind durch das Social Distancing im Kontakt zu ihren Freunden und Verwandten drastisch eingeschränkt. Nicht wenige haben durch Covid einen oder mehrere liebe Menschen verloren... „Haben wir denn nicht schon genug gebüßt?“, werden sich die Allermeisten fragen. Dieser Frage kann man sich aus aktuellem Anlass auch aus theologischer Sicht widmen. Die Meinung der Katholischen Kirche als größte religiöse Institution Österreichs ist aus diesem Grunde von größtem Interesse zu dieser Thematik.

Im Raum Klosterneuburg hat der Pfarrer Maria Guggings - seines Zeichens auch Wallfahrtsdirektor der Lourdesgrotte, Pater Stanislaw Korzeniowski –, die richtigen Worte gefunden, wie die heurige Fastenzeit zu bewerten und begehen ist: „Dieses Jahr ist es eine spezielle Fastenzeit. Ich nehme wahr, dass die Menschen es satt haben, auf so vieles schon so lange verzichten zu müssen, sie leiden schon genug. Es ist schwierig zu vermitteln, wie man da noch darüber hinaus Buße tun soll.“

Corona wird wie das Fasten auch enden

Voller Verständnis für die Situation, in der sich die Menschen zurzeit sehen, möchte er den Menschen durch den Glauben Hoffnung machen: „Die Corona-Zeit ist wie eine verlängerte Fastenzeit. Wir sollten uns fragen, was Gott uns dadurch sagen will. Es ist wichtig, dass wir uns bewusst machen, dass auch Corona einmal vorbeigehen wird - wie das Fasten zu Ostern.“ Der Beginn der Fastenzeit ist für den Pallotiner diesmal ein Ereignis, das ihn in dieser Zeit umso mehr zum Durchhalten motiviert. „Wir erfahren die Leidensgeschichte von Jesus, und am Ende des Weges stehen Hoffnung und Auferstehung. Vielleicht gibt uns gerade in dieser Zeit der Weg zu Jesus Christus die Motivation, diese Pandemie besser zu ertragen,“ so Korzenioswki.

Wie zelebriert nun die Pfarre den Beginn der Fastenzeit im zweiten Corona-Jahr? „Das Aschenkreuz wird ohne Berührung gespendet, natürlich unter Einhaltung der Maßnahmen. Traditionelle Andachten fallen leider weg“, sagt der Pfarrer. „Heuer werde ich das Buße-Tun in der Predigt auch nicht so stark betonen. In dieser Zeit soll sich niemand noch zusätzlich unter Druck setzen deswegen“, betont Korzeniowksi.

Ein bisserl mehr für Körper und Geist

Wie begehen die Klosterneuburger die Fastenzeit, sofern sie überhaupt fasten? Wenn man zumindest die Prominenz befragt, so gibt es teilweise recht unterschiedliche Herangehensweisen. „Meine Fastenzeit ist nach dem Oktoberfest, im Oktober und im November“, so „Wiesnschurli“Georg Mayrhofer. „Da trinke ich zwei Monate lang keinen Alkohol und versuche, möglichst gesund zu essen“, erzählt die Wiesn‘-Legende. „Sieben bis acht Wochen mehr auf Körper und Geist schauen ist sehr wichtig“, ist seine allgemeine Meinung über das Fasten.

Der Verzicht ist in letzter Zeit natürlich nicht nur in der Fastenzeit spürbar. In den letzten Monaten haben die meisten Menschen auf so einiges verzichtet. Treffen mit Freunden, Essen gehen oder auf Urlaub fahren – alles, was früher „normal“ erschienen ist, wurde im letzten Jahr zu etwas Besonderem. „Verzichten steht für uns alle schon seit mehreren Monaten am täglichen Programm. Für die heurige Fastenzeit habe ich mir vorgenommen, nicht allzu viele Süßigkeiten zu konsumieren“, hat sich Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ein klares Ziel für die nächsten 40 Tage gesetzt. Schon in den letzten Jahren standen Schokolade und Co. bei ihr während der Fastenzeit auf der schwarzen Liste.

Auch Stadträtin Maria-Theresia Eder wird in den nächsten 40 Tagen verzichten. Und zwar auf das Abendessen. „In der Fastenzeit mache ich bereits seit mehreren Jahren konsequentes Dinner Cancelling, das gibt mir neben ein paar Kilos weniger, vor allem auch mentale Kraft. Hier ist Corona eher eine Hilfe, da viele viele Abendveranstaltungen wegfallen, auf diesen Vorteil würde ich aber liebend gern verzichten“, spricht Eder sehr vielen aus der Seele.

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