Gefahr durch Blindgänger in Klosterneuburg Au. Jetzt schon wird für den Versorgungstunnel in der Au gerodet. EVN: „Es wird nur entästet. Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefährden die Arbeiter.“

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 02. Dezember 2020 (04:14)
Die Tatsache, dass jetzt schon in der Au gerodet wird, bringt das Grüne Lager auf den Plan. Die Sinnhaftigkeit dieses Projekts wird infrage gestellt.
Hornstein

Die erwartete Skepsis des Grünen Lagers in Sachen Bau eines Versorgungstunnels, der Klosterneuburg unter dem Donaubett mit Korneuburg verbinden soll, hat jetzt ihren Niederschlag gefunden. Ein Dringlichkeitsantrag der Grünen bei der letzten Gemeinderatssitzung und eine Stellungnahme der PUK (Plattform Unser Klosterneuburg) stellen die Notwendigkeit des Zehn-Millionen-Projekts der EVN in Frage.

Wie die EVN mitteilte, sei zwar die Versorgungssicherheit Klosterneuburgs nicht gefährdet, aber um das hohe Maß an Versorgungssicherheit auch in Zukunft zu garantieren, brauche man den Tunnel, denn bei Klosterneuburg handelt es sich um eine „sehr stark wachsende Region.“ Dies stehe aber – nach den Grünen – im Widerspruch zu den Zielen des aktuellen Stadtentwicklungskonzeptes 2030+. Klosterneuburg steuert dem gemäß die Siedlungsentwicklung restriktiv. Darüber müsse die EVN informiert werden, „denn die Begründung der Investition von zehn Millionen Euro steht in Widerspruch zum Stadtentwicklungskonzept 2030+ Klosterneuburgs“, so Gemeinderat Johannes Edtmayer. Die Dringlichkeit des Antrags wurde damit begründet, dass trotz fehlenden Rodungsbescheids bereits Schlägerungen stattgefunden haben.

Wird ohne Bewilligung jetzt schon gerodet?

Genau diese Rodungsarbeiten sind auch der zweiten Grünpartei, der PUK, ein Dorn im Auge. Die PUK bezweifelt, ob dieser Tunnelbau überhaupt notwendig ist. „Viele Klosterneuburger Haushalte sind ja an die Wiener Netze angeschlossen“, so PUK-Gemeinderat Stefan Hehberger.

Das Projekt sei ja nach allen Richtlinien zu prüfen, weil es „Natura 2000“-Gebiet durchquert. Doch die EVN hätte schon bei der Rollfähre Flächen gerodet, ohne dass ein Rodungsbescheid vorläge.

PUK fordert einen Runden Tisch

Auch soll der 2.000-Kubikmeter-Aushub durch die Au transportiert werden, um einen „Wildrettungshügel“zu bauen. „Der Verdacht drängt sich auf, dass dies einfach ein Vorwand ist, um das Aushubmaterial zu lagern“, meint Hehberger. Viele Fragen seien weiter offen, die nun an einem Runden Tisch geklärt werden sollten. „Wir fordern eine breite Diskussion mit den Bürgern dieser Stadt, ob solche Mega-Projekte überhaupt gewollt sind“, so Hehberger.

Den Vorwurf der Rodung ohne behördliche Genehmigung erklärt EVN-Presseprecher Stefan Zach wie folgt: „Das ist mit der Behörde so vereinbart. Eine Strecke von 1,3 Kilometer wurde entästet. Der Grund dafür ist, dass in der Au viele Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg liegen.“ Gemeinsam mit einer Fachfirma muss dafür gesorgt werden, dass dem Personal, das dort arbeitet, nichts passiert. Zach: „Die eigentlichen Rodungen werden natürlich erst dann gestartet, wenn die behördliche Bewilligung der Bezirkshauptmannschaft vorliegt.“ Die Bewilligung wird in den nächsten Tagen erwartet. Außerdem werde geprüft, ob schon gleichzeitig Arbeiten zur Wiederaufforstung durchgeführt werden können.