Bauern sind strikt gegen Golfplatz. KLOSTERNEUBURG | Bürgermeister Schmuckenschlager ist dafür. Bauernbund-Vize Schmuckenschlager dagegen: „Brauchen Flächen.“

Erstellt am 07. August 2013 (09:07)
NOEN
Von Christoph Hornstein

Zeit der Wahrheit. Während sich Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager in der NÖN vor vierzehn Tagen ganz klar für einen Golfplatz in Klosterneuburg ausgesprochen hat, meldet sich Zwillingsbruder Johannes diese Woche zu Wort: „Mit einer Micky-Maus-Landwirtschaft werden wir in Österreich und auch in Klosterneuburg nicht weiter kommen.“

Ende August müssen die notwendigen 2.581 Unterschriften im Rathaus sein, wenn Klosterneuburg eine Volksbefragung über einige wichtige Flächenumwidmungsänderung haben will. Der strittigste Punkt der Volksbefragung wird wohl der sein, ob Klosterneuburg einen Golfplatz am Weißen Hof will. Denn dazu ist eine Flächenumwidmung notwendig. Das für den Golfplatz vorgesehene Areal ist als landwirtschaftliche Fläche gewidmet.

Landwirtschaft benötigt immer mehr Fläche

Ob das die Klosterneuburger wollen oder nicht, könnte eine Volksbefragung entscheiden. Nationalrat Johannes Schmuckenschlager will es jedenfalls nicht. Als Bauernbund-Vizepräsident ist er strikt gegen die Umwidmung landwirtschaftlicher Flächen. Und das aus einem einfachen Grund: „Der Erhalt der Lebensqualität in Klosterneuburg ist nicht nur ein Schlagwort, sondern ein politisches Ziel des Bauernbundes. Um nachhaltig Flächen bewirtschaften zu können, braucht es leistungsstarke und produktionsorientierte Betriebe. Deshalb müssen wir darauf achten, die wirtschaftliche Grundlage der Bauern – Grund und Boden – zu schützen.“

Die Landwirtschaft braucht nämlich, bei entsprechender Entwicklung, immer mehr Fläche (siehe Infobox unten) Schmuckenschlager: „Rechnet man dieses Datenmaterial auf die kommenden zehn Jahre hoch, besteht für die Betriebe ein zusätzlicher Gesamtflächenbedarf von über 20 Prozent.“

Täglicher Verlust von 22 Hektar Land

Insbesondere für Vieh haltende Betriebe erhöhe sich der Bedarf an Futterflächen. Seit Jahresbeginn 2013 wurden bereits landwirtschaftliche Flächen in der Größe von 200 Bauernhöfen verbaut. Das entspricht einem täglichen Verlust von 22 Hektar. Schmuckenschlager: „Die Verbauung und Versiegelung von agrarischen Flächen haben vielschichtige Folgen. Durch die Versiegelung landwirtschaftlicher Nutzflächen ist die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln nachhaltig gefährdet.“

Dass sich dieses Thema aber die Grünen unter den Nagel reißen, sieht der Bauernbund-Vize eher kritisch. „Ich bin auch ein Verfechter direkter Demokratie, aber es ist schon eine ziemliche Grenzwanderung, ein ökologisch sensibles und emotional sehr aufgeladenes Thema wie den Golfplatz gemeinsam mit stadtpolitisch entscheidenden Fragen abzufragen. Oder vereinfacht gesagt: Muss ich gegen die Errichtung eines Feuerwehrhauses sein, um den Golfplatz zu verhindern?“

Entwicklung Landwirtschaft:
Gesamtfläche:
1999 34,6 ha
2010 42,4 ha    
Lw. Nutzfläche:
1999 16,8 ha
2010 18,8 ha
Viehbestand:
Schweine 35 auf 84
Rinder 20 auf 30
Schafe 18 auf 27

Quelle: Statistik Austria