Neues Tool gegen Verbauung. Gemeinderat in Klosterneuburg beschließt Baustopp: Flächenwidmungsplan wird mit Geschoßflächenzahl erweitert.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 19. Mai 2021 (04:18)
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Zukünftig wird man bei den einzelnen Grundstücken in Klosterneuburg ein neues Kürzel finden: „GFZ“, Geschossflächenzahl. Sie soll in Bezug auf die Verbauung für Klosterneuburg sehr positive Auswirkungen haben.
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Baustopps gab es in der Vergangenheit Klosterneuburgs zuhauf. Doch die Bausperre, die jetzt bei der letzten Gemeinderatssitzung beschlossen wurde, soll laut Planungsstadtrat Johannes Edtmayer (Die Grünen) bahnbrechend sein. Neben der Baudichte, die festlegt, wie viel Prozent eines Baugrundstückes verbaut werden darf, und der Bauklasse, die die Höhe der geplanten Gebäude reglementiert, gibt es jetzt ein weiteres Tool, um die Flächenwidmung im Sinne der Stadtgemeinde zu beeinflussen: die Geschoßflächenzahl.

Das ist auch der Grund, warum ein zweijähriger Baustopp beschlossen wurde: Der Flächenwidmungs- und Bebauungsplan muss um dieses weitere Einschränkungsmerkmal erweitert und ergänzt werden. „Das ist eine sehr aufwendige Arbeit. Bis sie erledigt wäre, würden wir mit einer Flut von Bauanträgen konfrontiert werden“, so der Planungsstadtrat. Jeder Bauwerber würde nämlich danach trachten, noch vor der Einführung des neuen Instruments eine Baubewilligung seines Projekts zu bekommen.

„In Zukunft wird eine Bebauung mit einer Geschoßflächenzahl größer eins nur noch mit der Widmung ‚Nachhaltige Bebauung‘ möglich sein.“ Johannes Edtmayer, Planungsstadtrat, Die Grünen

Aber vorweg: Ein Baustopp bedeutet nicht, dass in Klosterneuburg nicht mehr gebaut wird. Bis zum Beschluss des Baustopps im April sind ja Bauprojekte bewilligt worden, und diese kommen jetzt natürlich zur Ausführung.

Die neue Größe „Geschoßflächenzahl“ (GFZ) setzt die Geschossfläche in Relation zur Grundfläche. So bedeutet zum Beispiel GFZ 1, dass bei Grundflächen, die zur Hälfte bebaut werden dürfen, lediglich zwei Geschoßflächen möglich sind. Eine Novelle der Niederösterreichischen Raumordnung macht dieses neue Regelwerk möglich. Ausnahmen gibt es natürlich auch hier, aber die bedürfen einer eigenen Widmung. Planungsstadtrat Edtmayer: „In Zukunft wird eine Bebauung mit einer Geschoßflächenzahl größer eins nur noch mit der Widmung ‚Nachhaltige Bebauung‘ möglich sein.“ Edtmayer ist froh über dieses neue Instrument und spricht dem Niederösterreichischen Landtag für diese Novelle Dank aus: „Große Anerkennung an den Landtag und die Fachabteilung im Klosterneuburger Rathaus für die rasche und professionelle Reaktion.“

Während der Bausperre werden nun der Flächenwidmungsplan und die Bebauungsbestimmungen im Hinblick auf die Möglichkeiten und Notwendigkeiten nach der Novelle der Raumordnung geprüft. Am Ende wird feststehen, wo die Widmung „Nachhaltige Bebauung“ möglich sein kann. Edtmayer sieht dieser neuen Entwicklung sehr zuversichtlich entgegen: „Das wird mittel- und langfristig in Bezug auf die Verbauung für Klosterneuburg sehr positive Auswirkungen haben.“

Der Grüne Planungsstadtrat verweist auf die Einführung des nun dritten bedeutenden Merkmals bei den Bebauungsvorschriften und spricht von der „grünen Handschrift bei der Stadtentwicklung“. Denn neben der Einführung der jetzigen Geschoßflächenzahl wurden in dieser Amtsperiode schon die Wohneinheiten beschränkt und die Nullerregelung bezüglich Baudichte nach Teilungen restriktive überarbeitet. Das alles ist aber ohne Stadtregierung nicht möglich. Das weiß Edtmayer: „Ich möchte mich bei Bürgermeister Schmuckenschlager für die vertrauensvolle Zusammenarbeit bei diesen Themen bedanken. Anders wäre das natürlich nicht umsetzbar.“

„Die Stadt braucht nicht mehr Einwohner, sondern mehr Hauptwohnsitzmeldungen"

Der neue Planungsstadtrat weist auch auf seine Grundsätze bei seiner neuen Aufgabe hin: „Stadtplanung vernünftig und ökologisch steuern, insbesondere was die Bodenversiegelung betrifft, Begrünung der Fassaden im Zentrum (Urban Heating), Förderung der Photovoltaik-Anlagen und vieles mehr.

Ein wichtiges Anliegen ist Edtmayer auch die Problematik der Zweitgemeldeten in Klosterneuburg: „Die Stadt braucht nicht mehr Einwohner, sondern mehr Hauptwohnsitzmeldungen. Auch nicht mehr Wohnungen. Es gibt genug leer stehende Wohnungen. Was wir brauchen, sind leistbare Wohnungen für junge Klosterneuburger.“