Klosterneuburger Infopoint: Bürokratie mit Herz

Erstellt am 05. August 2022 | 05:33
Lesezeit: 3 Min
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Haben ein offenes Ohr für Ukrainer: Julian Leithner und Nataliia Rybka, die im März aus Charkiw geflohen ist.
Foto: Wagner
Eine Ukraine-Koordinationsstelle im Rathaus hilft Geflüchteten.
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Die Sprache ist unbekannt, die Kultur fremd und die Sorge um Heimat und Familie groß: Hals über Kopf müssen Flüchtende aus der Ukraine ihr Zuhause verlassen, um dem Gräuel des Kriegs zu entkommen. Sie haben nur das Notwendigste im Gepäck und viele Fragen. Eine Koordinationsstelle im Rathaus gibt Antworten für den Neustart in der Babenbergerstadt.

Was braucht es für eine Meldung? Können meine Kinder in die Schule gehen? Wie komme ich zur Grundversorgung? Nataliia Rybka ist seit Anfang März in Klosterneuburg. Eine Familie aus Weidling hat sie bei den ersten Schritten in Österreich unterstützt – jetzt ist es Rybka selbst, die in ukrainischer Sprache Hilfe anbietet.

„Es ist schwierig zu verstehen, was gerade in meinem Land passiert.“ Nataliia Rybka Ukraine-Koordinatorin im Rathaus

In ihrem Büro vis-à-vis des Bürgermeisteramts berät sie Flüchtende und bringt Durchblick in den Bürokratie-Dschungel. „Daheim in der Ukraine habe ich immer und gerne geholfen, etwa Veranstaltungen für Kinder und Familien organisiert oder Süßigkeiten verteilt. Es ist schwierig zu verstehen, was gerade in meinem Land passiert. Anderen zu helfen, hilft mir, damit umzugehen“, betont die Ukrainerin.

Nach dem Überfall Russlands musste sie gemeinsam mit ihrer neunjährigen Tochter Charkiw verlassen – beim Gedanken an die geliebte Heimatstadt erstarrt das sonst so freundliche Lächeln.

„Die Österreicher sind so hilfsbereit und freundlich! Wenn man die Heimat verlassen muss, ist diese Unterstützung einfach wunderbar! Ein besonderer Dank geht an den Verein ,Klosterneuburg hilft‘.“

Rybka kennt die Ängste und Probleme der Flüchtenden. „Wir haben Glück, dass wir Nataliia haben. Sie bringt amtliche Anfragen auf eine menschliche Ebene“, lobt Kollege Julian Leithner. Abseits der Bürokratie erzählen Flüchtende ihre privaten Erlebnisse. Leithner, der ebenso im Ukraine-Infopoint tätig ist, unterstreicht: „Das hilft, ein besseres Bild zu bekommen und seitens der Stadt können wir besser reagieren.“

Rund 600 Ukrainer sind in den vergangenen Monaten in Klosterneuburg angekommen. Manche bleiben, manche ziehen weiter. Ein großes Problem: Der ohnehin überrannte Wohnungsmarkt. „Am Anfang war es einfacher, ein Appartement zu bekommen“, erinnert sich Rybka.

Bei der Wohnungssuche sind Flüchtende auf Privatpersonen angewiesen, viele Quartiere werden in Kooperation mit dem Verein „Klosterneuburg hilft“ vermittelt. Sollte Bedarf bestehen, kann auf öffentliche Gebäude ausgewichen werden: Die Stadtgemeinde hat beim Bund bereits ihre Wohn-Kapazitäten eingemeldet – ob das genutzt wird, entscheidet der Bund.

Ist die Wohnsituation einmal geklärt, poppen die nächsten Fragen auf. Ein wichtiges Anliegen der Vertriebenen: eine rasche Integration. „Sie wollen Deutsch lernen und arbeiten. Und sie sind so dankbar für jede Hilfe“, weiß Leithner aus Erfahrung.

Dankbarkeit ist das Stichwort – und schon überschlägt sich Rybka mit Lob: „Die Österreicher sind so hilfsbereit und freundlich! Wenn man die Heimat verlassen muss, ist diese Unterstützung einfach wunderbar! Ein besonderer Dank geht an den Verein ,Klosterneuburg hilft‘.“

Die freiwilligen Mitglieder sind stets um Lösungen bemüht, hebt die Ukrainerin vor. Zuletzt hat der Verein Gratis-Zeckenimpfungen für Kinder organisiert. Rybka: „Zecken haben wir in der Ukraine nicht und wir sind sehr dankbar, dass sich ,Klosterneuburg hilft’ auch darum gekümmert hat.“

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