Klosterneuburger umrundeten Österreich im Campingbus. Klosterneuburger umrundeten Österreich und besuchten 215 Grenzstellen.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 26. Juni 2020 (04:24)
In Mureck in der Steiermark fanden die Reisenden eine besonders schöne Grenzlandschaft vor. Gaby und Peter Giovannini besuchten 215 Übergänge.
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Seit 20 Jahren reisen Gaby und Peter Giovannini im Campingbus. Heuer hätte die Tour nach Usbekistan gehen sollen. Doch es kam anders: Die Grenzen blieben dicht, Ausreise unmöglich. Ein Plan B musste her – und so umrundete das Klosterneuburger Ehepaar Österreich im Wohnmobil. Bilanz der Grenzwanderung: 27 Reisetage, 215 Übertrittsstellen und 4.000 Kilometer Fahrt.

Grenzenlose Gemütlichkeit: Beim Umrunden von Österreich pausierten die Klosterneuburger Peter und Gaby Giovannini in Rechnitz im Burgenland.
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„Weil die Grenzen geschlossen waren, entstand die Idee, genau diese Grenzen kennenzulernen“, erzählt Peter Giovannini. Die Klosterneuburger klapperten ab Mitte Mai vier Wochen lang unbekannte Ecken der Heimat ab. Giovannini: „Etwa das hübsche Hügelland an den Grenzen südlich von Güssing. Dort war ich mein Lebtag nicht.“

„Weil die Grenzen geschlossen waren, entstand die Idee, genau diese Grenzen kennenzulernen.“ Peter Giovannini

Entlang der Route entdeckte das Paar das „ganz besondere Flair der Grenzregionen“: Berge im Süden, weite Landschaften im Norden. Nicht nur von der Natur war Giovannini angetan: „Ich bin Historiker. Die geschichtliche Sicht war sehr spannend.“ Ein Grenzstein Richtung „Böhmen“, die Front des Ersten Weltkriegs oder der mittelalterliche Schlacht-Platz, wo einst Rudolf und Ottokar aufeinandertrafen, beeindruckten den Klosterneuburger. Und: „Wir fuhren mit dem Rad zu dem Punkt, wo Mock den Eisernen Vorhang zerschnitten hat.“

Normalerweise führt der Weg nach Ungarn. Bei ihrer Grenztour fandendie Klosterneuburger Gaby und Peter Giovannini eine Totalsperre vor.
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Bei der Grenzwanderung erlebte der Historiker Zeitgeschichte hautnah: nämlich die Corona-Maßnahmen. Giovannini: „Das Virus selbst spürt man nicht. Wie schnell der Nachbar zur Bedrohung wird, war eine sehr lehrreiche Lektion.“ Bis Anfang Juni waren die Grenzen komplett gesperrt. Wenn notwendig, setzten die Klosterneuburger eine Maske auf, sonst war Corona kein Thema. Die Maßnahmen hingegen schon: „Wir waren manchen Grenzbeamten suspekt. Die haben sich gedacht: ,Warum fahren die Deppen an die Grenze?‘“ Beim Radlpass in der Steiermark wurden die Klosterneuburger über Kilometer vom Bundesheer verfolgt und schließlich kontrolliert, beim Reschenpass hielt die Polizei mit Blaulicht den Campingbus an. Nach einer Erklärung durfte das Paar weiterziehen. „Die meisten Beamten waren sehr freundlich“, erinnert sich Giovannini.

Sowohl aus landschaftlicher, als auch aus historischer Sicht sind die Grenzen Österreichs eine Reise wert, wie etwa hier beim Bunkermuseum Wurzenpass in Kärnten.
privat

Im Süden sahen die Reisenden die totale Sperre der Grenzen, im Norden angekommen verfolgten die Giovanninis die Lockerungen mit – ein einmaliges Erlebnis in der Zeitgeschichte: „So eine Reise kann man nie wiederholen, außer es würde wieder zu Grenzschließungen kommen.“

Von der Tour bleiben besondere Erinnerungen – etwa leere Straßen, wo sonst Stau vorherrscht. „Am Brenner hätte man über die Autobahn gehen können mit verbundenen Augen“, schmunzelt der Klosterneuburger.