Maria Gugging: Urlaub daheim - mit Pfeil und Bogen. Hobby-Schützen und alle, die es werden wollen, sind im Bogenwald richtig.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 17. Juli 2020 (05:22)

Robin Hood, Legolas, Rambo, Katniss Everdeen, Pocahontas und ich – uns alle vereint, dass wir mit Pfeil und Bogen in der Hand den Gegner bezwingen. In meinem Fall sind es wilde Modell-Kreaturen aus Spezialschaum, die im Wienerwald Schaudern lehren. Drei Pfeile pro Ziel, und schon ist die Gefahr gebannt.

Jagdinstinkt und Feindgedanke stehen beim Bogensport aber längst nicht mehr im Vordergrund. Im Bogenwald an der Maria Gugginger Grenze geht es vielmehr um Spaß, Entspannung und Konzentration.

„Begriff Breitensport tritt es wirklich gut“

Bei dem mehrstündigen Marsch durch den Wienerwald wird der Kopf frei, frische Luft und Bewegung helfen beim Runterkommen. „Mit Hektik funktioniert es nicht. Wenn man nicht abschaltet, trifft man nicht. Man muss konzentriert und ruhig sein“, erklärt Hannes Oberndorfer, Chef des 3D-Parcours.

Gerade für Laien wie mich ist der Tipp Gold wert, auch wenn’s anfangs an der Umsetzung hapert. Die Zielsicherheit kommt mit der Übung – Grizzlybär, Wildschwein, Reh und Co. sind chancenlos. Bogenschützen können 30 verschiedene Tiere ins Visier nehmen, großteils sind die Modelle von der heimischen Fauna inspiriert. Aber auch Löwe, Gepard und Bär schleichen durch den Bogenwald.

Dem Getier dicht auf den Fersen sind die Schützen: Groß und Klein, Alt und Jung, Hobbysportler und Experten – jeder, der will, kann Bogenschießen. Oberndorfer: „Der Begriff Breitensport tritt es wirklich gut.“ Entlang des Parcours-Wegs spazieren Familien mit Kindern, Freundesgruppen oder Einzelgänger auf der Suche nach Abenteuern. Einziges Kriterium für Schützen: „Sie müssen nur den Bogen ziehen können“, schmunzelt der Parcours-Chef.

Auf den Spuren der englischen Langbögen

Anfänger haben es da heutzutage relativ einfach: Das Ausleihmodell im Bogenwald hat ein Zuggewicht von 22 Pfund (rund zehn Kilogramm), für Kinder gibt es leichtere. Englische Langbogenschützen mussten hingegen einst 180 Pfund (rund 80 Kilogramm) ziehen.

Das war der Mühe wert – denn mit Pfeil und Bogen gelang der Sieg über die Franzosen. Viele Jahrhunderte später ist das Gegenüber des Schützens künstlich und der Pfeil keine Waffe, sondern ein Sportgerät. Es geht nicht darum, zu töten, sondern Körper und Kraft zu spüren.

Das oberste Gebot im Bogenwald: Sicherheit. Bogenschieß-Neulinge absolvieren einen Einführungskurs, bevor sie auf den Parcours dürfen. „Bei uns ist noch nie etwas passiert, und das soll auch so bleiben“, betont Übungsleiterin Margit Vranovsky.

Mit Sicherheit ist Bogenschießen vor allem eins: ein Spaß für alle. Oberndorfer: „Es ist noch nie jemand vom Parcours zurückgekommen und hat gemeint, dass er das nie wieder machen will.“ Der NÖN-Selbstversuch bestätigt das.