Der Wiener Speckgürtel soll enger geschnallt werden. Besprechung über die Herausforderungen im Baugeschehen und Regulierungsinstrumente der Gemeinden.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 23. Mai 2019 (04:08)
Diese Bürgermeister ziehen hinsichtlich des Ortsbildschutzes und Strukturerhalts an einem Strang: Stefan Szirucsek aus Baden, Martin Schuster Perchtoldsdorf und Klosterneuburgs Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager (v. l.).
Marktgemeinde Perchtoldsdorf

Die Bürgermeister der Gemeinden Perchtoldsdorf, Baden und Klosterneuburg luden letzte Woche in die Marktgemeinde Perchtoldsdorf zu einem Pressegespräch. Das Wiener Umland ist mit einer Vielzahl von Anforderungen im Baugeschehen konfrontiert.

Insbesondere in attraktiven Wohnorten hat die Zahl der Neuerrichtungen zugenommen und eine Verdichtung vielfältiger Nutzungen stattgefunden, die mit wachsenden Interessenkonflikten verbunden sind.

„Historische Zentren, die Lage inmitten von Weinbaugebieten und im Biosphärenpark, erhaltenswerte Villenzonen aus dem 19. Jahrhundert und einen starken Siedlungsdruck aus Wien“

Die drei Gemeinden Perchtoldsdorf, Klosterneuburg und Baden weisen zahlreiche Gemeinsamkeiten auf: „Historische Zentren, die Lage inmitten von Weinbaugebieten und im Biosphärenpark, erhaltenswerte Villenzonen aus dem 19. Jahrhundert und einen starken Siedlungsdruck aus Wien“, wie Perchtoldsdorfs Bürgermeister Martin Schuster beim Pressegespräch mit seinen Amtskollegen Stefan Schmuckenschlager aus Klosterneuburg und Badens Ortschef Stefan Szirucsek betonte.

„Als Bürgermeister sind wir verliebt in unsere Gemeinden, sonst würden wir diese Funktion gar nicht ausüben"

Im Spannungsfeld zwischen dem Erhalt bisheriger Siedlungsstrukturen und der Entwicklung neuer Bau- und Siedlungsformen gelte es daher Wege zu finden, die unterschiedlichen Interessen zu berücksichtigen, sind sich die Bürgermeister einig.

„Als Bürgermeister sind wir verliebt in unsere Gemeinden, sonst würden wir diese Funktion gar nicht ausüben. Was man liebt, möchte man bewahren, und so ist es uns ein Anliegen, das unsere Kommunen ihr lieb gewordenes Gesicht behalten“, machte Schmuckenschlager die kommunalpolitische Motivation deutlich.

In den drei Gemeinden setzten Maßnahmen zum Schutz des Ortsbildes und der gewachsenen Strukturen bereits sehr früh ein: Klosterneuburg hat mit einer Flächenformel die Bebaubarkeit großer Grundstücke eingeschränkt, Baden die erste Schutzzone in einer Villengegend verordnet, wie Szirucsek berichtete, und Perchtoldsdorf die großflächige Widmungsbeschränkung im Bauland-Wohngebiet auf zwei Wohneinheiten beschränkt. Dabei stehen die Gemeinden in stetem Austausch auf Politik- und Verwaltungsebene, um von- und miteinander zu lernen.

Bewahrung des historischen Erbes wichtig

Einig waren sich die Ortschefs auch in der Aufrechterhaltung einer starken regulatorischen Komponente im Baugeschehen: In den drei Gemeinden waren, beziehungsweise sind insgesamt 21 Bausperren zu den verschiedensten Bereichen in Geltung. Diese sind aber nicht Selbstzweck, sondern schaffen die Möglichkeit für die bürgerbeteiligte Gestaltung der architektonischen Zukunft, in der sanfte Entwicklung und Bewahrung des historischen Erbes Hand in Hand gehen.