Zank um Winterdienst in Klosterneuburg. Wer ist für die Sicherheit der Fahrgäste bei Schneelage verantwortlich? Zuklin-Bus verweigert Stopp. Bürgermeister Schmuckenschlager wähnt Vertragsbruch.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 27. Januar 2021 (04:08)
Drei Zentimeter Schnee in der Haltestelle lösen Kontroverse aus.
privat

Das bisschen Schnee der Vorwoche brachte die erste zu erwartende Konfrontation im Streit um die Schneeräumung der Bushaltestellen. Die Buslinie 402 des Busunternehmens Zuklin verweigerte den Stopp bei der Haltestelle Schladgasse, Richtung Weißer Hof. Der Grund: Die Haltestelle war nicht geräumt.

Der Klosterneuburger Kaspar Hammerer schildert den Vorfall: „Wir als Familie mit zwei Kindern haben zeitgerecht mit der Stopptaste im Bus unseren Haltewunsch angekündigt, trotzdem ist der Busfahrer einfach weitergefahren.“ Auch nachdem der Fahrgast Hammerer „Stopp“ gerufen hatte, hielt der Bus nicht. Erst bei der nächsten Haltestelle hätte der Buschauffeur in einem unfreundlichen Ton gemeint, es wäre die Haltestelle nicht geräumt gewesen.

„Und das bei drei Zentimeter Neuschnee, bei strahlendem Sonnenschein zu Mittag“, versteht Hammerer die Handlungsweise des Busfahrers nicht und argumentiert weiter: „Meine Kinder fahren öfter mit dem Bus und ohne Handy. Es ist verantwortungslos, wie hier das Busunternehmen und die Stadt agieren. Muss zuerst etwas Schlimmeres passieren, bis eine praktikable Lösung gefunden wird?“

„Haben zeitgerecht die Stopptasten gedrückt. Trotzdem ist der Busfahrer weitergefahren.“ Kaspar Hammerer, Fahrgast

Für die Chefin des gleichnamigen Busunternehmens Sabine Zuklin besteht kein Grund, hier einzugreifen. Busfahrer seien angehalten, bei nicht geräumten Busstationen nicht stehen zu bleiben. Seit Dezember sei die Räumung nur mehr von 22 bis 6 Uhr Sache der Stadtgemeinde, von 6 bis 22 Uhr wird dafür der jeweilige Anrainer in die Pflicht genommen. Also treffe Zuklin hier keine gesetzliche Verantwortung. Trotzdem hätte das Busunternehmen die Aufgabe, für die Sicherheit seiner Fahrgäste Sorge zu tragen.

Zuklin: „Bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung würde der Richter sagen, dass ich ja durch die Stadtgemeinde informiert gewesen wäre, dass der Schnee nicht geräumt würde. Wenn ich jetzt trotzdem die Fahrgäste aussteigen ließe, könnte mir der Vorwurf des Vorsatzes umgehängt werden.“

100 Jahre lang sei die Schneeräumung in den Haltestellen Sache der Stadtgemeinde gewesen. Jetzt hätte sie ein rechtliches Schlupfloch gefunden, dieses Service abzustellen. Zuklin: „Wie ist ein Bürgermeister zu bewerten, der das jetzt seinen Bürgern umhängt?“

„Für uns ist das rechtlich geklärt“, so Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager. Die Stadtgemeinde habe einen millionenschweren Vertag mit Zuklin. Wenn der nicht eingehalten würde, behielte sich die Gemeinde vor, das Vertragsverhältnis zu hinterfragen. Schmuckenschlager: „Wir akzeptieren sicher nicht, dass dieser Missstand durch die Haltung der Firma Zuklin auf dem Rücken des Bürgers ausgetragen wird.“