Zwischen Armut & Aufschwung: Klosterneuburger Hilfe für Rumänien

Erstellt am 23. September 2022 | 05:39
Lesezeit: 4 Min
Stift besuchte Hilfsprojekte in Rumänien. Die NÖN war beim Lokalaugenschein mit dabei.
Werbung

Eine weiße Stretch-Limousine fährt durch das Ortszentrum, in der Siedlung an der Ecke parkt ein schicker Porsche. Und mittendrin eine marode Hütte, die keinen Strom hat. Die wenigen Möbel und Lebensmittel im Hausinneren sind Spenden, hauptsächlich von Concordia, manche von Nachbarn. Nur so können die siebenjährige Lorena und ihre Oma überleben. Der Ort, gut eine Autostunde entfernt von Bukarest, zeichnet ein skurriles Bild aus Aufschwung und Armut – ein Gegensatz, der sich durch die ganze Gesellschaft zieht.

Eine Frage der Bildung

Die Not ist in Rumänien nicht versteckt, sehr wohl wird sie aber ausgegrenzt und übersehen. Von staatlicher Seite kommt kaum Hilfe, erzählen die Leute vor Ort. Es braucht unabhängige Organisationen wie Concordia, die hinschauen und anpacken.

Die Concordia-Sozialprojekte, bekannt durch ihren Gründer Georg Sporschill, machen das seit über 30 Jahren. In den Anfängen waren es Straßenkinder, die nach der Schließung der öffentlichen Kinderheime und unter katastrophalen Bedingungen in Kanälen und Bahnhöfen Unterschlupf fanden. Concordia gab ihnen ein Zuhause.

Das Land, seit 2007 auch in der EU, entwickelte sich weiter. So auch die Organisation. Heute im Fokus: Impulse für eine eigenständige und langfristige Entwicklung im Sozial- und Bildungsbereich – für ein Leben ohne Ausgrenzung. Die ist nämlich längst nicht überwunden und trifft besonders Roma. Heißt im Alltag: Nicht jedes Kind kann zur Schule gehen – manchmal fehlt es an ganz banalen Dingen wie der Kleidung oder einem Transportmittel.

„Es tut einfach gut zu wissen, ja, da gibt es jemanden, der uns begleitet. Das gibt viel Halt.“ Markus inama Concordia-Vorstand

Oder gar an der richtigen Motivation. „Ich habe früher nicht verstanden, warum Bildung wichtig ist“, gibt Mutter Mariana (34) zu: „Aber heute verstehe ich es“ – ihr Blick fällt auf Tochter Denisa, sie ist die erste in ihrer Familie, die eine Oberstufe besucht. Ohne Concordia, räumt die Mutter ein, wäre das nicht möglich. Auch, weil es die Organisation war, die Denisa einst ein Paar Schuhe – ihr erstes überhaupt – für den Kindergarten geschenkt hat.

Mariana kümmert sich um ihre fünf Kinder. Wenn diese einmal aus dem Haus – oder besser gesagt aus dem einen Schlafzimmer für alle im berüchtigten Armutsviertel – sind, will Mariana arbeiten gehen. Bis dahin müssen die 450 Euro, die Gatte Marius von seiner Arbeit in Deutschland heimschickt, genügen. Kein Zuckerschlecken und die Sorge vor dem Winter und teurem Holz fürs Heizen ist groß.

Maria, Mutter von zwölf Kindern, teilt die Angst, ebenso wie Nicolae, Mutter von sieben. Für ihre Familie gilt: Wenn es kalt ist, müssen die Kinder drinnen bleiben, zusammengedrängt auf zwei Räume – „eine Erkältung ist ein Luxus, den sie sich nicht leisten können“, verdeutlichen Mitarbeiter von Concordia. Und das in einem EU-Staat.

Das ambitionierte Ziel der Hilfsorganisation: Den Familien und ihren Kindern soll es besser gehen. Das gelingt einerseits mit Soforthilfe (etwa Lebensmittel) oder langfristigen Projekten – Tagesbetreuungszentren, schulischen Angeboten oder Lehrlings-Ausbildung. Und mit treuen Unterstützern.

„Concordia ist die letzten Jahre sehr stark gewachsen. Wir haben sehr treue Wegbegleiter, dazu gehört sicher auch der Verein ,Ein Zuhause für Straßenkinder‘ vom Stift Klosterneuburg“, dankt Pater Markus Inama, Concordia-Vorstand, „es tut bei all den Herausforderungen einfach gut, zu wissen, ja da gibt es jemanden, der uns begleitet und das gibt sehr viel Halt.“ Das Stift Klosterneuburg spendet Concordia jährlich 270.000 Euro.

www.concordia.or.at

Werbung