Im Herbst: Viren im Doppelpack in Klosterneuburg. Die Ablehnung gegen die Grippeimpfung ist vorbei. Im Gegenteil: In Zeiten von Corona wird ein Ansturm erwartet.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 12. August 2020 (04:18)
Corona wird eine Steigerung der Impfbereitschaft gegen die Influenza bringen. Kommt es zum Ansturm?
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Während die ganze Welt fieberhaft nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus forscht und man nicht weiß, wann es ein Mittel gegen die Pandemie geben wird, ist eines ganz sicher: Die nächste Grippewelle kommt bestimmt. Obwohl es gegen die Influenza einen wirksamen Impfstoff gibt, wurde in den letzten Jahrzehnten von der Impfung in Österreich eher wenig Gebrauch gemacht. Bei einer Durchimpfungsrate von lediglich neun Prozent liegt auf der Hand, dass sich die Österreicher vor der Grippewelle wenig fürchten. Das hat sich aber nun schlagartig geändert. Denn im Zuge der Coronapandemie besteht die Angst, sich beide Viren einzufangen. Ist diese Angst berechtigt? Ist Corona und Influenza eine tödliche Kombination?

Ende Februar wurden in Österreich die ersten Fälle von SARS-CoV-2 Infektionen gemeldet, und mit Mitte März kam es zum Lockdown, um mit den eingeführten Hygienemaßnahmen die weitere Ausbreitung der Pandemie zu stoppen. Dies hatte die positive Nebenwirkung, dass letztendlich auch die epidemische Influenzavirusaktivität sehr rasch zu Ende ging. Die beiden Viren sind sich nicht unähnlich. Eine Ansteckung im Doppelpack ist aber ein Szenario, das selbst bei hartnäckig Impfunwilligen die Alarmglocken ertönen lässt. Viele erkundigen sich jetzt schon nach einem Impftermin gegen Influenza bei ihrem Hausarzt.

„Das Land ist an den Gesundheitsminister herangetreten, die Verfügbarkeit der entsprechenden Impfdosen für ganz Österreich sicherzustellen.“ Land NÖ, Pressestelle

„Also diese Angst ist sicher nicht unbegründet.“ Peter Kaufmann, praktischer Arzt in Kritzendorf.
Martin Wacht

Und der erfahrene praktische Mediziner Peter Kaufmann aus Kritzendorf bestätigt: „Man kann sich prinzipiell zeitgleich mit beiden Viren anstecken, was nach Meinung vieler Experten eine deutliche Zunahme von Komplikationen bedeuten kann. Also diese Angst ist sicher nicht unbegründet.“

Auch Kaufmann rechnet mit einem Ansturm auf die Grippeimpfung: „Wir erwarten, dass wir von viel mehr Menschen aufgesucht werden, die die Impfung aktiv verlangen werden.“ Zusätzlich wird aber sicher von den Ärzten auch noch mehr als früher auf die Möglichkeit und Sinnhaftigkeit dieser Impfung – gerade in diesen Zeiten – hingewiesen werden.

Aber wann soll man sich gegen die Grippe impfen lassen? Die Ärzte rechnen, dass im September der Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Ab diesem Zeitpunkt soll man sich auch impfen lassen. Der richtige Zeitpunkt der Impfung ist auch entscheidend, ob eine Impfung für zwei Grippewellen ausreicht. Kaufmann ist da zuversichtlich: „Wir werden mit einer einzigen Impfung durchkommen.“ Aber ist die Pharmaindustrie auf einen Grippeimpf-Ansturm eingestellt? „Wir gehen auch davon aus, dass genug Impfstoff da sein wird. Vielleicht gleich zu Beginn der Impfmöglichkeit noch nicht in vollem Ausmaße. Aber auch in den nächsten Wochen sollte noch genügend nachgeliefert werden können. Bitte ja keine Panik, sollte in den ersten Tagen der Impfmöglichkeit nicht genügend Impfstoff zu Verfügung stehen. Wir werden laufend nachbeliefert.“

„Wir werden mit einer einzigen Impfung durchkommen“

Wien bietet die Grippeimpfung heuer kostenlos an. Von Oktober bis März können Bewohner der Bundeshauptstadt dieses Service in Anspruch nehmen. Das findet Kaufmann sehr gut. Nur hätten Erfahrungen gezeigt, dass dies nicht zentral an einem einzigen Ort geschehen sollte, weil die Compliance in diesem Fall deutlich geringer ist, als wenn dezentral in Ordinationen geimpft wird.

Nun kam es in den letzten Wochen zum Vorschlag, auch die Apotheken impfen zu lassen. Das hat hitzige Diskussionen ausgelöst. Ein wirksames Mittel gegen den zu erwartenden Ansturm? „Ich möchte da kein Öl ins Feuer gießen, aber doch die Kompetenz und die Verantwortung bei medizinischen Eingriffen auch bei medizinischen Einrichtungen belassen. Impfungen stellen nun einmal einen nicht zu unterschätzenden medizinischen Eingriff dar.“ In allen Ordinationen in Klosterneuburg werde es auch weiterhin die Möglichkeit geben, sich mit telefonischer Voranmeldung einen Impftermin zu sichern.

Zu einer möglichen Gratisimpfung auch in Niederösterreich nimmt das Land NÖ wie folgt Stellung: „Impfungen schützen nicht nur den Einzelnen, sondern auch jene, die sich nicht selbst schützen können. Sie sind daher ein wichtiges Mittel, mit dem gesellschaftliche Verantwortung übernommen und vermeidbares Leiden verhindert werden kann. Deshalb ist das Land bereits vor Wochen an Gesundheitsminister Anschober herangetreten, die Verfügbarkeit der entsprechenden Impfdosen gegen Influenza für ganz Österreich sicherzustellen. Die Finanzierung ist noch offen.“