Drogenbanden in Klosterneuburg? Polizei weiß von nichts. Posting, wonach Elfjährige zu Deal und Konsum animiert werden, regt auf. Exekutive: „Wir behandeln das seriös.“

Von Thomas Peischl, Martin Gruber-Dorninger und Christoph Hornstein. Erstellt am 17. April 2019 (04:11)
NOEN, Radspunk/Wikipedia
Crytal Meth

Eine besorgte vierfache Mutter löste mit einem Posting auf Facebook einen Denkprozess aus. Darin ging es um Drogenmissbrauch und um die Verteilung der Substanzen. Kinder und Jugendliche im Alter von elf Jahren sollen demnach von Drogenbanden dazu animiert werden, Ketamin und Crystal Meth (Methamphetamin) zu verkaufen und auch selbst zu konsumieren. Das Posting verbreitete sich in Windeseile und sorgte mitunter auch für Verunsicherung.

„Ich bin klinische Psychologin und arbeite seit 20 Jahren mit Familien und Kindern aus Klosterneuburg und dem Bezirk Tulln. Ich kenne daher viele Therapeuten aus der Gegend“, sagt Elisabeth Lang auf Anfrage der NÖN. Sie sei selber Mutter, habe Kinder im Alter von vier bis 25, und sei daher gut vernetzt mit Eltern in den verschiedensten Altersstufen.

„Ich war erschüttert, die Sorgen der Mütter bestätigt zu wissen, und der Wunsch wurde laut, das Thema öffentlich zu machen.“ Elisabeth Lang

Durch das Posting stand ihr Telefon kaum noch still, besorgte Mütter meldeten sich bei ihr. „Ich war erschüttert, die Sorgen der Mütter bestätigt zu wissen, und der Wunsch wurde laut, das Thema öffentlich zu machen. Denn wie sollen wir Mütter unsere Kinder vor etwas schützen, wenn wir nicht einmal daran denken, dass es so früh schon ein Thema sein kann“, sagt Lang, die sich mit dem Thema auch an Fachstellen, Jugendeinrichtungen und die Polizei wandte. „Keiner verschließt vor diesem Problem die Augen, und ich habe den Eindruck gewonnen, dass sich alle sehr bemüht diesem Thema widmen“, so Lang.

Polizei und Beratung: „nichts bekannt“

Wie schlimm ist es denn nun wirklich um den Drogenmissbrauch im Bezirk Tulln bestellt? – Die NÖN fragte bei Chefinspektor Josef Gurschl nach, Leiter des Kriminaldienstes im Bezirkspolizei-Kommando Tulln.

„Dass Elfjährige bei uns dazu animiert werden sollen, harte Drogen zu verkaufen und zu konsumieren, dieses Thema ist bei uns überhaupt nicht bekannt“, sagt Gurschl. Es gebe vereinzelte Jugendgruppen, in denen der Gebrauch von Cannabis eine Rolle spiele, das hielte sich aber auch in Grenzen.

„Es ist bei uns sicher nicht schlimmer als in anderen Gegenden“, so Gurschl. Dennoch würde die Polizei gewissenhaft und seriös jeden Hinweis in dieser Richtung verfolgen.

„Es ist wichtig, dass uns das gemeldet wird, dann können wir dem nachgehen. Das ist sicher besser, als wilde Gerüchte zu streuen und die Eltern damit zu verunsichern“, zeigt Gurschl jede Bereitschaft zur Aufklärung und will das Thema auch nicht kleinreden.

Der Polizist empfiehlt daher, die Kinder zu beobachten und ständig mit ihnen im Gespräch zu bleiben. „Es ist aber vor allem in der Jugend so, dass Verschiedenes probiert wird. Aber der Großteil konsumiert sicher keine Drogen“, beruhigt Gurschl.

„Es ist bei uns sicher nicht schlimmer als in anderen Gegenden“

Dem schließt sich auch Elli Hofmann von der Jugendberatung EXIT in Tulln an: „Uns ist nicht bekannt, dass Jugendliche im Bezirk animiert oder gar organisiert antrainiert werden, um Drogen zu verkaufen.“ Natürlich seien Drogen in einer Stadt von der Größenordnung Tullns oder Klosterneuburgs ein Thema, aber in einem völlig normalen Ausmaß.

„Ich weiß nicht, worauf die Aussagen in dem Facebook-Posting gestützt sind, aber seitdem haben sehr viele besorgte Mütter bei uns angerufen“, berichtet Hofmann. Es mag vielleicht gut gemeint gewesen sein, habe aber eher den gegenteiligen Effekt erzielt, denn: „Angst- und Panikmache bringt rein gar nichts, das verunsichert nur.“ EXIT bietet auch Schulsozialarbeit in den Neuen Mittelschulen an, und Schulen seien nach wie vor Schutzorte, in denen sehr viele Personen darauf achten, dass diese auch drogenfreie Orte bleiben.

„Wichtig ist, dass man in gutem Kontakt mit seinen Kindern bleibt, weiß, was sie machen und wie es ihnen geht und mit wem und wo sie ihre Freizeit verbringen“, betont Hofmann, kurz: „Man sollte den Überblick behalten, ohne sie ständig zu kontrollieren.“

Panik wollte Elisabeth Lang bestimmt keine auslösen, vielmehr die Eltern für dieses Thema sensibilisieren.

„Substanzkonsum ist sehr emotional besetzt, und daher müssen wir besonders aufpassen, dass wir weder in Hysterie noch in Verharmlosung verfallen“, sagt sie. Der Konsum in Tulln und Klosterneuburg sei nichts Neues, auch in anderen Gemeinden würden Jugendliche im öffentlichen Raum konsumieren. Hot-Spots wären dort, wo sich mehrere Jugendliche aufhalten. „Es ist möglich, dass Substanzen auch bei uns verkauft werden. Wir hätten nur noch nie davon gehört“, entgegnet Gurschl vehement.

In einem sind sich aber alle einig. „Leider können wir unsere Kinder nicht vor allem beschützen. Wir können sie auch nicht davor bewahren, mit dem Thema in Berührung zu kommen. Sondern sie müssen Fähigkeiten erlernen, um sich selbst schützen zu können. Stichworte: Eigenverantwortung, Reflexion und Selbstbestimmung“, bringt es die klinische Psychologin Elisabeth Lang zum Abschluss auf den Punkt.