Schmuckenschlager im Gespräch: „Klosterneuburg liebenswert erhalten“

Was wird das neue Jahr prägen? Welche Projekte stehen an? Bürgermeister Schmuckenschlager gibt darauf Antworten.

Erstellt am 05. Januar 2022 | 05:43
Lesezeit: 5 Min
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Trotz Krisen schaut Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager optimistisch und voller Tatendrang in die Zukunft.
Foto: Stadtgemeinde Klosterneuburg

Bevor wir zum Jahr 2022 kommen, noch eine Frage zum turbulenten Ende des letzten Politjahres. Sie sind ja auch Parteiobmann der ÖVP in Klosterneuburg. Wie fällt ihre Bilanz zum Kanzleraustausch und den Erkenntnissen zu den Chats aus?

Stefan Schmuckenschlager: Sebastian Kurz hat frischen Schwung in die Politik gebracht und viele Menschen für die Volkspartei begeistern können, die sich bislang nicht angesprochen fühlten. Wie man heute erkennen muss, geschah dies aber zu einem hohen Preis. Leider stehen heute Verfehlungen im Zentrum der Aufarbeitung, die einer Partei und ihrem Umfeld nur schaden können. Die Offenlegung der vielen Chatprotokolle erfordert Fingerspitzengefühl der Journalisten und Juristen gleichzeitig. Nicht alles was hier bekannt wurde, ist ein riesiger Skandal, gleichzeitig ist die oftmals verwendete Sprache abstoßend. Als Partei muss die ÖVP immer gegen jede Form von Korruption hart vorgehen und für klare transparente Abläufe sorgen. Diesbezüglich habe ich volles Vertrauen in unseren neuen Bundeskanzler.

„Ich kenne Karl Nehammer schon seit Jahren aufgrund seiner Tätigkeit in der Volkspartei NÖ. Da konnten wir immer sehr gut zusammen arbeiten.“

Ist Karl Nehammer der richtige Mann an der Spitze?

Es ist wichtig, dass die Menschen wieder mehr Vertrauen gegenüber der Politik haben. Das wird er schaffen und damit eine ganz wichtige Aufgabe erfüllen. Wir in der Volkspartei Klosterneuburg vertreten ein politisches Modell der Nachhaltigkeit. Wir bearbeiten zentral die drei Bereiche: Soziales, Ökologie und Ökonomie. Ohne Vertrauen der Menschen könnten wir kein nachhaltiges Modell etablieren. Heute ist es wichtiger denn je, dass wir wieder langfristige Perspektiven schaffen. Ich kenne Karl Nehammer schon seit Jahren aufgrund seiner Tätigkeit in der Volkspartei NÖ. Da konnten wir immer sehr gut zusammen arbeiten.

Ein gutes Stichwort. Halten wir Ausschau auf die kommenden Monate des Jahres 2022. Was erwartet die Klosterneuburger?

Die großen bestimmenden Themen sind global und werden aber bestimmt auch in Klosterneuburg ihren Stempel aufdrücken. Nach wie vor stecken wir in der Überwindung und Anpassung an die Corona-Pandemie. Diese wurde in Klosterneuburg zum Glück von der Bevölkerung sehr gut gemeistert, aber wir werden sehen, wie veränderte Gesetze und Verhaltensweisen unseren Alltag weiterhin bestimmen.

Das zweite globale Thema wird das Klima sein...

Der Klimaschutz wird weiterhin die Politik prägen. Sowohl Klimaleugner als auch Apokalyptiker werden zwar die Diskussionen in den Talkshows prägen, die Anpassung läuft aber dennoch. Neue Gesetze in der EU und Österreich ändern den künftigen Energiemarkt und der Anstieg der Energiepreise wird auch vergessen geglaubte Diskussionen zur Atomkraft wieder Schub verleihen. In Klosterneuburg bin ich sehr froh, dass wir gemeinsam mit der EVN das Mammutprojekt der Fernwärme vor Jahren gestartet haben und so eine nachhaltige Energieversorgung für tausende Haushalte weiter ausbauen können.

Die Baustellen nerven aber die Bürger...

Langfristig sind wir am richtigen Weg und den muss man eben unabhängig von Wahlterminen einschlagen. Hier wird mit der Errichtung des Mikrotunnels durch die Donau die nächste große Erweiterung des Versorgungsnetzes beginnen. Je mehr eine lokale Energieversorgung möglich wird, desto unabhängiger ist man ja von globalen Preisanstiegen.

„Bausperren sind übrigens keine Baustopps, sondern begrenzen zumeist die Größe der Bauten. Das wird oft missverstanden.“

Gerade jetzt wird viel über das Rückhaltebecken diskutiert. Stört Sie das?

Für mich waren die Diskussionen zu einem möglichen Rückhaltebecken in Hintersdorf für Maria Gugging und Kierling sehr verstörend. Wir werden deshalb im Frühjahr 2022 eine Bürgerinformation und -einbindung machen. Das habe ich mit dem Bürgermeister von St. Andrä/Wördern abgesprochen. Derartige Sicherheitskonzepte können ja nicht an Gemeindegrenzen scheitern.

Werden Sie dem Bau-Boom in Klosterneuburg zu Leibe rücken?

Solange die Zinsen auf Rekordtiefstand sind, wird der Kauf von Immobilien weiterhin höchste Renditen versprechen. Die einsetzende Inflation wird das noch verstärken und dadurch wird die „Baulust“ sowohl von Unternehmen als auch im privaten Bereich anhalten. Hier hat der Gemeinderat mit seiner letzten großen Bausperre bereits dagegengehalten. Bausperren sind übrigens keine Baustopps, sondern begrenzen zumeist die Größe der Bauten. Das wird oft missverstanden. Insgesamt ist eine Stadt einfach nie fertig. Es wird immer zu Bautätigkeiten kommen, aber die Verträglichkeit herzustellen ist unsere Aufgabe.

In Klosterneuburg werden aber auch Großprojekte Platz finden und davon gibt es ja nicht wenige….

Vollkommen richtig. Wir müssen seit einigen Jahren einen sehr starken Wandel begleiten und dies muss man sich immer wieder vor Augen führen. Drei erfolgreiche Beispiele: Wir waren fast 250 Jahre Garnisonsstadt und ein wesentlicher militärischer Standort an der Donau. Mit Abzug der Soldaten gibt es nun eine riesen Fläche neu zu ordnen. Hier können wir mit einer Teilrealisierung für einen Schulcampus und einen neuen Wirtschaftshof für die Gemeinde einen Teilerfolg erzielen. Weitere Schritte müssen wir aufgrund der Verkehrsentwicklung im Gewerbegebiet weiterdenken.

Das zweite Beispiel...

Vor über zehn Jahren wurde neben dem Happyland unter großem Jubel ein Hotel eröffnet. Dieses hielt leider nicht. Vor zwei Jahren gelang auch dort der Wandel. Wir haben seitdem ein Gesundheitszentrum und eine sehr hohe Umwegrentabilität. Die größte Veränderung und gleichzeitig größte Erfolgsgeschichte ist aber das IST Austria. Die Standortschließung des Landesklinikums Maria Gugging war ein harter Schlag. Aber die weitreichende Entscheidung der Ansiedelung des IST prägt die Stadt massiv. Im Windschatten der erfolgreichen Entwicklung des Instituts können wir als Stadt den Ruf als Wissenschaftsstadt ausbauen. Wir werden 2022 auch einen Kommunikationsschwerpunkt dazu machen. Schließlich wird Wissenschaft das Zukunftsgebiet werden, und wir können unserer Stadt damit eine wesentliche Prägung geben. Im Jahr 2036 werden rd. 2000 Menschen am IST beschäftigt sein. Gleichzeitig werden nebenan und an anderen Orten wissenschaftsnahe Unternehmen angesiedelt und weitere hochwertige Arbeitsplätze bringen.

Diese Liste ist lange und dennoch nicht vollständig?

Neben den erwähnten Entwicklungen wird im kommenden Jahr für die Stadtplanung noch viel Arbeit warten. So gibt es den Plan das ehemalige Altersheim in der Martinstraße zu einem Gesundheitszentrum zu entwickeln, eine Handelsgruppe möchte am Weidlinger Bahnhof einen großen Supermarkt entwickeln. Dieser muss aber ins Stadtbild passen, und die Zukunftsvorstellungen für den Weißen Hof sollten auch bald klar werden.

Haben Sie ein persönliches Lieblingsprojekt?

Ja, die Idee, den Stollhof an der Kierlingerstraße für die Gemeinde anzukaufen und daraus ein hochwertiges Freizeitgebiet zu entwickeln. Und nebenbei ganz offen: Das sind die großen und riesigen Projekte. Arbeit genug. Wichtig bleibt: Auf die kleinen Dinge zu schauen, Dinge die Klosterneuburg schön und liebenswert erhalten und machen.