Weißer Hof: Ein Ort der Hoffnung. Der AUVA-Standort wird zum Politikum. Prominente setzen sich für den Erhalt des Rehab-Zentrums in Klosterneuburg ein.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 13. Februar 2020 (03:39)
Die Anlage des Weißen Hofs liegt mitten in der Natur. Ein Hauptargument für den Verbleib des Rehabilitationszentrums in Klosterneuburg.
NOEN

Fast 15.000 Unterschriften wurden bis dato für den Weißen Hof in Klosterneuburg gesammelt. Laut einer politischen Anfrage wurde die Verlegung der für Klosterneuburg so wichtigen Institution der Allgemeinen Unfallversicherung (AUVA) mit dem Jahr 2026 angekündigt. Die Betten des Weißen Hofs sollen nach Meidling übersiedelt werden, wo ein neues Rehabilitationszentrum neben dem bestehenden Unfallkrankenhaus gebaut werden soll. Das wollen viele nicht so hinnehmen.

Vor allem jene nicht, denen aufgrund ihres Schicksals in einer dramatischen Ausnahmesituation entscheidend geholfen wurde. Einer davon ist der bekannte Zauberkünstler und Illusionist Toni Rei: „Ich verdanke nach 13 Monaten Reha am Weißen Hof und dem damaligen Personal meine Genesung und den Weg zurück ins Leben.“

Die Absiedlungspläne nach Meidling werden auch zunehmend ein Politikum. Vor allem die SPÖ wehrt sich gegen den neuen Standort in Wien. Durch die seinerzeit von der türkis/blauen Regierung beschlossene Senkung des Arbeitgeberanteils der Unfallversicherung soll der AUVA – einem Bericht der Wiener Zeitung zufolge – schön langsam das Geld ausgehen. Dabei meinte FPÖ-Stadtrat Josef Pitschko, die Absiedlung sei ein Wunsch der Wiener SPÖ. Das lässt der Stadtparteivorsitzende der SPÖ Klosterneuburg nicht auf sich sitzen: „Den Herrn Pitschko möchte ich eindrücklich daran erinnern, wer die erste Beitragssenkung innerhalb der AUVA auf den Weg gebracht hat: Das war die Regierung Kurz unter der FPÖ-Sozialministerin Hartinger-Klein.“

„Bis zur Übersiedlung im Jahr 2026 wird der Betrieb am Weißen Hof im Sinne der Patienten weitergeführt.“ Aus der Anfragebeantwortung des Ministeriums

Mit weniger Geld die gewohnten Leistungen aufrecht zu erhalten, stellt eine echte Herausforderung für die AUVA und somit den Weißen Hof dar. Obwohl von Einsparung am meisten die großen Konzerne profitieren sollen. „Kleine und mittlere Unternehmen profitieren davon kaum“, so Nationalrat Rudolf Silvan (SPÖ). Ein Tischlereibetrieb mit fünf Angestellten würde sich im Schnitt rund 150 bis 200 Euro pro Jahr, ein Konzern mit 1.000 Beschäftigen jedoch rund 30.000 bis 40.000 Euro pro Jahr sparen. „Gerade die kleinen und mittleren Betriebe sind aber jene, die auf die Rehabilitation ihrer Mitarbeiter durch die AUVA angewiesen sind. Diese sind heilfroh, wenn Arbeiter nach einem Arbeitsunfall möglichst rasch und bestmöglich rehabilitiert in den Betrieb zurückkehren können.“

Der nun vorliegende Absiedlungsplan ist das Ergebnis einer parlamentarischen Anfrage der SPÖ an die Sozialministerin der Übergangsregierung, Brigitte Zarfl. „Bis zur Übersiedlung im Jahr 2026 wird der Betrieb am Weißen Hof im Sinne unserer Patientinnen und Patienten weitergeführt“, ist in der Beantwortung zu lesen. Das wollen die Arbeitnehmer und Patienten nicht so hinnehmen. 14.000 Unterschriften, die bis dato gegen eine Verlegung gesammelt wurden, belegen das.

„Ein Riesenskandal, wenn dieses tolle, mitten im Grünland liegende Reha wirklich ins zubetonierte, düstere Meidling mit Platzmangel und schlechter Luft übersiedeln sollte“

Erste Gehversuche: Nach einem schweren Autounfall verbrachte der bekannte Magier Toni Rei 13 Monate am Weißen Hof.
privat

Auch prominente Künstler, wie der Magier und Zauberer Tony Rei, der nach einem schweren Autounfall im Jahre 1988 über 13 Monate am Weißen Hof verbrachte und nur durch die fürsorgliche Versorgung des Weißen Hofs wieder seinen Beruf ausüben konnte.

„Ein Riesenskandal, wenn dieses tolle, mitten im Grünland liegende Reha wirklich ins zubetonierte, düstere Meidling mit Platzmangel und schlechter Luft übersiedeln sollte“, wettert Toni Rei. Außerdem sehe man direkt zum Meidlinger Friedhof hinab. Das sei für schwerkranke Patienten nicht sehr motivierend.

Unter der Leitung von Primarius Karl Schrei, mit knapp 100 Prozent Auslastung, seien Therapie-Werkstätten, wo man mit Ton arbeiten oder töpfern, weben, flechten, tischlern und schmieden konnte, geschaffen und erweitert worden. Nicht zum Zeitvertreib, sondern um die Motorik wieder zu erlangen und etwas Eigenes zu schaffen. „Jedes fertige Werkstück war für mich ein Erfolgserlebnis, ein weiteres Ziel und eine Bestätigung, um wieder gesund zu werden. Einen Tonaschenbecher, eine Blumenampel, mein Shirt, ein Tiffany-Fenster und ein Kaminbesteck zeige ich heute noch stolz her, welche ich damals mit starker Behinderung geschaffen habe“, erzählt Toni Rei. Das gäbe es jetzt nicht mehr.

Und der Magier kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus: „Um den Weißen Hof herum sind Wiesen, Wälder, eine Therapiegärtnerei, ein Sportplatz, und sobald man das Fenster öffnet, hat man frische, gesunde und saubere Luft. Das alles gibt es in Meidling nicht, dafür ist auch kein Platz vorhanden.“ Wer immer sich für den Standortwechsel so vehement einsetze, begehe ein Verbrechen an den zu pflegenden kranken, behinderten Menschen.