Nachbar bestätigt: „Strache wohnt schon in Weidling“. Nachbarn glauben, dass Straches Lebensmittelpunkt in Weidling ist.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 29. Juli 2020 (04:39)
Weidling oder Wien? Eine Debatte um den Wohnsitz von HC Strache ist entfacht. Die Reaktion: Auf Facebook postete der Politiker am Sonntag Fotos mit Wiener Nachbarn.
APA/Georg Hochmuth

Man sieht ihn gelegentlich beim Einkauf, sonst ist es in Klosterneuburg eher ruhig um Heinz-Christian Strache. Bis jetzt: Vor der Wien-Wahl im Herbst entfacht eine Debatte um den Wohnsitz des Listen-Politikers und früheren FPÖ-Obmanns – und die rückt den Nebenwohnsitz in Weidling in den Fokus. Wo hat Strache seinen Lebensmittelpunkt – im dritten Bezirk, wo der Hauptwohnsitz gemeldet ist, oder in Klosterneuburg?

„Ich weiß nicht, wie Lebensmittelpunkt definiert wird“, hält ein Nachbar aus Weidling (Namen der Nachbarn der Redaktion bekannt) fest. Aber: „Aus meiner Sicht wohnt er schon da, und ich schätze, dass er den größeren Teil der Freizeit in Klosterneuburg verbringt.“ Nach Ibiza, als Strache nicht politisch tätig war, war er – so der Nachbar – meist in Weidling. Und jetzt: „Man sieht ihn regelmäßig, man sieht ihn viel.“ Man höre ihn – Strache – sogar reden oder husten.

„Wir konzentrieren uns auf andere Dinge, nämlich das Sammeln von Unterschriften, und das schaffen wir mit Ende Juli.“ Roland Hofbauer, Sprecher Team Strache

Die Schwiegermutter sei oft zu Besuch – zum Babysitten, vermutet der Nachbar. Er kann beobachten, dass das Haus in Weidling bewohnt ist: „Das Auto steht vor der Tür.“ Apropos Wagen: Früher war es ein Chauffeur, der Strache zwischen Wien und Weidling herumkutschierte, erinnert sich der Nachbar: „Der Chauffeur stand permanent in der Kreuzung.“

„Die Chauffeure hat man oft gesehen, jetzt nicht mehr“, bestätigt ein zweiter Weidlinger. Auf der Straße habe er Strache immer wieder mal getroffen, aber „er geht ja nicht fort in Klosterneuburg.“ Und: „Ich weiß, dass er eine Wohnung in Weidling gemietet hat. Ob er rund um die Uhr da ist, kann ich nicht beurteilen.“

Das sei nicht der Fall, betont Roland Hofbauer, Sprecher der Partei „Team HC Strache – Allianz für Österreich“: „Der familiäre, private, politische und im Freizeitleben stattfindende Lebensmittelpunkt ist ganz klar Wien und somit der dritte Bezirk.“ Einzig der Geschäfts- und Nebenwohnsitz sei in Weidling. Hofbauer: „Wir konzentrieren uns auf wichtigere Dinge, nämlich darauf, die notwendigen Unterschriften zu sammeln, und das schaffen wir mit Ende Juli.“ Grundsätzlich beschäftige sich das Team nicht mit „Anpatzereien linker Kleinstparteien“. Damit gemeint: die Partei Wandel, die Strache vorwirft, gegen das Meldegesetz zu verstoßen.

„Der familiäre, private, politische und im Freizeitleben stattfindende Lebensmittelpunkt ist ganz klar Wien und somit der dritte Bezirk.“

In einer Aussendung begründete Wandel vergangene Woche, warum Strache ihrer Ansicht nach, nicht berechtigt sei, für die Wien-Wahl anzutreten: „HC Strache wohnt gemeinsam mit seiner Frau, Kind und Hunden seit 2013 in Klosterneuburg. Zahlreiche Zeitungsberichte, Homestories und eine Firmenanmeldung belegen das. Wir gehen davon aus, dass er sich zum Schein in Wien gemeldet hat, damit er hier kandidieren kann.“

Das muss die Magistratsabteilung 62 entscheiden: Die Wahlbehörde prüft derzeit die Hauptwohnsitzmeldung aller Kandidaten routinemäßig. Straches Prüfung gehe aber über die übliche Routine hinaus. MA62-Leiterin Christine Bachofner erklärt die Vorgehensweise gegenüber der APA: „Der Betroffene wird mit der Sachverhaltsdarstellung konfrontiert, ihm wird Parteiengehör gewährt, und er kann Beweismittel vorlegen.“ In dem Verfahren gibt es übrigens nur eine Person, die Parteistellung hat, nämlich der Betroffene, Strache, selbst.

Vergangene Woche hat „Die Presse“ Auszüge aus einer angeordneten Hausdurchsuchung in der Wiener Wohnung veröffentlicht – demnach gab die Mutter an, dass ihr Sohn dort nicht wohnhaft sei. Die Exekutivbeamten sind daraufhin, so „Die Presse“ nach Klosterneuburg gefahren, um den Weidlinger Wohnsitz zu durchsuchen.

Übrigens: Nebenwohnsitze in der Babenbergerstadt sind beliebt. Klosterneuburg zählt 27.274 Einwohner, weitere 6.665 haben einen Nebenwohnsitz in der Stadt (Quelle: STEK).