Der Tag, an dem die Sonne verschwand. Wienerstraße 124 / Neubau in Klosterneuburg stellt gesamten Garten einer Anrainerfamilie in den Schatten. Verfahren geht in nächste Instanz.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 18. Juni 2014 (08:20)
Die Gartenidylle wird durch den Neubau in der Wienerstraße 124 künftig wohl ohne direktes Sonnenlicht auskommen müssen. An dieser Stelle entsteht laut Plan eine Mauer. Foto: Martin Gruber-Dorninger
NOEN, Martin Gruber-Dorninger
Die Wiener Straße ist und bleibt Thema. Die NÖN sah sich die Situation vor Ort an, um den Aufschrei der Anrainer beurteilen zu können.

„Hat mit dem Schutzzonenplan nicht viel zu tun“

Die Reihenhaussiedlung gehörte einst zu den ersten in Klosterneuburg. Der damalige Architekt Weigl versuchte mit seinen Bauten ein einheitliches Bild zu schaffen und auch die Fassaden dementsprechend zu gestalten. Auf einer Seite der Reihenhaus-Zeile blieb ein Loch, und dieses gilt es nun seitens der Gemeinde zu stopfen.

„Die Infrastruktur ist dort vorhanden, der Ruf nach leistbaren Wohnungen wird auch immer lauter, also sollten diese Baulücken geschlossen werden“, begründet Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager.

Bleibt noch die Frage: Wie schließt man diese Lücken? Ein Bauträger fand sich, um sich dieses Problems anzunehmen, und reichte fristgerecht, vor dem von der Stadtgemeinde Klosterneuburg verhängten Baustopp, Pläne ein. Die Pläne sind dem NÖN-Leser hinlänglich bekannt.

Zum einen scheint die Fassade nicht homogen mit jenen der Reihenhäuser, außerdem überragt das entstehende Bauwerk die bestehenden um einige Meter. „Das hat mit dem Schutzzonenplan der Stadtgemeinde nicht viel zu tun“, beschwerte sich Stadtrat Josef Pitschko.

„Das Dach ist so geplant, dass Sonnenlicht auf das Hauptfenster fällt, vergleichbar mit den Schießscharten einer Burg“
Josef Pitschko, Stadtrat (FP)

Den größten Streitpunkt dürfte aber die Länge des Neubaus bilden. Der Garten einer Anrainerfamilie wird praktisch von der Sonne abgeschnitten. Über die gesamte Länge hinweg wird eine Mauer stehen, die über 15 Meter hoch ist.

Das Gesetz beinhaltet zwar das Recht auf Tageslicht, allerdings nur für das Hauptfenster des Gebäudes. „Der Bauträger ist hier sehr geschickt vorgegangen. Das Dach ist so geplant, dass tatsächlich Sonnenlicht auf das Hauptfenster fällt, allerdings kann man das vergleichen mit Schießscharten einer Burg“, ereifert sich Pitschko.

Die Anrainer beeinspruchten den Bescheid der städtischen Baubehörde, weshalb das Verfahren nun in die nächste Instanz, den Landesverwaltungsgerichtshof, geht (die NÖN berichtete).