Biblischer Opernstoff im Stift Klosterneuburg. „Die Königin von Saba“ soll in Klosterneuburg aufgeführt werden.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 22. März 2019 (04:15)
Hans A. Rosbach
Im weltberühmten Verduner Altar ist die Königin von Saba dargestellt. Carl Goldmark hat über diese biblische Gestalt eine Oper geschrieben, die 1875 in Wien uraufgeführt wurde und im Herbst in Klosterneuburg aufgeführt werden soll.

„Die Königin von Saba“, Carl Goldmarks Meisterwerk, wurde seit 15. Dezember 1937 in Wien nicht mehr szenisch aufgeführt. Bis zum Nationalsozialismus war sie eine der am häufigsten aufgeführten Opern, an der Wiener Hofoper mit 275 Aufführungen.

Das Publikum bejubelte sie als „Hofoper der Habsburger Monarchie“ oder „jüdische Nationaloper“, trotz heftiger Schelte der Fachkritik, die ihren „orientalisch-jüdischen Charakter“ (Eduard Hanslick) schmähte oder das Libretto als „Blödsinn, der sich selbst parodiert“ (Ludwig Speidel) abkanzelte.

Ganz zu Unrecht, meinen die Proponenten des Kulturvereins Opernaufführungen Königin von Saba. Denn Goldmarks Klang- und Melodien-Reichtum könne sich mit dem von Verdi- und Puccini-Opern messen.

Leonard Bernstein habe es laut Marcel Prawy bedauert, Goldmarks „Königin von Saba“ in Wien nie dirigiert zu haben.


Ihre Handlung verfüge über „das Potenzial einer Friedensoper zum Nahostkonflikt“ und zu einer „Kultoper der Geschlechterbeziehungen“, mit europäisch-afrikanischer Partnerschaft als dritter Dimension.

Innovatives Bühnenbild, neues Regiekonzept

Diese höchst aktuellen Themen will die Aufführung des seit 1980 bestehenden pianopianissimo musiktheaters unter Leitung von Peter P. Pachl (Intendant der Berliner Symphoniker) in Szene setzen – und zwar in Klosterneuburg. Auch einen Termin gibt es schon: am 12. September soll die Premiere in der Stiftskirche stattfinden.

Die Stiftskirche von Klosterneuburg, wo Anton Bruckner gern musizierte, eigne sich besonders für den biblischen Kontext der Oper in Salomos Tempel und Palast, findet Konrad Melchers vom Kulturverein: „Mit unserem Projekt in der Stiftskirche Klosterneuburg wollen wir nicht nur Carl Goldmark ehren, sondern auch den selbstkritischen Wunsch des großen Bernstein endlich erfüllen.“

Interessantes Detail: Im Verduner Altar ist die Königin von Saba zum ersten Mal überhaupt mit dunkler Hautfarbe dargestellt.

Der Hamburger Komponist Steven Tanoto hat die Partitur entsprechend den räumlichen Möglichkeiten in der Stiftskirche neu arrangiert. Die Inszenierung verwendet Video-Projektionen des Bühnenbildners und Videokünstlers Robert Pflanz.

Die Solisten der Inszenierung: Nadja Korovina als Königin von Saba, Rebecca Broberg als Sulamith, Hans-Georg Priese als Assad und Axel Wolloscheck als Salomo. Die „Donau Philharmonie Wien“, 2004 gegründet und dirigiert von Manfred Müssauer, stellt Orchester und Chor. Das Ensemble veranstaltet seit 2015 das Sommerfestival „Musikwelten“.

Prominente Ehrenschützer konnten für den Ehrenschutz gewonnen werden: Propst Bernhard Backovsky, Außenministerin Karin Kneissl, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Jean Rosston (Urgroßnichte von Carl Goldmark), Peter C. Goldmark Jr. und Andrew Goldmark (Urgroßneffen von Carl Goldmark), Asfa-Wossen Asserate (Großneffe von Kaiser Haile Selassie I von Äthiopien), Karl Habsburg-Lothringen und Bezirkshauptmann Andreas Riemer.