Die Siedler entscheiden. Strombad / Schlammbeseitigung und Pachtnachlass ist Dauerthema in Kritzendorf. Gibt es eine Vertragsverlängerung? Die NÖN bat Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager zum Gespräch.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 21. Mai 2014 (08:42)
NOEN
Bürgermeister Schmuckenschlager sieht einer Vertragsverlängerung mit der Strombadsiedlung entgegen.
KLOSTERNEUBURG | Der Artikel „Zank rund um den Pachtnachlass“ in der letzten NÖN hat viel Staub aufgewirbelt. Das Stift Klosterneuburg gewährte der Stadtgemeinde als Generalpächter der Siedlung im Strombad Kritzendorf einen Pachtnachlass. Dieser Nachlass – etwa 25.000 Euro – gibt die Stadtgemeinde den Siedlern nicht weiter, sondern reduziert damit ihren Anteil von 50 Prozent der Schlammbeseitigungskosten nach der Hochwasserkatastrophe 2013. Diese Vorgangsweise ist einigen Siedlern nicht schlüssig. Von einem Konflikt mit der Stadtgemeinde wollen die Verantwortlichen des Vereins „Donausiedlung Kritzendorf“ allerdings nichts wissen (siehe Leserforum Seite 20). Die NÖN bat Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager zu einem klärenden Gespräch. Fakt ist, dass den Siedlern die Schlammbeseitigung derzeit nicht verrechnet wird, denn die Stadtgemeinde und der Siedlerverein haben eine Klage gegen die Kraftwerksbetreiber in dieser Causa eingereicht.

NÖN: Herr Bürgermeister, wer hat nun einen finanziellen Vorteil von der Änderung der ein-Drittel/ zwei-Drittel-Regelung zur 50:50-Regelung? Die Stadtgemeinde oder die Siedler?

Schmuckenschlager: Eine einfache Milchmädchenrechnung kann man in diesem Fall nicht anstellen. Definitiv haben die Siedler eine deutliche Erleichterung durch die Kostenübernahme der Stadt. Der Aufwand der Stadt ist bei Weitem nicht durch den Pachtnachlass gedeckt.


Warum ist die Stadtgemeinde in der Strombadsiedlung Generalpächter und in den anderen
Donausiedlungen nicht?

Schmuckenschlager: In der Strombadsiedlung pachtet die Stadtgemeinde ebenso wie im Strandbad, selbst große Allgemeinflächen wie etwa Sportplätze oder das Freibad. Die einheitliche Verwaltung hat sich daher in diesen Bereichen als beste Lösung erwiesen.


Ist die Generalpacht in Kritzendorf wirtschaftlich für die Stadtgemeinde gewinnbringend?

Schmuckenschlager: Die Pacht ist so bemessen, dass der Betrieb, die Investitionen und die Verwaltung abgedeckt sind. Die Schadenssummen aus Hochwasserjahren wie 2013 können nur sehr langfristig
ausgeglichen werden.

Was hat der Stadtgemeinde – und somit dem Steuerzahler – das Hochwasser 2013 eigentlich gekostet?

Schmuckenschlager: Beide Bäder, das Strombad Kritzendorf und das Strandbad Klosterneuburg, kosteten der Stadtgemeinde im Hochwasserjahr — abzüglich der Förderung des Katastrophenfonds und der Einnahmen durch die Pächter — rund 350.000 Euro. Dabei muss man sagen, dass der wesentlich größere Teil davon auf das Strombad Kritzendorf entfällt.

Der Vertrag mit den Strombadsiedlern läuft mit Ende des Jahres 2014 aus. Werden Sie den Vertrag verlängern?

Schmuckenschlager: Wir setzten auf eine langfristige Durchrechnung. Diese zeigt, dass die Aufwendungen für die beiden Bäder ausgleichbar sind, daher bereiten wir uns auf eine Vertragsverlängerung vor. Sollte seitens der Siedler aber eine Mehrheit gegen eine Verlängerung sein, wird die Stadtgemeinde dem sicher auch nicht im Wege stehen.

Schlammabrechung alt und neu

Gesamtkosten  100.000
Alte Regelung:
1/3 Stadtgemeinde  33.333
2/3 Siedler 66.666

Neue Regelung:
1/2 Stadtgemeinde 50.000
abzügl. Pachtnachlass 25.000
Beitrag Stadtgemeinde 25.000

1/2 Siedler 50.000

Ersparnis Stadtgemeinde 8.333
Ersparnis Siedler 16.666
 Zahlen in Euro; gerundet