Die Sprache der Musik. Bariton Viktor Rud im NÖN-Gespräch | Klosterneuburgs Herr Fluth meint: "Theater ist eine der schönsten Erfindungen der Menschheit." Und kann sich vorstellen, wieder am Pult zu stehen.

Erstellt am 24. Juli 2013 (12:18)
NOEN, Viktor Rud
Seit 2009 Ensemblemitglied der Staatsoper Hamburg, auf den Bühnen der Welt gastiert: Viktor Rud, Klosterneuburgs »Herr Fluth«.
KLOSTERNEUBURG | Er ist seit 2009 Ensemblemitglied der Hamburgischen Staatsoper, in der Ukraine geboren, hat ursprünglich in Kiew Dirigieren studiert, dann Gesang an der Royal Academy of Music in London: Viktor Rud, in Klosterneuburg derzeit als Herr Fluth in Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ im Einsatz, im NÖN-Gespräch.

Es war im Jahr 2007, als Rud nach Deutschland übersiedelte und Mitglied im von Daniel Barenboim gegründeten Internationalen Opernstudio an der Staatsoper Berlin wurde. Unter Barenboim sang er den Mr. Astley in Prokofjews „Spieler“. Im Sommer 2008 war er beim Montblanc Young Singers Project bei den Salzburger Festspielen mit dabei, ein Jahr später war der Bariton bereits als Solist in Hamburg. Dort sang er bisher unter anderem den Figaro im „Barbier von Sevilla“, den Almaviva in der „Hochzeit des Figaro“ oder den Falke in der „Fledermaus“. In der kommenden Saison debütiert er als Fernando in Händels „Almira, Königin von Kastilien“, als Marcovaldo in Verdis „La battaglia di Legnano“ und als Ned Keene in Brittens „Peter Grimes“. Außerdem gibt Rud einen Abend mit Liedern von Franz Liszt, die der Komponist Aribert Reimann eigens für ihn mit Streichquartett arrangiert hat.
Als Gast, unter anderem mit Barenboim und dessen East-West Divan Orchestra war Rud bereits bei den BBC Proms in der Royal Albert Hall in London, an der Mailänder Scala, in Sevilla, Hannover, Leipzig, Graz und Dresden engagiert. Er hat etliche Preise ersungen, darunter so renommierte wie jene der Marilyn Horne Foundation, den William Matheus Sullivan Preis, den „Opera Rara Bel Canto“-Preis sowie beim Internationalen Mozart-Wettbewerb.

NOEN, Lukas Beck
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NÖN: Sehen Sie – als ausgebildeter Dirigent – Dirigenten besonders kritisch?
Rud: Im Gegenteil, ich fühle mich solidarisch. Wir sprechen ja alle dieselbe Sprache der Musik. Aber meine Ausbildung bietet mir ein gutes Rüstzeug für die Vorbereitung einer Rolle.

Wie sind Sie zum Singen gekommen?
Mit acht Jahren habe ich in einem Chor begonnen. Mit 13 habe ich in einer Aufführung von Gian Carlo Menottis „Amahl und die nächtlichen Besucher“ die Hauptrolle gesungen. Später, unter anderem bei einer Meisterklasse für junge Dirigenten in Canterbury in England, hat man meine Stimme entdeckt.

Wie geht es Ihnen in Klosterneuburg?
Wir sind alle sehr dankbar, hier zu sein, und fühlen uns herzlich willkommen. Ich sage das ehrlich und nicht nur aus Höflichkeit. Ich wohne auch hier in Klosterneuburg und bin gerne in Österreich. Wien ist eine wunderbare Stadt. Und im nächsten Sommer singe ich in Innsbruck bei den Festwochen der Alten Musik.

Muss man bei einer Freiluftaufführung ohne Verstärkung stimmlich forcieren?
Forcieren sollte man nie. Für mich ist es hier in Klosterneuburg eine Open-Air-Premiere, und die Akustik ist ausgezeichnet.

Können Sie sich vorstellen, einmal die musikalische Leitung bei einer Produktion zu übernehmen?
Ja, vielleicht später einmal. Man weiß nie, was in der Zukunft passiert. Mein Wunsch ist es, immer Musik auf hohem musikalischen Niveau machen. Theater ist ja eine der schönsten Erfindungen der Menschheit.