Krise macht den Nikolaus in Klosterneuburg kreativ. In den Katastralgemeinden ist der Nikolausbrauch ein fixer Bestandteil der Adventzeit, den man sich auch vom Coronavirus nicht nehmen lässt.

Von Thomas Török. Erstellt am 02. Dezember 2020 (04:00)
Der Nikolo bringt auch in Zeiten von Corona Gaben
APA (dpa)

So viele Katastralgemeinden Klosterneuburg hat, so viele verschiedene, kreative Zugänge wurden in den letzten Wochen entwickelt, um den Kindern in den Ortschaften eines ihrer freudvollsten Ereignisse im ganzen Jahr nicht vorenthalten zu müssen. Dass die Bundesregierung zu dem Beschluss gekommen ist, dass dieses wichtige und traditionsreiche Brauchtum trotz des Lockdowns stattfinden soll, und somit eine Ausnahmeregel für die Ausgangsbeschränkungen schuf, bietet dafür die notwendige Grundlage.

Der Nikolo mit dem Sicherheitsabstand

Mit welchen Methoden man in den jeweiligen Gemeinden die Umsetzung des Nikolobesuches im Einklang mit den geltenden Sicherheitsmaßnahmen geplant hat, zeugt von einem hohen Maß an Kreativität und Engagement. Die Kinder in den Ortschaften rund um Klosterneuburg können also froh und munter sein, und sich recht von Herzen freuen!

„Die Kinder müssen nicht auf diesen lieb gewonnenen Brauch verzichten.“ Christian Jochum, Pfarrgemeinderat Kritzendorf

In der Kritzendorfer Pfarre lässt man die Kinder am Sonntag, den 6. Dezember, zwischen 14 und 17 Uhr in der Kirche von St. Vitus ihre Geschenkssackerl vom Nikolaus abholen. Um eine Ansammlung von zu vielen Menschen zu vermeiden, gibt es keine fixe Zeit, die Kinder können aber innerhalb dieses Zeitrahmens kommen, um ihr Nikolo-Sackerl zu holen.

Es gibt ein Einbahnsystem beim Betreten und Verlassen der Kirche, und die Besucher werden gebeten, einen Abstand zu anderen Personen einzuhalten und einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Die Kirche ist zudem gut gelüftet. Weil der Nikolo drei Stunden in der Kirche anwesend ist, hat er auch mehr Zeit zum Zuhören, zum Loben und Ermahnen. „Die Kinder müssen nicht auf diesen lieb gewonnenen Brauch verzichten, nachdem sogar in der letzten Covid-Verordnung eine eigene Ausnahme für den Nikolo eingefügt worden ist. Der Ablauf ist heuer halt etwas anders, mit Hausverstand und Vorsicht“, so Christian Jochum vom Pfarrgemeinderat.

Sackerl und Brief mit Gedicht vor der Tür

In Maria Gugging sind es neben der Pfarre die Kinderfreunde, die einen Besuch des Nikolos traditionellerweise organisieren. Ihr Nikolaus bringt den Kindern heuer die Sackerl vor die Haustür. Ein goldener Brief mit einem Gedicht vom Nikolaus liegt dem bei.

„Aufgrund der vielen negativen Eindrücke, die die Kinder dieses Jahr miterleben mussten, war es uns ein Anliegen, ihnen zumindest auf diese Weise etwas Trost zu spenden“, erzählt Obfrau Stefanie Weber. Heuer verzichten die Kinderfreunde übrigens auf den üblichen, kostendeckenden Beitrag für Nikolaussackerl, den sie normalerweise von Nichtmitgliedern einheben. „Unser Hintergedanke dabei ist, dass wir jedem Kind, das für die Verteilung angemeldet wurde, ein Lächeln ins Gesicht zaubern möchten. Gerade in Zeiten wie diesen soll sich keine Familie Gedanken machen müssen, ob sie sich ein Nikolaussackerl leisten können, oder nicht“, so Weber weiter.

Der moderne Nikolo im Zoom-Call

Die Pfadfinder sind in Weidling diejenigen, die die Tradition des Nikolausbesuches zelebrieren. Felix Zalcmann, der seit Jahren am 6. Dezember die Robe trägt, hat sich von den Neuen Medien inspirieren lassen: „Wir bieten den Kindern heuer eine Zoom-Konferenz mit dem Nikolaus übers Internet an.“

Nachdem die Kinder die Gelegenheit hatten, mit dem Nikolaus über die Webcam zu plaudern, liefert Zalcmann die Sackerln vor der Haustüre ab. „Es wäre nicht anders realisierbar gewesen, zumal ich als Nikolo von einem Fahrer abhängig gewesen wäre, der mich herumkutschiert. Mit der Abstandsregel ist das aber nicht möglich“, so Zalcmann. In den Kindergarten kommt der Nikolaus in Weidling übrigens am 8. oder 9. Dezember. Er wird die Kinder im Atrium von unten begrüßen, die ihm von oben herabwinken können.

An originellen Ideen fehlt es in den Katastralgemeinden also nicht, wie man den Kindern auch in Corona Zeiten die Vorfreude auf den Nikolaus bewahren kann. Ob auch unter die Krampusmaske noch ein Mund-Nasenschutz passt, wird sich zeigen.

Umfrage beendet

  • Begrüßt ihr die Ausnahme für Nikolaus-Besuche im Corona-Lockdown?