Erstellt am 21. November 2012, 08:07

Endgültiger Abschied der Pioniere. Abschied nehmen | Klosterneuburg ist die älteste Pioniergarnison Österreichs. Den Titel muss die Stadt jetzt aber ablegen.

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KLOSTERNEUBURG | Sie fördern die Bewegung der eigenen Truppe, hemmen die Bewegungen des Gegners. Dazu sind sie mit bautechnischen Hilfsmitteln ausgerüstet und entsprechend ausgebildet. Die Rede ist von den österreichischen Pionieren. In Klosterneuburg werden sie schon seit 245 Jahren ausgebildet.
Begonnen hat es im Jahr 1763, als in Klosterneuburg eine Schiffswerft erbaut wurde und 1766 die stationierten Pontoniere (zum Brückenschlagen bestimmte Pioniere) ihr Quartier im heutigen Martinschloss bezogen. 22 Jahre später zog das Pontonierbataillon in die Markgasse. Dort befinden sich heute Wohnbauten der Stadtgemeinde, alleine der „Pontonierweg“ erinnert noch daran.
Während der Napoleonischen Kriege wurde Klosterneuburg 1805 besetzt, und die Pontonierkaserne wurde zum französischen Kriegsspital.

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Mit Magdeburg gegen Napoleon

Hauptmann Friedrich Freiherr von Magdeburg (1784 bis 1810) zerstörte 1809 mit seinen Truppen eine französische Donaubrücke und trug damit wesentlich zum Sieg über Napoleon Bonaparte in der Schlacht bei Aspern bei.
Immer mehr Truppen wurden in Klosterneuburg stationiert, und somit wurde am 16. August 1849 in der heutigen Leopold-straße (früher Leopoldgasse) die große Pionierkaserne bezogen. Hier wurden Pioniere und Pontoniere zusammengefasst. Die Kaserne war über 100 Jahre lang ein architektonischer Kontrapunkt zum Neustift. Im Jahr 1990 wurde die Kaserne abgetragen und an dessen Platz die Bezirkshauptmannschaft Wien-Umgebung, eine Postfiliale und Wohnungsbauten errichtet.

Magdeburg-Kaserne wird besiedelt

Am 20. September 1956 besiedelten die Truppen die Magdeburg-Kaserne, die ehemalige Technische Zeugsanstalt, als zentrale Ausbildungsstätte für eine einheitliche Ausbildung.
In die am 13. Juli 1959 frei gewordene Marinekaserne in der Kuchelau wurde die Lehrabteilung der Pioniere verlegt.
Der erste Garnisonball wurde am 8. Februar 1964 von der Magdeburg-Kaserne ausgerichtet. Er war ein großer Erfolg und für viele Jahre eines der bedeutendsten gesellschaftlichen Ereignisse in Klosterneuburg.
In dem großen Hochwasser 2002 bildeten die Pioniere eine 90 Mann starke Assistenzkompanie. Allerdings nur ein kleiner Teil davon half, das Gewerbegebiet mit Sandsäcken vor der Überflutung zu schützen. Der größere Teil half vor allem im Gebiet Amstetten.
Die größte Aufgabe der Magdeburg-Kaserne war immer die Aus- und Fortbildung von Offizieren, Unteroffizieren und dem Kader (militärische Vorgesetzte).

„Natürlich ein schwerer Schritt“

Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager fällt der Abschied nicht gerade leicht: „Wenn eine Institution fast ein Vierteljahrtausend eine Stadt geprägt hat, ist eine Verabschiedung natürlich ein schwerer Schritt. Die Pioniere haben die Stadt Klosterneuburg immer behütet und waren in Krisenfällen für die Bevölkerung da. Über die Jahre sind die Truppen allerdings immer kleiner geworden, und so hat es bis zur endgültigen Absiedlung nicht mehr lange gedauert.“ Das Stadtoberhaupt wagt auch einen Blick in die Zukunft: „Die Stadtgemeinde kann jetzt nur noch daran arbeiten, das leer stehende Kasernengelände positiv für die Gemeinschaft zu nutzen.“
Alle, die Interesse an den Gerätschaften und Militärzeitschriften sowie Büchern über das Bundesheer haben, können sich diese in der Lehrsammlung des Instituts Pionier der Heerestruppenschule anschauen.
Die Lehrsammlung befindet sich in der Magdeburg-Kaserne, Magdeburggasse 9, und ist donnerstags von 8 bis 15. 30 Uhr für Besucher geöffnet. Der Eintritt ist frei, denn die von Vize-Leutnant i.R. Adolf Krenn und Vize-Leutnant der Reserve Carl Kohoudek gegründete Lehrsammlung wird teilweise von Spenden und dem Institut Pionier der Heerestruppenschule gefördert.


Abschiedsfest
Am Donnerstag, 22. November, werden die Pioniere der Kaserne Klosterneuburg nach 245 Jahren feierlich verabschiedet.

• 15 Uhr: Informationsschau der Pioniertruppe am Rathausplatz

• 17 Uhr: Platzkonzert der Militärmusik NÖ am Rathausplatz

• 18 Uhr: Ansprachen, Flaggenparade, Großer Österreichischer Zapfenstreich am Stiftsplatz

Anschließend Bewirtung aus der Gulaschkanone.

Achtung: Der Rathausplatz wird im Bereich vor dem Rathaus und der Babenbergerhalle bis zum Rathauspark am Donnerstag, 22. November ab 12 Uhr für den Verkehr gesperrt.