Gemeinsam für mehr Gleichheit in Klosterneuburg. Seit 22. Oktober arbeiten Frauen „gratis“. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist dabei ein wichtiges Kriterium.

Von Victoria Heindl. Erstellt am 28. Oktober 2020 (03:42)
Werner Rochlitz setzt sich als Regionalsekretär NÖ der GPA für die Rechte der Frauen ein.
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Werner Rochlitz setzt sich als Regionalsekretär NÖ der GPA für die Rechte der Frauen ein.
privat

Seit 22. Oktober arbeiten Frauen in Österreich gratis – zumindest im Verhältnis zu den Männern gesehen. Denn da „feierte“ Österreich den „Equal Pay Day“. Das heißt, dass ab diesem Tag Frauen in Vollzeit aufs Jahr hochgerechnet gratis arbeiten, weil sie – noch immer – um 19,3 Prozent weniger verdienen als Männer. Das sind umgerechnet 71 Tage. Damit sich diese Einkommensschere schließt, arbeiten viele engagierte Menschen. Zwei davon sind die Klosterneuburger Frauenstadträtin Maria Theresia Eder und der Klosterneuburger Werner Rochlitz, Regionalsekretär NÖ bei der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA).

Doch was muss sich noch ändern, damit Frauen und Männer in Gehaltsfragen gleichgestellt werden? „Drei Dinge sind aus meiner Sicht unausweichlich: Erstens ist eine Transparenzkultur der Gehälter notwendig. So lange jede und jeder das Gehalt als Staatsgeheimnis betrachtet, ist es für die Dienstgeber einfach. Verschwiegenheitsklauseln in Arbeitsverträgen über das eigene Gehalt sind rechtlich nicht bindend. Zweitens sind gerade jene Branchen schlecht bezahlt, die einen hohen Frauenanteil aufweisen. Drittens brauchen wir mehr Kinderbetreuung, um die Teilzeitarbeit zu reduzieren“, erklärt Rochlitz.

Ausbau der Kinderbetreuung

Auf Gemeindeebene macht sich Frauenstadträtin Maria Theresia Eder für Frauen stark.
NÖN

Diese Meinung teilt auch Eder. Neben mehr Einkommenstransparenz fordert sie auch den weiteren Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen. Und genau hier kann auch die Politik auf Gemeindeebene einwirken. „Wir haben hier schon ein gutes Netz in Klosterneuburg, aber müssen uns da natürlich noch weiter engagieren“, so Eder. Denn nur wenn man als Frau ein entsprechendes Netzwerk habe, könne man auch die Chancen, die sich bieten, nützen.

Diese Vereinbarkeit wurde in den letzten Jahren auch politisch forciert und gestärkt. Die Elternteilzeit und die Väterbeteiligung haben da schon einiges vorangebracht.

Elternteilzeit ist großer Erfolg für die Frauen

„In den letzten Jahren konnten wir für die Mehrzahl der Angestellten die Anrechnung von Karenz- und Mutterschutzzeiten durchsetzen. Für Handelsangestellte sogar seit 2019 zwei Jahre pro Kind. Das bedeutet, dass Frauen auch während der Karenz Anspruch auf Gehaltserhöhung erwerben, hier wird eine Lücke geschlossen, die selbst bei völlig gleicher Entlohnung entstanden ist. Ein großer politischer Erfolg war die Elternteilzeit. Hier können Frauen kündigungsgeschützt Lage und Ausmaß ihrer Arbeitszeit bestimmen“, freut sich Rochlitz über diese Verbesserungen für Frauen in der Berufswelt.

„Mein Eindruck ist, dass prinzipiell die Chancen besser geworden sind. Gut ausgebildete Frauen werden gebraucht.“ Frauenstadträtin Maria Theresia Eder

Dass die Chancen für Frauen trotz aller Ungleichheiten, die es noch immer gibt, dennoch besser geworden sind, freut auch Frauenstadträtin Eder: „Mein Eindruck ist, dass prinzipiell die Chancen besser geworden sind. Gut ausgebildete Frauen werden gebraucht.“ Gerade der Bund hat da eine Vorreiterrolle in Sachen Gleichstellung. So gibt es dort bereits etwa 40 Prozent Frauenanteil in den Spitzenpositionen. In anderen Branchen sieht es schlechter aus.

Berufswahl ist mitentscheidend

Wie können junge Mädchen, die gerade am Anfang ihrer Berufslaufbahn stehen, ihre Chancen verbessern? „Zu allererst braucht man eine gute Ausbildung, um überhaupt Chancen nutzen zu können“, ist sich Eder sicher. Dazu komme noch die Partnerwahl, damit ein Gleichgewicht in der Familie entstehen kann. „Außerdem merke ich immer wieder, dass es sehr stark davon abhängt, welche Stelle man annimmt. Man kann zwar einen Job haben, der grundsätzlich sehr gute Möglichkeiten bietet, aber man, zum Beispiel, nach der Karenz doch keine Chance auf eine Beförderung bekommt“, möchte Eder darauf aufmerksam machen, dass man als Frau unbedingt schon beim Unterschreiben eines Dienstvertrages auf solche Klauseln achten muss, damit der „Equal Pay Day“ hoffentlich bald am 31. Dezember ist.