Workshop zu Geschichte: Als Nonnen im Stift Klosterneuburg lebten

Erstellt am 25. Juni 2022 | 05:31
Lesezeit: 3 Min
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Wissenschaftlicher Austausch beim internationalen Workshop über das Chorfrauenkloster in Klosterneuburg: Jeffrey Hamburger, Eva Schlotheuber, Christina Jackel, Stephan Müller.
Foto: Stift Klosterneuburg
Internationales Expertentreffen zur Erforschung des Chorfrauenklosters.
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Wo bis 1568 noch die Klosterneuburger Augustiner-Chorfrauen residierten, fand vor Kurzem ein internationaler Workshop unter dem Titel „Die swestern hye ze newburg in dem frawnkloster“ statt, der sich dieser heute fast in Vergessenheit geratenen Institution widmete.

Organisiert wurde das Treffen, an dem 38 Expertinnen und Experten aus Deutschland, Italien, der Schweiz, Spanien, den USA und aus Österreich teilnahmen, von der Stiftsbibliothek Klosterneuburg in Kooperation mit den Universitäten Düsseldorf und Wien. Finanzielle Unterstützung kam außerdem vom Land Niederösterreich.

Kloster war hoch angesehen – bis zum Ende des Mittelalters

Wissenschaftler und Akademiker aus den Fachbereichen Germanistik, Geschichte, Musikwissenschaft, Theologie und Kunstgeschichte beschäftigten sich im Zuge von Vorträgen sowie bei Workshops mit der Geschichte des Klosterneuburger Frauenkonvents, das als Teil eines Doppelklosters vermutlich gleichzeitig mit dem Männerkonvent im 12. Jahrhundert gegründet wurde.

Das Kloster war hoch angesehen, einige der Augustiner-Chorfrauen stammten aus hochadeligen Familien. Zur Blütezeit des Frauenklosters im 13. Jahrhundert wollten so viele Frauen in den Orden eintreten, dass sogar noch ein zweites Haus, St. Jakob, in der unteren Stadt gegründet wurde. Dieser Andrang ebbte gegen Ende des Mittelalters stark ab.

1568 verstarb die letzte verbliebene Chorfrau, das Stift wurde aufgelöst. 1722 wurde schließlich auch die Chorfrauenkirche entweiht, ihr Turm und auch einige der Konventsgebäude wurden abgetragen. Das ehemalige Kirchenschiff jedoch steht heute noch am Stiftsplatz und wird seither vom Weingut des Stiftes als Presshaus verwendet.

Hierzu wurde direkt am noch vorhandenen Quellenmaterial geforscht – Urkunden, Rechnungen sowie mittelalterliche Handschriften aus Archiv und Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg wurden unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet und durch das interdisziplinäre Publikum mit neuen Forschungsansätzen und -fragen bedacht.

Hauptaugenmerk lag dabei auf den Bereichen Germanistik, Geschichte, Liturgie und auf den Rechnungsbüchern, also der Buchhaltung des Konvents. Expertinnen und Experten aus verschiedenen Ländern teilten ihr Wissen, wodurch die Tagung maßgeblich zur Erforschung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Frauenklöster an sich beitrug.

Impuls zur Erforschung der Frauenklöster in Österreich

Begleitend zum Workshop fand ein öffentlicher Festvortrag im Binderstadl statt, für den Prof. Jeffrey Hamburger, Kunsthistoriker an der Harvard University und großer Kenner der österreichischen Klosterlandschaft des Mittelalters, gewonnen werden konnte. Prof. Hamburger referierte vor zahlreichen Interessierten über die Darstellungen von Rupert von Deutz als Visionär in Handschriften aus Göttweig und Klosterneuburg.

Ein Forschungsnetzwerk wurde etabliert, das die geplanten Einzelprojekte und Dissertationen unterstützen und begleiten wird. Davon wird auch die interessierte Öffentlichkeit profitieren: 2024 wird sich eine Ausstellung des Stiftsmuseums Klosterneuburg dem Augustiner-Chorfrauenstift widmen.

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