Mit viel Herz gegen Verschwendung in Klosterneuburg. Was vom Supermarkt nicht mehr verkauft wird, sammelt das Rote Kreuz und stellt es wirtschaftlich Schwachen zur Verfügung.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 16. Juni 2021 (04:00)
Sammeltour Klosterneuburg
An den Öffnungstagen – Dienstag, Donnerstag und Samstag – wird von 7 bis 10 Uhr gesammelt: Letzten Samstag bestritten Nora Bischoff von den Weidlinger Pfadfindern und Anton Leinfellner vom Roten Kreuz die Sammel-Tour.
Hornstein

Jeder Klosterneuburger schmeißt im Jahr rund 40 Kilogramm Lebensmittelabfälle in den Müll. 1,2 Tonnen Lebensmittel landen daher allein in Klosterneuburg jährlich im Restmüll oder in der Biotonne. Die Agenda 2030 sagt dieser Verschwendung den Kampf an, denn die Hälfte davon gilt als vermeidbar. Die Übeltäter sind klar wir alle in unseren Haushalten und der Handel.

Bewusst Einkaufen, richtiges Lagern und Restlverwertung wie bei der Oma – das müsste jetzt die Devise für den privaten Haushalt sein. Aber wer kauft schon ein abgelaufenes Produkt im Supermarkt?

„Die Leute wollen keine Almosen, sie sind gezwungen, mit ihrem Geld zu wirtschaften, und erfahren, dass Lebensmittel etwas Wertvolles sind.“ Thomas Wordie, RK Bezirksstellenleiter

„Der Produzent haftet für die Qualität seiner Waren bis zum Ablaufdatum. Daher wird ein Ablaufdatum gewählt, das mit einem sehr hohen Sicherheitsfaktor ausgestattet ist“, weiß Michael Gartner, Geschäftsführer der Lebensmittelversuchsanstalt (LVA). Über den Daumen gepeilt ließe sich sagen, dass die Waren nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums noch ein Viertel ihrer Haltbarkeitsdauer unbedenklich genießbar sind. Der Sicherheitsfaktor liegt demnach bei 25 Prozent.

Wie bei allen Dingen gibt es da natürlich auch einen wirtschaftlichen Aspekt. Wenn man Ware zu Hause wegschmeißt, muss wieder Neues gekauft werden. Das belebt die Lebensmittelwirtschaft.

Was also tun mit den Lebensmitteln, die zwar noch lange genießbar sind, aber ein überschrittenes Ablaufdatum haben? Man gibt es – abseits unserer Luxusgesellschaft – denjenigen, die jeden Cent umdrehen müssen, um über die Runden zu kommen. Und davon gibt es genug.

In Niederösterreich kümmert sich in fast allen Städten das Rote Kreuz mit ihrer „Team Österreich Tafel“ um die Versorgung der sozial Schwachen mit Lebensmitteln. Nur in Baden und in Klosterneuburg ist das anders. „2019 haben wir den SOMA Markt übernommen“, so der Bezirksstellenleiter des Roten Kreuz Klosterneuburg, Thomas Wordie. Aus SOMA wurde SOLA, der „Sozialladen“. Das Prinzip blieb aber dasselbe: ein Supermarkt für einkommensschwache Menschen. „Das war damals eine durchaus heikle Situation“, erzählt Wordie weiter, „wir haben einen neuen Standort bekommen, mussten die Finanzierung planen und neue freiwillige Mitarbeiter finden – und das alles in der Corona-Zeit.“

„Ich halte den Supermarkt-Charakter für wichtig. Auch wenn jemand mit seinem Geld gerade so über die Runden kommt – die Leute wollen keine Almosen"

Im Gegensatz zu den „Team Österreich Tafeln“, die einmal in der Woche Lebensmittel verschenken, müssen in Klosterneuburg die Waren gekauft werden. Zwar stark verbilligt, aber dennoch bezahlt. „Ich halte den Supermarkt-Charakter für wichtig. Auch wenn jemand mit seinem Geld gerade so über die Runden kommt – die Leute wollen keine Almosen, sie sind gezwungen, mit ihrem Geld zu wirtschaften, und erfahren, dass Lebensmittel etwas Wertvolles sind.“

Der „Sozialladen“ in Klosterneuburg verbindet zwei ganz wichtige Aspekte. Zum einen ist er ein sinnhaftes Werkzeug gegen die Lebensmittelverschwendung, zum anderen bietet er ein unerhört wichtiges soziales Netzwerk. Wordie: „Besonders den Menschen, die in sozialer Not sind, fehlt es meist auch an Anschluss. Bei uns im Laden lernt man sich kennen. Hier wird geredet und getratscht wie beim Greißler.“

Das Ziel des „Sozialladens“ ist es, Lebensmittel so lang wie nur möglich im Wirtschaftskreislauf zu halten. Von der eingesammelten Ware müssen durchschnittlich – je nach Produkt – nur ehn bis fünfzehn Prozent schlussendlich weggeschmissen werden.

Die Kundenzahlen des „Sozialladens“ steigen zwar stetig leicht an, aber die Corona-Krise hat sich bis jetzt noch nicht bemerkbar gemacht. „Ich glaube, wenn die staatlichen Förderungen endgültig auslaufen, werden wir mit Zuwächsen zu rechnen haben“, so der Bezirksstellenleiter beim Roten Kreuz.

Umfrage beendet

  • Habt ihr das Gefühl, dass ihr zu viele Lebensmittel wegwerft?