Florianis seit 1867 im Dienst . Zum 150. Jubiläum blicken Chef Alexander Gutenthaler und Kurt Taudtmann, der beim 100. Jubiläum Kommandant war, zurück.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 28. August 2017 (11:04)
Claudia Wagner
Das 100. Feuerwehrjubiläum feierte Kurt Taudtmann als Kommandant. Beim 150er steht er Kommandant Alexander Gutenthaler zur Seite.

Der Kampf gegen die Flammen war im 16. Jahrhundert Bürgerpflicht. Leitern, Einreißhaken und Eimer mussten in jedem Haushalt vorhanden sein. Und mit denen rückten die Kierlinger aus, um ihren Freunden, Nachbarn oder Fremden in der brenzlichen Lage zu helfen – wer sich weigerte, wurde bestraft. Feuerwehrleiter und Löschkübel zählen heute nicht mehr zur Standard-Einrichtung. Denn mit der Freiwilligen Feuerwehr Kierling sorgen sich nun wahre Experten um die Brandwache. Und das tun sie seit 150 Jahren.

Ansätze einer Wehr gab es schon früher, offiziell wurde die FF 1867 als Verein gegründet – zwei Jahre vor der Entstehung des NÖ Landesfeuerwehrverbands. Mit Leitern, Wasserwagen, Hand- und Kastenkarrenpumpe rückten etwa 25 Gründungsmitglieder zum Löschen aus – ausgehend von der heutigen Garderobe der Volksschule Kierling. Die kleine Scheune war nach der Gründung das Domizil der Florianis, nach dem Bau der Schule bezogen die Einsatzkräfte 1902 eine feuersichere Unterkunft.

Rückblick auf 65 Dienstjahre

„Die Feuerwehr Kierling zeichnet sich durch die gutegenerationen- übergreifende Kameradschaft aus.“Alexander Gutenthaler, Kommandant FF Kierling

Bis zum 100-jährigen Jubiläum blieb der FF-Unterschlupf dort. Kurt Taudtmann, der zu der Zeit Kommandant – damals noch „Hauptmann“ – war, denkt zurück: „Da gab es nichts: kein Wasser, kein Klo, keine Heizung.“ Und auch kein Telefon, alarmiert wurden die Silberhelme durch die Sirene vor dem Gebäude. Der beschränkte Platz reichte gerade einmal für zwei Feuerwehrfahrzeuge, die aufgefädelt in der heutigen Garderobe standen. An den früheren Sitz erinnert bloß noch das große Tor beim Schuleingang.

Zum runden Geburtstag wurde der Grundstein für das neue Heim am jetzigen Standort gelegt. 600.000 Schilling kostete das Depot am Parkgelände, das Kommandant Taudtmann 1969 in Betrieb nahm. Das Gebäude – wie auch die Wehr selbst – sind seitdem gewachsen.

Heute zählt die Feuerwehr fünf Einsatzfahrzeuge und 82 Mitglieder. Der 91-jährige Kurt Taudtmann ist der zweitälteste Floriani der Katastralgemeinde – in seinen 65 Dienstjahren sind ihm viele Einsätze besonders im Gedächtnis geblieben: „Am schlimmsten war der Brand im Marienheim mit sechs Toten“, so der rüstige Silberhelm-Senior rückblickend.

Teamgeist und gute Zusammenarbeit

Seinen Amtskollegen, den heutigen Kommandanten Alexander Gutenthaler, hat ein Autounfall in der S-Kurve beim Maital geprägt, bei dem er 1991 zufällig vorbeikam. „Ich habe den Einsatz gesehen. Mich haben die gute Zusammenarbeit und der Teamgeist der Feuerwehrleute beeindruckt“, erzählt der Floriani-Chef. Gleich am nächsten Tag hat er sich bei der FF eingeschrieben.

15 Jahre später wurde er zum Kommandanten gewählt. Gutenthaler ist stolz auf seine Truppe: „Die Feuerwehr zeichnet sich durch die gute generationenübergreifende Kameradschaft aus. Quer durch den Gemüsegarten haben wir den perfekten Schnitt der Gesellschaften.“ Alle haben sie ein gemeinsames Ziel: Sie wollen helfen und sich für andere einsetzen.

Das tun sie etwa 100 Mal im Jahr, wenn sie zu Einsätzen gerufen werden. Am kommenden Wochenende sorgen sie sich neben der Sicherheit der Kierlinger zusätzlich um ihre Unterhaltung. Wie schon das 100. Jubiläum wird auch das 150. Jubiläum zweitägig gefeiert – mit einem großen Fest für Freunde der Wehr und Klosterneuburger, die die Kierlinger FF kennenlernen möchten.