Erstellt am 11. Dezember 2014, 08:37

von Martin Gruber-Dorninger und Claudia Wagner

Flüchtlinge: Alle ziehen an einem Strang. PUK hielt Veranstaltung zu Flüchtlingshilfe ab, SPÖ fordert Verteilerzentrum in Klosterneuburg. Für Raz geht dieser Vorstoß zu weit.

SP-Stadtrat Stefan Mann, Koordinatorin Brigitte Körbler, Werner Rochlitz und Stadtrat Karl Hava (von links) bei der Magdeburg-Kaserne.  |  NOEN, Gruber-Dorninger

Kurz vor Redaktionsschluss der NÖN meldete sich noch der Sprecher des Bundesministeriums für Inneres, Karl Heinz Grundböck, mit der aktuellen Tagesmeldung. „Derzeit leben 137 Flüchtlinge auf dem Gelände der Magdeburgkaserne, davon sind zwölf Familien mit mindestens einem Kind“, verrät Grundböck. Menschen aus 21 verschiedenen Nationen finden am Kasernenareal Unterschlupf vor den Kriegswirren. „Die meisten Menschen kommen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan“, klärt Grundböck auf.

In der Zwischenzeit laufen die Hilfsbemühungen unterschiedlicher Klosterneburger Gruppierungen auf Hochtouren. In Kritzendorf hielt die PUK einen Themenabend nach dem Motto „Klosterneuburg hilft“ ab. Schüler des BG/BRG waren ebenso gekommen wie ältere Menschen und eine syrische Studentin. Die Initiatorin der Aktion Sabine Gösker hieß auch Almut Etz von „Altmünster für Menschen“ willkommen. In die kleine oberösterreichische Gemeinde wurden vor zwei Jahren überraschend rund 50 Flüchtlinge einquartiert, die seither von einer großen Gruppe an Freiwilligen mit Deutschkursen und Begleitung bei Amtswegen unterstützt werden.

Gekommen sind ebenso Marianne Haider, Leiterin des ÖJAB Flüchtlingsheimes Greifenstein, sowie Wolfgang und Guni Zeppelzauer vom St. Andrä-Wördener Verein „Grenzenlos“. „Am wichtigsten sind Deutschkurse und Möglichkeiten des Geldverdienens, da Flüchtlinge keine Arbeitserlaubnis erhalten und zum Nichtstun verdammt sind“, klärte Zeppelzauer auf. Auch Sozialsprecherin und Spitzenkandidatin der PUK, Teresa Arrieta, war sichtlich bewegt über den von ihr mitorganisierten, gelungenen Abend: „Als Mitkoordinatorin von ,Klosterneuburg hilft‘ bin ich stolz, dass wir bereits über 170 Mitglieder auf Facebook haben und dass heute Abend so viele Menschen unserem Aufruf gefolgt sind.“

Martin Trat hat erste Fuhre schon abgeliefert

Der Weidlinger Gemeinderat Martin Trat zeigt sich punkto Flüchtlingshilfe ebenfalls sehr aktiv. „Wer rastet, der rostet. Durch immer wiederkehrende Anfragen der Bürger habe ich mich dazu entschlossen, den Spendenaufruf für die Kriegsflüchtlinge zu unterstützen“, gibt Trat im NÖN-Gespräch an. Seit Dienstag ist er unterwegs, um Sachen, die benötigt werden, einzusammeln und in die Flüchtlingsunterkunft in die Magdeburgkaserne zu bringen.

Auch die SPÖ zeigt sich beim Flüchtlingsthema initiativ. „Es ist zutiefst erfreulich, dass Bürgermeister Schmuckenschlager Menschlichkeit beweist. Statt dem ‚Geschrei‘ aus dem rechten politischen Eck zu folgen, hat er das Richtige getan“, betonte Werner Rochlitz. Die SPÖ geht sogar noch einen Schritt weiter. „Die Unterbringung in der Kaserne ist grundsätzlich zu befürworten, kann aber keine Dauerlösung sein,“ ergänzt Stadtrat Mann. „Militärische Gebäude als Aufenthaltsort sind für vom Krieg traumatisierte Menschen nur bedingt geeignet“, ist Mann überzeugt.

Rochlitz tritt sogar dafür ein, in Klosterneuburg ein Verteilerzentrum für Flüchtlinge zu errichten: „Wir brauchen mittelfristig neue Möglichkeiten. Klosterneuburg ist auch wegen der Nähe zu Wien ein guter Standort.“ Dieser Vorschlag stößt der VP allerdings sauer auf. „Der SP-Vorstoß ist übertrieben. Es wäre besser, gemeinsam Menschen in Not unmittelbar beizustehen und anschließend mit Privatprojekten und Aufteilungen für eine gelungene Integration zu sorgen“, meint Vizebürgermeister Richard Raz.


Wer will helfen

  • Auf Facebook: facebook.com/martin .trat, Gruppe: Klosterneuburg hilft.

  • Die Volkshilfe (Vorsitzender: Karl Hava) stellt Kinderbetten und -spielzeug zur Verfügung. Ebenso folgt eine Sammelaktion der SPÖ-Frauen.

  • Seitens der Stadtgemeinde übernimmt Susanne Hammerl die Koordination der Hilfsangebote aus der Bevölkerung: unter hammerl@klosterneuburg.at oder 02243/444-415.

  • Auf iburg.at ist eine Online-Plattform zur Hilfe im Aufbau.

  • Die Grünen haben auf ihrer Homepage ( buergerunion.at ) ebenfalls eine Hilfsaktion gestartet.