"Die Welt ist klein" gilt auch für menschliches Gehirn. Jeder Mensch kennt jeden anderen auf der Welt über sechs Ecken, wie der US-Psychologe Stanley Milgram in den 1970er-Jahren herausfand. Bei Nervenzellen im Lernzentrum des Hirns ist es ähnlich, berichten österreichische Forscher nun im Fachmagazin "Science".

Von NÖN-Redaktion, APA. Erstellt am 08. September 2016 (20:00)
NOEN, Erwin Wodicka

Jede einzelne Zelle ist nur mit wenigen anderen direkt verbunden, kann aber über ein paar Stationen mit allen übrigen kommunizieren.

Die Wissenschafter um Jose Guzman und Peter Jonas vom Institut of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg haben dafür ein Areal im Hippocampus untersucht, das für das Lernen und Erinnern wichtig ist. Dort werden die Inhalte aber nicht als ganzes Bild abgespeichert, sondern in Einzelteilen, erklärte Guzman.

"Zum Abrufen müssen jeweils nur ein paar Nervenzellen stimuliert werden, und durch die offensichtlich guten Verbindungen mit den anderen Zellen wird das Muster vervollständigt und die ganze Erinnerung kommt zurück", sagte er.

"Ein Prozent der Zellen sind direkt miteinander verbunden"

Bisher war aber nicht bekannt, wie dicht diese Gehirnzellen miteinander vernetzt sind. Nur zu einem Bruchteil, wie die Forscher herausfanden. "Gerade einmal ein Prozent der Zellen sind direkt miteinander verbunden", so Guzman.

Weltweit ist auch nicht jeder Mensch mit jedem Beliebigen bekannt, und man kann nicht von jedem Flughafen jeden anderen auf der Welt anfliegen. Aber über wenige Zwischenstationen kennt jeder jeden und Reisende gelangen mit ein paarmal Umsteigen von jedem Provinzflughafen in der Mongolei zu einem solchen in Österreich. Diese Kuriosität nennt man "Kleine-Welt-Phänomen" oder "Kleine-Welt-Netzwerk".

Genau nach diesem Muster sind auch die Nervenzellen in jenem Hippocampus-Areal vernetzt, erklärte Guzman. Lauter direkte Verbindungen wären auf dem begrenzten Platz wohl gar nicht möglich, doch so sind die Lernzellen sehr effizient miteinander verbunden.

"Dieses Ergebnis ist nicht nur wissenschaftlich interessant, sondern Computerwissenschafter können sich vielleicht auch etwas von unseren Gehirnzellen für ihre Netzwerke abschauen", meint der Forscher.