Wege sind ungepflegt: Kein Kies für den Kies?. Die Wege des Kritzendorfer Friedhofs sind für viele Besucher ungepflegt. Erika Prantner fragt sich: „Ist die Pfarre so arm, dass sie sich keinen Kies leisten kann?“

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 18. Juli 2019 (03:50)
Hornstein
Durch den Kies kommt am Kritzendorfer Friedhof das Unkraut durch. Für viele Friedhofsbesucher ist das kein schöner Anblick.

Der Friedhof ist nicht nur ein Ort, an dem man seinen Verstorbenen besonders nahe sein will, er ist auch ein Ort der Erholung. Für Erika Prantner ist es allerdings ein Ort des Ärgernisses. „Der Allgemeinzustand dieses Pfarrfriedhofes ist eines Friedhofs nicht würdig“, so die Kritzendorferin.

„Jetzt reicht es mir“, so Prantner am NÖN-Telefon, „ich bin ein sehr friedvoller Mensch, aber jetzt ist das Maß voll. Ich hoffe, dass sich durch die Zeitung etwas ändert.“ Dabei geht es der Kritzendorferin vor allem um die ungepflegten Wege des Friedhofs.

„Mein Mann ist vor zehn Jahren gestorben und am Kritzendorfer Friedhof begraben. Seit zehn Jahren ist kein neuer Kies auf die Wege des Friedhofs gekommen. Es ist alles voller Unkraut.“ Wenn es regnet, sei es besonders schlimm, erzählt Prantner weiter, da würde der Schlamm aus dem Kiesbett quellen.

„Alles vergeblich. Außer leeren Versprechungen, die nie eingehalten wurden, habe ich bis jetzt nichts geerntet"

Prantner beteuert, oft genug schon mit der Pfarre und dem zuständigen Friedhofs-Verantwortlichen gesprochen zu haben und ihren Unmut zum Ausdruck gebracht zu haben. „Alles vergeblich. Außer leeren Versprechungen, die nie eingehalten wurden, habe ich bis jetzt nichts geerntet. Die Pfarre ist anscheinend so arm und klein, dass sie sich keinen neuen Kies leisten kann.“

Für die Wege ist nicht der Friedhofsgärtner, sondern Gerhard Muggenhuber zuständig. Er kümmert sich freiwillig für die Pfarre darum, dass die Wege ordentlich ausschauen. „Es stimmt nicht, dass wir seit zehn Jahren keinen Kies auf den Wegen aufgebracht hätten“, so Muggenhuber. Er weiß, dass viel Grün durch die Schotterdecke der Wege durchkommt, sieht das aber nicht als bemerkenswert oder sogar tragisch an.

„Wir verwenden jetzt keine glyphosathaltigen Unkrautvertilgungsmittel, die jahrzehntelang am Friedhof verwendet wurden. Es ist klar, dass sich dann das Unkraut schneller verbreitet“, so der freiwillige Pfarrhelfer.

"Die Pfarre ist anscheinend so arm und klein, dass sie sich keinen neuen Kies leisten kann.“

Wieviel Schotter aufgebracht wird, sei mit anderen, der Friedhofspflege dienlichen Personen abgesprochen. „Fakt ist auch, dass bei einer zu hohen Kiesdecke die Wege gefährlich werden können“, so Muggenhuber, der mit Erika Prantner schon gesprochen hat. Besonders ältere Menschen hätten auf den Wegen dann keinen stabilen Halt und könnten umknöcheln. Dem Unkraut versucht Muggenhuber mit einem Flämmgerät Herr zu werden. Das passiert fast jede Woche.

„Ich versuche, einen Kompromiss zu finden. Ein Kompromiss zwischen einer biologisch einwandfreien und trotzdem praktikablen Pflege der Friedhofswege“, erklärt Muggenhuber.

Menschlich versteht er natürlich die Unzufriedenheit mancher Friedhofsbesucher und versucht auch da, auf die Bedürfnisse einzugehen. „Wenn jemand konkret eine Beanstandung hat, werde ich versuchen, das Problem rasch zu lösen.“

Auch im Fall Prantner sucht Muggenhuber einen Kompromiss: „Ich verspreche, gerade in der Umgebung ihres Grabes das Unkraut wegflämmen. Den ganzen Kritzendorfer Friedhof kann ich allerdings nicht unkrautfrei halten.“